Seed-Phrase: Wie sicher sind 12 oder 24 Wörter?

Kevin van der Linden
Von Erstellt · Aktualisiert

Deine Seed-Phrase aus 12 oder 24 Wörtern ist der Generalschlüssel zu deinen Coins. Wie lange bräuchte jemand, um sie zu erraten? Der Rechner zeigt es – und was passiert, wenn ein Angreifer schon einige Wörter kennt. Spoiler: Die Gefahr liegt fast nie im Erraten.

Gib deine echte Seed-Phrase niemals auf einer Website ein – auch nicht hier. Dieser Rechner fragt keine Wörter ab und rechnet nur mit der Anzahl.

Rechner: Wie lange dauert es, eine Seed-Phrase zu erraten?

Länge der Seed-Phrase
Was weiß der Angreifer?
Gültige Kombinationen, die er prüfen müsste–
Durchschnittliche Dauer–

Gerechnet mit der Hälfte aller Kombinationen (im Mittel liegt der Treffer in der Mitte). Die Prüfsumme der Seed-Phrase sortiert ungültige Kombinationen kostenlos aus. Ein echter Versuch ist viel aufwendiger als ein Bitcoin-Hash – das dritte Tempo ist deshalb weit übertrieben.

So viel Sicherheit steckt in 12 bis 24 Wörtern

WörterZufallPrüfsummeMöglichkeitenDauer im Mittel
12 128 Bit 4 Bit 3,4 × 10³⁸ 5,4 × 10¹⁸ Jahre
3,9 × 10⁸-mal das Alter des Universums
15 160 Bit 5 Bit 1,5 × 10⁴⁸ 2,3 × 10²⁸ Jahre
1,7 × 10¹⁸-mal das Alter des Universums
18 192 Bit 6 Bit 6,3 × 10⁵⁷ 9,9 × 10³⁷ Jahre
7,2 × 10²⁷-mal das Alter des Universums
21 224 Bit 7 Bit 2,7 × 10⁶⁷ 4,3 × 10⁴⁷ Jahre
3,1 × 10³⁷-mal das Alter des Universums
24 256 Bit 8 Bit 1,2 × 10⁷⁷ 1,8 × 10⁵⁷ Jahre
1,3 × 10⁴⁷-mal das Alter des Universums

Nach dem Standard BIP-39: 2.048 Wörter, 11 Bit je Wort; ein Teil des letzten Worts ist eine Prüfsumme. Dauer im Mittel bei einer Billion Versuchen pro Sekunde.

So funktioniert eine Seed-Phrase

Fast alle Wallets erzeugen die Seed-Phrase nach dem Standard BIP-39. Die Wallet würfelt zuerst eine große Zufallszahl – 128 Bit bei 12 Wörtern, 256 Bit bei 24 Wörtern. Diese Zahl wird in Blöcke zu 11 Bit zerlegt; jeder Block steht für eines von 2.048 Wörtern einer festen Liste. Am Ende hängt die Wallet eine kurze Prüfsumme an, deshalb passen nicht alle Wörter an die letzte Stelle.

Aus den Wörtern berechnet die Wallet mit 2.048 Runden einer Hash-Funktion (PBKDF2) den eigentlichen Schlüssel, aus dem alle Adressen und Private Keys folgen. Wer die Wörter kennt, kann deshalb auf jedem Gerät mit jeder kompatiblen Wallet an die Coins.

Die Wortliste ist so gebaut, dass die ersten vier Buchstaben jedes Wort eindeutig bestimmen und sich ähnliche Wörter nicht verwechseln lassen. Fast alle Wallets nutzen die englische Liste; eine deutsche Liste gibt es im Standard nicht.

Die echten Gefahren

Phishing

Gefälschte Websites, Apps oder angebliche Support-Mitarbeiter fragen nach deiner Seed-Phrase. Kein seriöser Anbieter will sie je wissen – wer danach fragt, will stehlen.

Fotos und Cloud

Ein Foto, ein Screenshot oder eine Notiz im Handy landet schnell in der Cloud. Wird das Konto gehackt, liest der Angreifer mit.

Manipulierte Wallets

Gefälschte Hardware-Wallets oder Apps erzeugen Seed-Phrasen, die der Angreifer kennt. Nutze nie eine Seed-Phrase, die schon beilag, und kaufe Geräte nur beim Hersteller oder bei autorisierten Händlern.

Verlust

Feuer, Wasser oder ein verlegter Zettel: Ohne Seed-Phrase und ohne Gerät sind die Coins für immer weg. Niemand kann sie zurücksetzen.

Erpressung

Wer weiß, dass du viele Coins besitzt, kann dich unter Druck setzen. Sprich nicht öffentlich über deine Bestände.

So bewahrst du deine Seed-Phrase sicher auf

  1. Auf Papier oder Metall Schreib die Wörter in der richtigen Reihenfolge von Hand auf. Eine Metallplatte übersteht auch Feuer und Wasser.
  2. Nie digital Kein Foto, keine Datei, keine Notiz-App, keine E-Mail an dich selbst.
  3. Getrennt vom Gerät Bewahre die Seed-Phrase an einem sicheren Ort auf, etwa in einem Tresor. Eine zweite Kopie an einem anderen Ort schützt vor Feuer.
  4. Wiederherstellung testen Prüfe mit einer noch leeren Wallet, ob du die Wörter richtig notiert hast, bevor du größere Beträge überweist.
  5. Passphrase erwägen Ein zusätzliches Passwort („25. Wort“) schützt, falls jemand den Zettel findet. Vergisst du es, sind die Coins aber ebenso verloren.

Wallets aus unserem Test

  1. 1

    Trezor Safe 5

    8,8/10 Trust Score B 79/100 Preis: 129 €

  2. 2

    Trezor Safe 3

    8,7/10 Trust Score B 79/100 Preis: 59 €

  3. 3

    OneKey Pro

    8,4/10 Trust Score A+ 92/100 Preis: 278 US-$ (regulär 299 US-$)

Alle Wallets im Vergleich

Seed Phrase, Private Key und PIN: wer welche Aufgabe hat

Die Seed Phrase ist nicht dasselbe wie dein Private Key und auch nicht dasselbe wie die PIN deines Geräts. Aus den 12 oder 24 Wörtern leitet die Wallet einen Hauptschlüssel ab und aus ihm beliebig viele Private Keys, einen für jede Adresse. Dieses Verfahren heißt hierarchisch-deterministische Wallet und ist im Standard BIP-32 beschrieben. Du sicherst deshalb nie einzelne Schlüssel, sondern nur die Wörter.

Die PIN schützt dagegen nur das Gerät vor fremden Händen. Eine neue Hardware-Wallet mit anderer PIN kommt mit derselben Seed Phrase an dieselben Coins. Daraus folgt eine klare Rangordnung: Ein gestohlenes Gerät mit guter PIN ist ärgerlich, eine fremde Person mit deinen Wörtern ist ein Totalverlust.

Geht das Gerät kaputt, kaufst du ein neues, wählst „Wiederherstellen“ und tippst die Wörter direkt dort ein. Weil BIP-39 ein offener Standard ist, muss es nicht einmal vom selben Hersteller stammen. Prüfe vorher nur, ob die neue Wallet deine Coins unterstützt.

Hardware-Wallet oder Papier – wo gehört die Seed Phrase hin?

Gerät und aufgeschriebene Wörter erfüllen zwei verschiedene Aufgaben. Die Hardware-Wallet hält die Schlüssel im Alltag offline und unterschreibt Transaktionen, ohne dass die Wörter je auf einem Computer auftauchen. Die notierte Seed Phrase ist das Backup für den Fall, dass das Gerät verloren geht oder defekt ist.

Beides zusammen ergibt ein sicheres System. Die Wörter allein in einer App auf dem Handy dagegen kaum, denn ein Smartphone ist ständig online und landet schnell in fremden Händen. Für kleine Beträge zum Ausprobieren mag eine App reichen; für alles, was du langfristig hältst, gehört der Schlüssel auf ein eigenes Gerät.

Wo du die Wörter lagern kannst

Speicherort Feuer/Wasser Diebstahlrisiko
Papier im Tresor empfindlich gering
Metallplatte robust gering
Foto oder Cloud robust hoch
Passwortmanager robust mittel bis hoch

Mehr Schutz für große Beträge: Passphrase, Shamir, Multisig

Die Passphrase als zusätzliches Wort

Die Passphrase ist im Standard BIP-39 fest vorgesehen. Die Wallet hängt sie an das Wort „mnemonic“ an und nutzt beides als Salt, wenn sie aus der Seed Phrase den eigentlichen Seed berechnet. Jede Passphrase ergibt dabei eine gültige, aber völlig andere Wallet. Bei einem Tippfehler erscheint deshalb keine Fehlermeldung, sondern eine leere Wallet.

Genau das ist Stärke und Gefahr zugleich. Wer nur deinen Zettel findet, sieht ohne Passphrase nichts von Wert. Vergisst du sie oder schreibst sie mit anderer Groß- und Kleinschreibung, sind die Coins auch für dich verloren. Lagere sie getrennt von den Wörtern, aber genauso dauerhaft.

Shamir-Backup und Multisig

Trezor bietet das Shamir-Backup nach dem Standard SLIP-39 an: Die Sicherung wird in bis zu 16 Teile zerlegt, und du legst fest, wie viele davon für die Wiederherstellung nötig sind, etwa zwei von drei. Seit Juni 2024 ist das bei der Safe-Reihe die Standard-Sicherung, ein Teil besteht meist aus 20 Wörtern. Eine Multisig-Wallet verlangt dagegen mehrere Geräte für jede Überweisung. Beide Wege machen die Wiederherstellung komplizierter und lohnen sich nur, wenn du sie verstehst und sauber dokumentierst.

Phishing: wie Betrüger an die Seed Phrase kommen wollen

Ein Angreifer muss deine Wörter nicht erraten, er muss dich nur dazu bringen, sie einzugeben. Die Maschen wechseln ihr Gewand, folgen aber demselben Muster: Es entsteht ein dringender Grund, die Seed Phrase dort einzutippen, wo jemand mitliest.

Typische Vorwände, hinter denen Diebstahl steckt

  • E-Mail oder Brief im Namen des Herstellers, du sollst dein Gerät „verifizieren“
  • Angebliches Sicherheitsupdate, das alle Wörter am Computer abfragt
  • Support-Konto in sozialen Netzwerken, das dir per Direktnachricht helfen will
  • Airdrop oder Gewinnspiel, für das du die Wallet auf einer Webseite „verbinden“ sollst
  • Gerät oder Karte mit bereits notierten Wörtern im Paket
  • Seriöse Hersteller fragen nie nach deiner Seed Phrase, auf keinem Kanal

Bist du unsicher, öffne die Seite des Herstellers selbst über ein Lesezeichen. Hast du die Wörter schon eingegeben, zählt Tempo: neue Wallet mit neuer Seed Phrase anlegen und alle Coins sofort dorthin übertragen.

Seed Phrase vererben: der Plan für den Ernstfall

Coins ohne Zugang sind auch für Erben verloren, denn niemand kann eine Wallet ohne die Wörter öffnen. Bewährt hat sich eine Trennung: Ein Dokument beschreibt, welche Wallet du nutzt, wo das Gerät liegt und wie die Wiederherstellung abläuft. Die Wörter selbst liegen an einem sicheren Ort, etwa in einem Schließfach, zu dem Angehörige im Notfall Zugang erhalten.

Nutzt du eine Passphrase oder ein Shamir-Backup, gehört auch das in den Plan: Wo liegt die Passphrase, wie viele Teile braucht es, und wer verwahrt welchen? Ohne diese Angaben stehen Erben vor einer Wallet, die sie trotz richtiger Wörter nicht öffnen können.

Schreib die Seed Phrase nicht in E-Mails oder Dokumente, die viele Personen zu sehen bekommen, und prüfe den Plan nach jedem Wechsel von Wallet oder Aufbewahrungsort. Welche Geräte wir getestet haben und was sie kosten, zeigt der Wallet-Vergleich.

Häufige Fragen zur Seed-Phrase

Was ist eine Seed-Phrase?

Eine Folge von 12 oder 24 Wörtern, aus der deine Wallet alle Schlüssel und Adressen berechnet. Sie ist die Sicherung deiner Coins: Mit ihr stellst du die Wallet auf jedem Gerät wieder her – und jeder andere, der sie kennt, ebenso.

Sind 12 Wörter sicher genug?

Ja. 12 Wörter stehen für 128 Bit Zufall, das sind rund 3,4 × 10³⁸ Möglichkeiten. Selbst mit unrealistisch viel Rechenleistung würde das Erraten länger dauern, als das Universum alt ist. 24 Wörter bieten zusätzliche Reserve.

Kann man eine Seed-Phrase erraten?

Praktisch nein, solange sie zufällig erzeugt wurde. Seed-Phrasen werden gestohlen, nicht erraten: über Phishing, Fotos in der Cloud oder manipulierte Wallets.

Was passiert, wenn mir ein Wort fehlt?

Ein fehlendes Wort lässt sich schnell wiederfinden, weil es nur 2.048 Möglichkeiten gibt und die Prüfsumme viele ausschließt. Jedes weitere fehlende Wort macht die Suche rund 2.000-mal aufwendiger – wie lange es dauert, zeigt der Rechner oben. Gib dafür nie Wörter an fremde Personen oder Websites.

Warum gibt es keine deutschen Wörter?

Der Standard BIP-39 kennt Wortlisten in mehreren Sprachen, aber keine deutsche. Er rät ausdrücklich zur englischen Liste, weil fast alle Wallets nur sie unterstützen.

Wo darf ich meine Seed-Phrase eingeben?

Nur in der Wallet selbst, wenn du sie wiederherstellst – am besten direkt auf einer Hardware-Wallet. Niemals auf einer Website, in einem Formular, einem Chat oder einer E-Mail.

Quellen

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