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Börse Stuttgart erhält DLT-Lizenz für Seturion

Die BaFin hat der Boerse Stuttgart Group eine Lizenz nach dem DLT-Pilotregime erteilt. Seturion soll tokenisierte Wertpapiere europaweit abwickeln, Starttermin und erste Kunden sind noch offen.

Fünf durchsichtige Glaswürfel stehen als verbundene Kette auf einem weißen Sockel mit dem violetten Schriftzug Boerse Stuttgart, im ersten und im letzten Würfel liegt ein gefaltetes Wertpapier.

Die Boerse Stuttgart Group darf ihre Blockchain-Plattform Seturion als regulierte Abwicklungsstelle für tokenisierte Wertpapiere in der EU betreiben. Die BaFin hat ihr eine Lizenz nach dem europäischen DLT-Pilotregime erteilt, einen Starttermin und erste Kunden nennt die Gruppe aber noch nicht.

Bekannt gab die Gruppe die Lizenz am Dienstagmorgen in einer Pressemitteilung. Erteilt hat sie die BaFin nach einem Verfahren, das sie gemeinsam mit der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA und der Europäischen Zentralbank geführt hat. Stuttgart sieht sich damit als erste Börsengruppe Europas mit einer solchen Zulassung.

Der erste Anbieter überhaupt ist die Gruppe nicht, denn das Frankfurter Unternehmen 21X hatte schon Ende 2024 als erstes Haus in der EU eine Lizenz derselben Art bekommen.


Das Pilotregime erlaubt Handel und Abwicklung aus einer Hand

Die Lizenz heißt DLT TSS, kurz für DLT Trading and Settlement System. Sie stammt aus der EU-Verordnung 2022/858, die seit März 2023 gilt und Wertpapiere auf einer Blockchain zunächst zur Probe zulässt. Normalerweise trennt das EU-Recht streng: Gehandelt wird an einer Börse oder einem Handelssystem, abgewickelt und verwahrt bei einem Zentralverwahrer wie Clearstream. Das Pilotregime erlaubt beides in einem System, sofern es auf einer Blockchain läuft.

Im Alltag verschwinden damit Zwischenstationen. Ein Wertpapier wechselt nicht mehr über Depotbanken und Verwahrer den Besitzer, sondern direkt vom Konto des Verkäufers auf das des Käufers, und das Geld fließt im selben Schritt in Gegenrichtung.

Bezahlt werden soll bei Seturion wahlweise mit Geld auf der Blockchain, etwa Stablecoins oder tokenisierten Einlagen, oder mit Zentralbankgeld. Unterstützt werden öffentliche wie private Blockchains. Nach Angaben der Gruppe können Banken und Broker so bis zu 90 Prozent der Abwicklungskosten sparen, belegt ist die Zahl bisher nicht.

Das Pilotregime hat Grenzen, die für Stuttgart wie für 21X gelten. Zugelassen sind nur kleinere Emissionen, etwa Aktien von Unternehmen mit weniger als 500 Millionen Euro Börsenwert, und die Lizenz ist befristet.


Handelsplätze sollen sich ohne eigene Lizenz anschließen

Seturion ist als Dienst für andere gedacht. Banken, Broker und Handelsplätze in ganz Europa sollen sich anbinden und dann tokenisierte Wertpapiere anbieten können, ohne selbst eine DLT-Lizenz zu beantragen. Als strategische Partner nennt die Gruppe den Broker flatexDEGIRO, den Börsenbetreiber Nasdaq, die Société Générale und deren Digitaltochter SG Forge.

“Die Lizenz ist nicht nur die Grundlage für die Etablierung von Seturion als paneuropäische digitale Settlement-Plattform”, sagte Matthias Voelkel, Vorstandschef der Boerse Stuttgart Group. Sie sei auch ein Schritt hin zu einem einheitlichen europäischen Kapitalmarkt.

In der Schweiz läuft die Technik bereits: Dort wickelt das Handelssystem der Gruppe, das seit September als SeturionX firmiert, seine Geschäfte über Seturion ab.

Für Privatanleger in Deutschland ändert sich vorerst nichts, weder an Kosten noch an Produkten. Die Gruppe ist im Privatkundengeschäft allerdings längst über ihre Digitaltochter präsent: Boerse Stuttgart Digital verwahrt etwa die Coins, die Kunden von Volks- und Raiffeisenbanken über meinKrypto kaufen.

Wann über Seturion das erste tokenisierte Wertpapier für einen Kunden der Partner abgewickelt wird, steht in der Mitteilung nicht.

Kryptowährungen sind sehr schwankungsanfällig. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.

BaFin Blockchain Börse Stuttgart Tokenisierung

Sven Meisinger

Über Sven Meisinger

Redakteur bei Krypto-Boersen.com mit Schwerpunkt auf fundierte Marktanalysen und aktuelle Entwicklungen im Bereich digitaler Assets. Durch tiefgreifende Recherche und datenbasierte Analysen liefert er präzise Einschätzungen zu Markttrends, regulatorischen Veränderungen und technologischen Innovationen in der Blockchain-Industrie. Seine Expertise umfasst sowohl technische Chartanalysen als auch fundamentale Bewertungen von Kryptowährungen und DeFi-Protokollen.

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