Electrum stopft Lücke, über die Server Bitcoin umleiteten
Electrum hat eine bereits ausgenutzte Lücke geschlossen: Manipulierte Server zeigten eine gefälschte Zahlung an, und wer deren Gebühr erhöhte, schickte seine Bitcoin an den Angreifer. Betroffen sind alle Versionen vor 4.8.3.
Die Bitcoin-Wallet Electrum hat eine Sicherheitslücke geschlossen, die Angreifer bereits ausgenutzt haben. Ein manipulierter Server konnte eine gerade gesendete Zahlung durch eine gefälschte ersetzen und den Nutzer dazu bringen, sie bei einer Gebührenerhöhung selbst zu unterschreiben. Betroffen sind alle Versionen vor 4.8.3.
Die Entwickler stufen die Lücke als hoch ein und haben sie am Samstag in einer Sicherheitsmitteilung auf GitHub öffentlich gemacht, zusammen mit den Programmdateien der neuen Version. Zwei Nutzer hatten den Fehler gemeldet, einer davon hat dabei Geld verloren, wie viel, steht in der Mitteilung nicht.
Der Server zeigt eine Zahlung, die es nie gab
Electrum lädt die Blockchain nicht selbst herunter, sondern fragt Server im Netz nach dem Stand der eigenen Adressen. Unbestätigte Transaktionen übernahm die Wallet dabei bisher, ohne ihre Signaturen zu prüfen. Ein manipulierter Server konnte deshalb eine frisch gesendete Zahlung zurückhalten und stattdessen eine andere anzeigen, die an eine Adresse des Angreifers geht.
Diese zweite Transaktion trug ungültige Signaturen und wäre so nie in einen Block gekommen. In der Wallet erschien sie trotzdem wie eine gewöhnliche ausstehende Zahlung.
Den letzten Schritt machte das Opfer selbst.
Wer die Gebühr erhöht, unterschreibt die Fälschung
Bleibt eine Zahlung hängen, lässt sich in Electrum die Gebühr nachträglich anheben. Dafür gibt es das Verfahren Replace-by-Fee (RBF), bei dem eine neue Fassung der Transaktion mit höherer Gebühr die alte ersetzt. Erhöhte ein Opfer die Gebühr der gefälschten Zahlung, signierte Electrum sie neu, diesmal gültig, und die Bitcoin gingen an den Angreifer.
Nach Angaben von Bitcoin.com News trug eine der gefälschten Transaktionen überhaupt keine Gebühr, offenbar um genau diesen Schritt zu provozieren. Die Zieladressen der Angreifer endeten demnach auf dieselben vier Zeichen wie die echten, ein Blick auf das Ende der Adresse reichte also nicht.
Der Electrum-Entwickler SomberNight, der die Mitteilung veröffentlicht hat, hält fest, dass “some servers are performing this attack in the wild”: Einige Server führen den Angriff also tatsächlich aus. Gemeldet wurde die Lücke am 11. Oktober. Der erste Verlust folgte eine Woche später.
Version 4.8.3 prüft die Signaturen
Seit Version 4.8.3 prüft Electrum die Signaturen unbestätigter Transaktionen, sobald sie Coins der eigenen Wallet ausgeben. Die Entwickler raten zum Update, und zwar nur über die offizielle Seite electrum.org mit geprüfter Signatur der Datei. Wer mit einem eigenen oder einem anderen vertrauenswürdigen Server verbunden ist, war nach der Mitteilung nicht gefährdet. Auf diesen einen Server verlässt sich Electrum bei unbestätigten Transaktionen ohnehin.
Wer nicht sofort aktualisieren kann, muss vor jeder Signatur, auch bei einer Gebührenerhöhung, Empfängeradresse und Betrag vollständig prüfen. Mit einer angeschlossenen Hardware-Wallet lässt sich das auf dem Display des Geräts tun, bevor man die Zahlung freigibt.
In unserem Vergleich der Bitcoin-Wallets steht Electrum als quelloffene Software-Wallet, die sich auch mit einem eigenen Knoten betreiben lässt. Die öffentlichen Server, mit denen es sich sonst verbindet, sind an kein Land gebunden. Für Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt deshalb dasselbe wie überall.
Anders als bei der Browser-Erweiterung Fearless Wallet, die private Schlüssel an Angreifer schickte, blieben die Schlüssel hier auf dem Rechner. Abgezweigt wurde nur die einzelne Zahlung, die der Nutzer selbst noch einmal unterschrieb.
Wie viele Bitcoin die Angreifer insgesamt umgeleitet haben, haben die Entwickler nicht genannt.
Kryptowährungen sind sehr schwankungsanfällig. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.




