Ledger führt die präparierten Hardware-Wallets aus Südostasien nach eigener Darstellung auf eine hoch organisierte kriminelle Gruppe zurück und sieht keinen Fehler in Chip, Betriebssystem oder Servern. Wie viele Kunden betroffen sind, wie viel Geld fehlt und ob es eine Entschädigung gibt, sagte das Unternehmen auch auf seiner Hausveranstaltung Op3n in Paris nicht.
Ledger-Chef Pascal Gauthier trug diese Version am Donnerstagnachmittag auf der Bühne der Op3n vor, wie der Liveticker des französischen Portals Cryptoast festhält. Zeitgleich erschien auf dem Blog des Herstellers die schriftliche Fassung, die bisher ausführlichste Stellungnahme seit Beginn des Falls am 9. Oktober. Den Verkauf über Händler in Südostasien und Hongkong hatte Ledger schon in der Nacht zum Mittwoch ausgesetzt.
Ledger beschreibt einen Angriff auf den Vertriebsweg
“A highly organized criminal group carried out one of the most sophisticated attacks our industry has seen”, heißt es in dem Beitrag: Eine hoch organisierte Gruppe habe einen der ausgefeiltesten Angriffe ausgeführt, die die Branche erlebt hat. Über viele Monate hätten die Täter echte Ledger-Geräte gekauft, geöffnet, mit eigens gebauten versteckten Bauteilen versehen und über Händler in Südostasien zurück in den Verkauf gebracht; die Bauteile sollten die Wiederherstellungsphrase bei der Einrichtung abgreifen, wie Ledger es am 10. Oktober an einem ersten Gerät bestätigt hatte.
Für das Sammeln der Phrasen, das Abziehen der Coins und die Geldwäsche bauten die Täter nach dieser Darstellung eine eigene Infrastruktur auf, gaben Millionen aus und leerten die Wallets dann in einer abgestimmten Aktion. Ledger arbeitet nach eigenen Angaben mit Strafverfolgern zusammen, um dem Geld zu folgen. Welche Behörden das sind, steht nicht im Beitrag.
Einen Fehler im eigenen Haus schließt das Unternehmen aus. “There was no flaw in Ledger’s chip, operating system or servers”, schreibt Ledger, und weiter: “This was an attack on the distribution channel after the devices left our control.” Angegriffen worden sei demnach der Vertriebsweg, nachdem die Geräte die Kontrolle des Herstellers verlassen hatten.
Zahlen zu Opfern und Schaden bleibt Ledger schuldig
Gegen diese Darstellung stehen die Fragen, auf die Betroffene seit einer Woche warten. Eine Opferzahl oder eine Schadenssumme nennt Ledger nicht, auch nicht auf der Bühne. On-Chain-Analysten kommen nach Angaben von CoinDesk auf bis zu 93,2 Millionen Dollar aus mehr als 300 Wallets, Tether hat davon 10 Millionen USDT eingefroren.
An die Geschädigten richtet der Blogbeitrag einen einzigen Satz, “To the users affected: we are with you”, man stehe an ihrer Seite.
Ein Austauschprogramm für betroffene Kunden plant Ledger nach Angaben eines Sprechers gegenüber CoinDesk nicht, spätere Upgrade-Aktionen schließt das Unternehmen aber nicht aus. Wie viele Geräte über CryptoBilis verkauft wurden und seit wann, bleibt ebenso offen wie die Frage, wer hinter der Gruppe steht. Einen ausführlichen technischen Bericht will Ledger später veröffentlichen.
Händler müssen Ledger-Geräte aus den Regalen nehmen
Neu sind Auflagen für den Handel, die laut Ledger ab sofort gelten. Autorisierte Händler und Distributoren sollen Ledger-Produkte nicht mehr in Regale oder Auslagen stellen, sondern im Lager halten und erst beim Kauf übergeben. Zurückgegebene Geräte dürfen wie schon bisher “never be resold in any form”, also in keiner Form erneut verkauft werden, auch wenn sie neu und ungeöffnet aussehen. Auffällige Kundenmeldungen sollen die Händler sofort an Ledger weitergeben.
Für Käufer in Deutschland enthält der Beitrag eine konkrete Angabe. Teams des Herstellers hätten in mehreren Märkten, darunter Deutschland, Geräte im Laden gekauft und geöffnet und zusätzlich Proben aus Lagern untersucht: “Every unit examined was clean”, jedes geprüfte Gerät sei sauber gewesen. Wie viele Geräte das waren, steht nicht im Beitrag.
Ob MediaMarktSaturn, das am Dienstag alle Ledger-Produkte aus dem Angebot nahm, die Geräte zurück ins Sortiment holt, ist offen.
Auf derselben Bühne zeigte Ledger das Atom, ein Gerät mit Android und Touchscreen, das unter anderem das Öffnen des Gehäuses erkennen soll. Ein Sprecher sagte CoinDesk, die Schutzhülle um die Kernbauteile werde “explicitly block the screen reader implants from this weekend’s incident”, also genau die Bildschirm-Implantate dieses Falls abwehren. Reservieren lässt sich eine Founder’s Edition gegen eine erstattbare Anzahlung, ausgeliefert werden soll das Gerät laut CoinDesk erst Mitte 2027.
Wer Bitcoin halten will, ohne selbst Gerät und Wiederherstellungsphrase zu verwalten, kann ihn bei Bitpanda kaufen und auf der Plattform verwahren lassen. Welche Handelsplätze eine Auszahlung auf die eigene Wallet erlauben, zeigt der Krypto-Börsen Vergleich im Einzelnen.


























