Mitte Oktober läuft bei Filecoin die sechsjährige Freigabe von 400 Millionen FIL an Protocol Labs und die Filecoin Foundation aus. Rechnerisch kommen danach nur noch rund 21 statt 87 Millionen neue FIL pro Jahr in Umlauf, sofern das Mining im heutigen Tempo weiterläuft.
Die Regel ist alt, nur ihr Ende ist neu. Als das Filecoin-Netz am 15. Oktober 2020 startete, lagen 300 Millionen FIL für Protocol Labs, das Unternehmen hinter dem Netz, und 100 Millionen FIL für die Filecoin Foundation bereit. Beide Pakete werden nach Angaben des Projekts linear über sechs Jahre freigegeben: “Protocol Labs’s 300M FIL vest linearly over 6 years, beginning at network launch”, heißt es in einem Beitrag auf filecoin.io aus dem Dezember 2020, also: Die 300 Millionen FIL von Protocol Labs werden ab dem Netzstart über sechs Jahre gleichmäßig freigegeben.
In dieser Woche läuft diese Uhr ab.
Das Vesting stellt heute drei Viertel der neuen Coins
Vesting bedeutet, dass zugeteilte Token nicht auf einmal verfügbar werden, sondern in Raten. Bei 400 Millionen FIL über sechs Jahre sind das rund 66,7 Millionen FIL im Jahr. Daneben entstehen neue Coins als Belohnung für die Speicheranbieter, die im Netz Daten ablegen: Nach den Daten des Block-Explorers Filfox waren es am Sonntagmorgen rund 56.600 FIL in 24 Stunden, auf ein Jahr gerechnet 20,7 Millionen. Den 15. Oktober nennt Crypto Briefing als letzten Tag des Vestings.
| Neue FIL pro Jahr | bis Mitte Oktober | danach |
|---|---|---|
| Vesting Protocol Labs und Foundation | 66,7 Mio. | 0 |
| Mining-Belohnungen (Tempo vom 11.10.) | 20,7 Mio. | 20,7 Mio. |
| Summe | 87,3 Mio. | 20,7 Mio. |
Fällt der Vesting-Strom weg, schrumpft der Zufluss neuer FIL um 76 Prozent.
Crypto Briefing und The Defiant kommen mit eigenen Zahlen auf denselben Rückgang von rund 89 auf 21 Millionen. Bezogen auf die umlaufende Menge von 919,9 Millionen FIL, die Filfox ausweist, entsprächen die verbleibenden 20,7 Millionen FIL im Jahr etwa 2,2 Prozent.
Weniger neue Coins heißt nicht weniger Verkäufe
Ein Teil der Rechnung bleibt offen, denn freigegebene Coins sind noch keine verkauften: Wie viel von den 400 Millionen FIL Protocol Labs und die Foundation bis heute behalten, veräußert oder für Förderprogramme ausgegeben haben, geht aus den Projektangaben nicht hervor. Auch die Mining-Belohnung ist kein fester Wert, sie hängt von der Leistung des Netzes ab und sinkt im einfachen Teil mit einer Halbwertszeit von sechs Jahren; 75 Prozent jeder Belohnung werden zudem selbst erst über 180 Tage freigegeben, wie die Filecoin-Dokumentation beschreibt.
Der Kurs hat sich vor dem Termin bereits bewegt. FIL kostete am Sonntag um 10:04 Uhr 1,10 US-Dollar (0,98 Euro), 39 Prozent mehr als vor 30 Tagen und 2,7 Prozent weniger als vor 24 Stunden. Vom Rekordhoch bei 236,84 Dollar am 1. April 2021 ist der Coin damit weiter rund 99,5 Prozent entfernt.
Quelle: CoinGecko
Wie eine Freigabe-Uhr in den Kurs eines Tokens eingeht, lässt sich vorher selten sagen; bekannte Termine sind am Markt oft schon eingepreist, bevor sie eintreten. Wie dünn die Liquidität bei kleineren Coins seit dem vergangenen Jahr geworden ist, zeigt die Auswertung zum Jahrestag des 10/10-Crashs.
Filecoin lässt sich unter anderem bei eToro handeln. Ab Mitte Oktober zeigt sich dann an jedem Tag, ob 56.000 neue FIL statt bisher knapp 240.000 einen Unterschied machen.


























