Kein Bankkonto, sondern E-Geld
Vivid Money tritt wie eine Neobank auf, das Zahlungskonto führt aber die Vivid Money S.A., ein E-Geld-Institut unter Aufsicht der luxemburgischen CSSF. Dein Guthaben ist deshalb nicht über die gesetzliche Einlagensicherung geschützt, sondern liegt getrennt auf Kundengeldkonten bzw. in einem Geldmarktfonds. Für Krypto ist die Vivid Money B.V. in Amsterdam zuständig, die seit dem 1. Mai 2025 eine MiCA-Zulassung der niederländischen AFM hat und damit auch in Deutschland tätig ist.
Gebühren nach Tarif und Volumen
Ein Kauf kostet bei unter 5.000 € Handelsvolumen im Vormonat 2,00 % im Standard-Modell, 1,00 % mit Plus und 0,75 % mit Prime; laut Tarifseite sind mindestens 1 € fällig. Mit steigendem Volumen sinken die Sätze stufenweise, Swaps und Kursziel-Orders zählen mit. Einen eigenen Spread schlägt Vivid nach eigenen Angaben nicht auf. Am Prüftag zeigte die Krypto-Seite ein Banner mit „0 % fee“, das der Gebührentabelle widerspricht – wir rechnen mit der Tabelle. Das Standard-Konto ist kostenlos, wenn am Monatsende mindestens 3.000 € Guthaben liegen oder im Vormonat 1.000 € per Karte ausgegeben wurden; sonst kostet es 4,90 € im Monat.
Vivid Krypto Gebühren: Lohnt sich Plus oder Prime?
Ein teureres Kontomodell senkt die Gebühr, kostet aber selbst Geld. Plus kostet 6,90 € im Monat, also 82,80 € im Jahr, und spart dir einen Prozentpunkt je Order. Das rechnet sich erst ab rund 8.280 € Krypto-Umsatz im Jahr. Prime kostet ab 7,90 € im Monat, 94,80 € im Jahr, und spart 1,25 Prozentpunkte; die Schwelle liegt bei rund 7.580 € im Jahr. Kaufst du jeden Monat für 100 €, zahlst du im Standard-Modell 24 € im Jahr, mit Plus 12 € plus Tarifpreis. Dazu kommt die Mindestgebühr von 1 € je Order: Ein Kauf über 25 € kostet im Standard-Modell deshalb 1 € statt 0,50 €. Im ersten Monat gilt immer der Basissatz.
Viel Auswahl, aber kein Ausgang
Im Crypto Pocket stehen laut Vivid über 300 digitale Assets bereit, die App-Store-Beschreibung nennt über 150; eine öffentliche Liste gibt es nicht. Neben Kauf und Verkauf ab 1 € kannst du Kryptowährungen tauschen, Kursziel-Orders setzen und über Crypto Earn staken – dort behält Vivid unter anderem 20 % der Erträge als Bearbeitungsgebühr ein. Ein- oder Auszahlungen sind nicht möglich. Die Bestände liegen in einer Sammel-Wallet bei Copper, gehören aber rechtlich dir und werden nach dem MiCAR-Trennungsmodell 1:1 getrennt verwahrt. Vivid gibt zudem an, das Crypto Pocket gegen Diebstahl und Cyberangriffe versichert zu haben.
Crypto Pocket, Guthaben und Zinsen
Vivid organisiert das Konto in Pockets, also Unterkonten. Das Crypto Pocket legst du in der App über „Neue Pocket erstellen“ an, Voraussetzung sind ein Vivid-Konto, ein Wohnsitz im EWR und deine Steuer-ID. Verkaufst du, liegt der Erlös zunächst als „Nicht investiertes Guthaben“ im Crypto Pocket; der Übertrag ins Money Pocket ist kostenlos. Auf Euro-Guthaben zahlt Vivid Zinsen: im Standard-Tarif zwei Monate lang 3 % als Aktion, danach 0,1 %, mit Plus 1 % und mit Prime 2 %, jeweils bis 10.000 €. Das Guthaben liegt auf Kundengeldkonten bei Partnerbanken und in einem Geldmarktfonds; für den Teil bei der Natixis greift laut Vivid zusätzlich die französische Einlagensicherung bis 100.000 €.
Vivid Konten im Vergleich: Pockets, Cashback und Karten
Ob sich Vivid Krypto für dich lohnt, hängt stark vom Kontomodell ab – und das bringt neben der Handelsgebühr weitere Konditionen mit. Die wichtigsten Unterschiede laut Preisseite:
- Standard: 0 € für Aktivkunden, sonst 4,90 € im Monat; bis zu 3 Pockets, Cashback bis 20 € im Monat.
- Plus: 6,90 € im Monat; bis zu 6 Pockets, Cashback bis 50 € im Monat, auch bei bekannten Marken.
- Prime: erster Monat kostenlos, danach 7,90 € im Monat; bis zu 15 Pockets, Cashback bis 100 € im Monat, Metallkarte.
In allen Modellen ist die erste physische Karte kostenlos, jede weitere kostet 19,90 €, zusätzliche virtuelle Karten je 1 €. Kartenzahlungen im Ausland sind kostenlos, für die Umrechnung anderer Währungen berechnet Vivid einen Aufschlag von 0,25 %. Überweisungen inklusive SEPA-Echtzeitüberweisung sind gratis, Lastschriften nennt Vivid als „demnächst verfügbar“. Wer neben Krypto auch in Aktien und ETFs investieren will, zahlt 1 € je Trade; für Geldmarktfonds fällt je nach Tarif eine jährliche Servicegebühr von 1 %, 0,70 % oder 0,30 % an.
Drei Gesellschaften: wer hinter Vivid Money steckt
Vivid ist keine Bank, sondern ein Berliner Fintech mit drei Gesellschaften, die jeweils einen eigenen Bereich verantworten. Die Vivid Money S.A. mit Zulassung in Luxemburg ist E-Geld-Institut und führt Konten, Karten und Zahlungen wie Überweisungen und Lastschriften. Die Vivid Money B.V. ist von der niederländischen AFM als Investmentfirma und als Krypto-Dienstleister nach MiCAR beaufsichtigt; sie ist für Crypto, Crypto Earn, Invest und Zinsprodukte zuständig und leitet Wertpapieraufträge an ausführende Broker weiter. Die Vivid Money GmbH betreibt die App, das Cashback-Programm und weitere Marketing-Produkte, bietet selbst aber keine Konten oder Anlagedienstleistungen an. Für dich heißt das: Für die Nutzung der Krypto-Funktionen ist die Vivid Money B.V. dein Vertragspartner, für dein Euro-Guthaben die Vivid Money S.A.
Cashback, Stock Rewards und Investieren in Aktien und ETFs
Neben dem Crypto Pocket ist Cashback der zweite große Baustein der App; laut Preisseite sind zusammen mit Aktionen bis zu 140 € im Monat möglich. Mit der Debitkarte bekommst du je nach Modell bis zu 20, 50 oder 100 € im Monat zurück, wenn du vorher Kategorien auswählst, etwa Supermärkte, Restaurants oder Tankstellen. Die Höhe hängt an einer Bedingung: Am letzten Tag des Vormonats müssen mindestens 1.000 € Guthaben auf dem Konto liegen oder mindestens 100 € im Invest- oder Crypto-Pocket investiert sein. Bei den Stock Rewards fließt das Cashback in eine Aktie deiner Wahl, sein Wert steigt oder fällt also mit dem Kurs. Wer neben Kryptowährungen auch Aktien und ETFs kaufen will, kann laut Vivid aus über 3.000 Werten wählen und dank Bruchstücken schon ab 0,01 € investieren; je Trade fallen 1 € an. So bündelst du Zahlungen, Überweisungen und Investments direkt in der App, ohne Aufwand für ein zweites Depot.
Crypto Earn im Detail: Rendite und Abzüge
Mit Crypto Earn stellst du ausgewählte Bestände für Staking zur Verfügung und erhältst wöchentliche Rewards. Vivid wirbt mit bis zu 8 % effektivem Jahreszins nach Gebühren; abgezogen werden vorher eine Bearbeitungsgebühr von 20 % der Rewards sowie Infrastrukturkosten von 15 bis 30 %, je nach Anbieter und Blockchain. Jeder Tausch im Earn-Bereich kostet zusätzlich 0,5 %. Zum Beispiel bleiben von 10 € Brutto-Rewards nach 20 % Bearbeitungsgebühr und 25 % Infrastrukturkosten je nach Reihenfolge der Abzüge rund 5,50 bis 6 € übrig. Diese Option lohnt sich eher für größere, langfristig gehaltene Bestände als für kleine Beträge. Die Gründer Artem Yamanov und Alexander Emeshev starteten Vivid 2019 in Berlin; heute verbindet die Plattform Banking-Funktionen, Investieren und Krypto in einem Account.
Alltag mit dem Konto: Zahlungen, Überweisungen und Währungen
Wer Vivid nicht nur zum Investieren, sondern als Alltagskonto nutzt, bekommt laut Preisseite in allen Modellen SEPA-Echtzeitüberweisungen, gebührenfreie Zahlungen mit der Karte weltweit und eine Budgetierung mit Ausgabenprognose. Ein gemeinsames Pocket lässt sich mit bis zu fünf Personen teilen, in der App kannst du außerdem Rechnungen splitten. Für Zahlungen in anderen Währungen fällt ein Aufschlag von 0,25 % an. Bargeld hebst du laut Vivid bis zu 1.000 € ohne Gebühren ab, und interne Überweisungen zwischen deinen Pockets kosten nichts. Viele Nutzer loben in Bewertungen die einfache Bedienung, gerade für Einsteiger. Für die Nutzung im Bereich Krypto reicht das Guthaben im Money Pocket: Von dort überträgst du Geld kostenlos ins Crypto Pocket und investierst ab 1 €.
Kündigung und Steuer
Willst du das Crypto Pocket schließen, musst du vorher alles verkaufen; Reste unter 0,01 € verfallen. Einen Steuerreport bietet Vivid nicht, Bestätigungen zu jedem Trade liegen in der App. Ab 2026 meldet Vivid Krypto-Daten nach DAC8 an die niederländische Steuerverwaltung. Für Prime-Kunden mit regelmäßigen Käufen ist das Angebot fair, für Gelegenheitsanleger im Standard-Modell eher teuer.