Glamsterdam lässt Lücke bei Staking-Einzahlungen offen
Beim Ethereum-Upgrade Glamsterdam können Validator-Einzahlungen einem fremden Builder-Konto gutgeschrieben werden. Die Entwickler ändern die Regeln nicht, Staking-Anbieter müssen selbst vorsorgen.
Beim Ethereum-Upgrade Glamsterdam können Einzahlungen für neue Validatoren nach einem Hinweis aus dem Umfeld von Lido einem fremden Konto gutgeschrieben werden. Die Entwickler ändern nichts. Staking-Anbieter müssen sich selbst schützen, bevor die Kette die Fork durchläuft.
Gemeldet wurde das Problem am 12. Oktober als Eintrag im Verzeichnis der Ethereum-Spezifikationen. Am Montag schloss ihn der zuständige Betreuer mit dem Vermerk “not planned”. “There was not enough support from clients to make this change at this time”, schrieb er dazu: Die Client-Teams hätten die Änderung derzeit nicht ausreichend unterstützt. Besprochen worden sei das Thema in den Entwicklerrunden ACDC und ACDT.
Öffentlich gemacht hat die Warnung nach Angaben von Crypto Briefing Dima Gusakov, Leiter der Entwicklung beim Staking-Protokoll Lido.
Ein Betreiber kann fremdes Ether auf sein Builder-Konto umlenken
Gloas heißt der Konsens-Teil von Glamsterdam, und er bringt eine neue Rolle. Builder, die Blöcke zusammenstellen, hinterlegen künftig selbst Ether auf der Beacon Chain, ähnlich wie Validatoren. Beim Übergang verarbeitet die Kette alle Einzahlungen, die noch in der Warteschlange stehen, und richtet für Einzahlungen mit Builder-Kennung ein Builder-Konto ein.
Genau dort liegt die Lücke. Alle weiteren Einzahlungen auf denselben öffentlichen Schlüssel landen dann ebenfalls beim Builder, egal, für welche Auszahlungsadresse sie gedacht waren. Ein unredlicher Node-Betreiber könnte also zuerst eine kleine Builder-Einzahlung auf einen neuen Schlüssel einreihen und abwarten, bis ein Staking-Protokoll für denselben Schlüssel die Einlage eines Validators überweist.
Der Validator würde nie aktiviert, das Geld der Staker läge auf dem Konto des Betreibers, der es abziehen kann.
Hinzu kommt ein Nebeneffekt, auf den der Eintrag hinweist: Manche Protokolle können einen solchen Betrug nur nachweisen, wenn es den Validator gibt. Fehlt er, scheitert auch der Weg, den Schaden zu belegen und das Geld zurückzuholen.
Staking-Protokolle sollen Einzahlungen vorher prüfen
Als Abhilfe nennt der Eintrag eine Prüfung vor jeder Einzahlung, die eine schon vorhandene Builder-Einzahlung auf denselben Schlüssel erkennt und den Vorgang dann abbricht. Lido selbst arbeitet nach Angaben von Crypto Briefing seit 2021 mit einem eigenen Sicherheitsmodul, in dem ein Ausschuss von Wächtern jede Einzahlung vorher freigibt. Gefährdet sind nach Einschätzung von Crypto Briefing vor allem kleinere und neuere Dienste, die keine vergleichbare Kontrolle haben.
Privatanleger können die Lücke nicht selbst schließen. Wer Ether über einen Anbieter staked, kann aber beim Anbieter nachfragen, ob dessen Einzahlungen vor Glamsterdam auf Builder-Kennungen geprüft werden.
Den Zeitplan hatten wir am Morgen beschrieben: Glamsterdam kommt am 26. Oktober ins Testnetz Hoodi, ein Termin für das Hauptnetz steht noch nicht fest. Wie stark sich das Staking ohnehin auf wenige große Anbieter verteilt, zeigt die Lage, als Lido in beiden Warteschlangen vorn stand.
Für das Hauptnetz bleibt die Regel, wie sie ist, solange die Client-Teams ihre Meinung nicht ändern.
Kryptowährungen sind sehr schwankungsanfällig. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.




