EZB lässt die Leitzinsen trotz 3,8 Prozent Inflation unverändert
Die EZB belässt den Einlagesatz bei 2,50 Prozent, obwohl die Inflation im Euroraum im September auf 3,8 Prozent gestiegen ist. Bitcoin stand anderthalb Stunden nach der Entscheidung 1,5 Prozent höher.
Die Europäische Zentralbank belässt ihre drei Leitzinsen nach der Sitzung vom Donnerstag, der Einlagesatz bleibt bei 2,50 Prozent. Dabei ist die Inflation im Euroraum im September auf 3,8 Prozent gestiegen, angetrieben von den Energiepreisen. Bitcoin stand anderthalb Stunden nach der Entscheidung 1,5 Prozent höher als zur Mitteilung.
Auch der Hauptrefinanzierungssatz von 2,65 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz von 2,90 Prozent gelten weiter, beide seit dem 16. September, nachdem der EZB-Rat die Sätze im Juni und im September um je 0,25 Prozentpunkte angehoben hatte. Die Mitteilung der EZB nennt dafür zwei Gründe, die in entgegengesetzte Richtungen zeigen.
Die Energiepreise treiben die Teuerung nach oben
Für einen weiteren Zinsschritt spräche die Lage an der Tankstelle und auf der Stromrechnung. “Energy price inflation increased markedly, to 18.9 per cent, from 14.3 per cent in August”, heißt es in der Erklärung, die Präsidentin Christine Lagarde zu Beginn der Pressekonferenz verlas: Die Energiepreise lagen also 18,9 Prozent über dem Vorjahr, nach 14,3 Prozent im August. Im August hatte die Gesamtrate noch 3,2 Prozent betragen.
Die EZB selbst spricht von Aufwärtsrisiken für die Inflation. Als mögliche Auslöser nennt sie einen stärkeren Energieschock, Folgeeffekte auf andere Preise und extremes Wetter, das Lebensmittel verteuert.
Der Rat sieht die Kerninflation ruhig und die Kredite teurer
Gegen eine Erhöhung führt der Rat an, was unter der Energie liegt. Ohne Energie stiegen die Preise im September um 2,3 Prozent, nach 2,1 Prozent im August, Dienstleistungen verteuerten sich um 3,2 Prozent. Die Löhne zeigen laut Mitteilung bislang keine nennenswerte Reaktion (“wages do not show a material response at this stage”), und die meisten Messgrößen der langfristigen Inflationserwartung liegen bei rund 2 Prozent. Die Arbeitslosenquote lag im August bei 6,4 Prozent.
Dazu kommt, dass sich die Finanzierungsbedingungen seit der Sitzung im September verschärft haben. Das belastet nach Einschätzung der EZB voraussichtlich sowohl die Inflation als auch das Wachstum, für das sie Abwärtsrisiken sieht, vor allem durch den Konflikt im Nahen Osten, den Krieg Russlands gegen die Ukraine und mögliche Störungen der Energieversorgung.
Wie es im Dezember weitergeht, lässt die Notenbank offen: “We are not pre-committing to a particular rate path”, man lege sich also auf keinen bestimmten Zinspfad fest und entscheide von Sitzung zu Sitzung nach der Datenlage.
Zu ihrem eigenen Abschied findet sich in der Erklärung kein Wort, obwohl Lagarde am selben Tag ihren Rücktritt zum 7. Februar 2027 angekündigt hatte.
Bitcoin und Euro legen nach der Entscheidung zu
Zur Veröffentlichung um 14:15 Uhr kostete ein Bitcoin 80.029 Dollar. Nach einem Tief von 79.891 Dollar um 14:40 Uhr stieg der Kurs bis 15:45 Uhr auf 81.190 Dollar. Ether kletterte im selben Zeitraum um 0,9 Prozent von 2.323 auf 2.344 Dollar, in Euro gerechnet stieg Bitcoin von 71.892 auf 72.796 Euro. Quelle: CoinGecko
Der Euro gab nach Daten von Yahoo Finance zur Mitteilung kurz von 1,1133 auf 1,1116 Dollar nach und stand gegen 15:45 Uhr bei 1,1154 Dollar. Die US-Notenbank hatte am Mittwochabend ihren Leitzins ebenfalls nicht verändert, bei 3,75 bis 4 Prozent.
Für Sparer und Kreditnehmer in Deutschland bleibt die Grundlage damit gleich: Banken erhalten für Guthaben bei der EZB weiter 2,50 Prozent. Von der Notenbank kommt auch kein neuer Aufschlag auf Kredite. Teurer geworden sind Finanzierungen seit September trotzdem, das hält die EZB selbst fest.
Der EZB-Rat entscheidet das nächste Mal am 17. Dezember, Termine und alle bisherigen Beschlüsse stehen auf unserer Seite zum EZB-Zinsentscheid.
Kryptowährungen sind sehr schwankungsanfällig. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.




