Payward, die Muttergesellschaft der Kryptobörse Kraken, übernimmt die Saldo Bank aus Litauen und damit eine Banklizenz für die EU. Der Kaufpreis bleibt offen, und abgeschlossen werden soll das Geschäft erst 2027, wenn die Aufsicht zugestimmt hat.
Unterzeichnet ist laut der Mitteilung von Payward vom Mittwoch ein verbindlicher Vertrag über die finnische Holding Saldo Finance Oy. Deren Tochter Saldo Bank UAB ist eine in Litauen zugelassene Digitalbank und arbeitet in Litauen, Finnland, Schweden und Deutschland. Über den EU-Pass kommen die Niederlande als fünfter Markt hinzu.
Nach Angaben der Financial Times wäre Payward damit das erste Kryptounternehmen, das in Europa eine Bank kauft.
Saldo selbst ist klein. Die Bilanzsumme lag Ende 2025 nach Angaben von CoinDesk bei 163,9 Millionen Euro, ein Plus von 22,7 Prozent zum Vorjahr. Die Bank nimmt in ihren vier Kernmärkten Festgeld von Privatkunden an, vergibt Konsumkredite in Litauen, Finnland und Schweden und Firmenkredite in Litauen und Finnland.
Payward will Einlagen verzinsen und Kredite vergeben
Mit der Lizenz will Payward sein Bankgeschäft nach Europa bringen. Geplant sind Zinsen auf Einlagen, Kredite für Verbraucher und kleine Unternehmen, Kreditkarten sowie Dienste für Partnerfirmen, darunter Kartenausgabe und Zugang zum SEPA-Zahlungsverkehr.
Alles davon steht unter dem Vorbehalt der Genehmigung.
Co-Chef Arjun Sethi sagte laut CoinDesk: “A regulated EU bank is the piece that lets us serve European clients the way a primary financial institution should.” Eine regulierte EU-Bank sei also das fehlende Stück, um europäische Kunden wie eine Hausbank zu bedienen. Jarkko Mäensivu, Präsident der Saldo Bank, formulierte es nüchterner: “A banking license is only as valuable as what you build on top of it.”
In den USA ist Payward diesen Weg schon weiter gegangen. Der Konzern hat ein eingeschränktes Konto bei der Federal Reserve, eine E-Geld-Lizenz der irischen Zentralbank und nach eigenen Angaben mehr als 2 Milliarden Dollar an Krediten vergeben; Kredite für den Kryptokauf gibt es dort bereits. Erst vergangene Woche hatte Payward die volle Lizenz in Dubai erhalten.
Die Aufsicht entscheidet über das Kraken-Konto in der EU
Deutschland ist einer der vier Märkte, in denen Saldo schon heute Festgeld annimmt, doch was sich für diese Kunden ändert, sagt die Mitteilung nicht. Ob Kraken-Kunden in der EU nach dem Abschluss Euro-Guthaben bei einer konzerneigenen Bank halten und verzinsen lassen können, hängt an den Genehmigungen, einen Zeitplan dafür nennt Payward nicht.
In den USA wehren sich Banken gegen genau diese Entwicklung: Der US-Bankenverband klagt gegen Bankzulassungen für Kryptofirmen. Payward hat dort eine eigene Treuhandbank beantragt.
Eine Anfrage von CoinDesk nach dem Kaufpreis ließ Payward zunächst unbeantwortet.
Wer neben dem Euro-Konto auch Bitcoin oder Ether halten möchte, findet die Coins unter anderem bei eToro. Welche Plattformen Euro-Guthaben verzinsen und Coins auszahlen, steht im Krypto-Börsen Vergleich.


























