Ein Bundesgericht in New York hat die Sammelklage von Käufern der Memecoins LIBRA und M3M3 gegen die Kelsier-Gründer, Meteora-Mitgründer Benjamin Chow und Meteora abgewiesen, ohne Möglichkeit zur Nachbesserung. Über die Betrugsvorwürfe selbst hat Richterin Jennifer Rochon nicht entschieden; die Klage scheiterte an rechtlichen Voraussetzungen.
Das Urteil vom 29. September beendet das Verfahren Hurlock gegen Kelsier Labs vor dem District Court für den Southern District of New York. Die Richterin gab allen drei Anträgen auf Abweisung statt und ließ keine zweite geänderte Klageschrift zu, die Klage ist damit “dismissed with prejudice” und kann in dieser Form nicht erneut erhoben werden.
Mileis Post trieb den Kurs, 107 Minuten später waren Millionen abgezogen
Der Fall geht auf den 14. Februar 2025 zurück. An diesem Tag wurde LIBRA auf Solana erzeugt und über einen Liquiditätspool von Meteora in den Handel gebracht. Nach der Darstellung der Kläger, die das Gericht für die Prüfung als wahr unterstellen musste, veröffentlichte der argentinische Präsident Javier Milei 23 Minuten nach der Erzeugung einen Beitrag auf X mit der Token-Adresse; Nachfrage und Kurs schossen nach oben.
Innerhalb von 107 Minuten nach dem Start flossen laut Klageschrift 13.060.482 USDC aus dem Pool an eine einzige Wallet, bis zum 16. Februar zogen Zwischenadressen insgesamt 44.593.888 USDC ab. Noch am selben Tag löschte Milei seinen Beitrag und schrieb, er habe die Einzelheiten des Projekts nicht gekannt.
Hayden Davis, Chef von Kelsier, erklärte tags darauf: “When Milei and his team deleted their posts, investors who had purchased the token based on their trust in his endorsement felt betrayed.”
Rochon sieht keinen Racketeering-Fall und keine Zuständigkeit
Die Kläger stützten sich vor allem auf das RICO-Gesetz gegen organisierte Kriminalität. Dafür braucht es ein Muster wiederholter Taten über einen erheblichen Zeitraum. Das angebliche Netz sei von Oktober 2024 bis zur Klage im März 2025 tätig gewesen, schreibt Rochon: “Six months is not sufficient to demonstrate a ‘substantial period of time.'”
Gegen Chow fehlten nach dem Urteil Belege für irreführende Aussagen oder Vorsatz. Meteora sei nicht als verklagbare Personenvereinigung dargelegt worden. Über die Kelsier-Gründer Hayden, Gideon und Thomas Davis habe das Gericht in New York schon keine Zuständigkeit, weil nichts auf ein gezieltes Geschäft in diesem Bundesstaat hindeute. Auch die geplante Erweiterung um die Token MELANIA, ENRON und TRUST hätte daran nichts geändert.
Für Geschädigte bleibt nur noch die Berufung
Für Käufer, die auf Schadenersatz aus der Sammelklage gesetzt hatten, ist der Weg vor diesem Gericht zu Ende; möglich bleibt eine Berufung zum Second Circuit. Wie viel Geld im Spiel war, zeigt der Kläger Omar Hurlock selbst: Er gibt seinen Verlust mit rund 0,302 Wrapped SOL an, beim Solana-Kurs von 117,42 US-Dollar am 1. Oktober um 12:12 Uhr MESZ also etwa 35 US-Dollar. Quelle: CoinGecko
Die Entscheidung sagt nichts darüber, ob beim Start von LIBRA manipuliert wurde.
Schon im vergangenen Jahr hatten Auswertungen gezeigt, dass einzelne Wallets mit LIBRA Millionengewinne machten. Gesetzgeber reagieren inzwischen auf solche Fälle, etwa Kalifornien, das Amtsträgern eigene Memecoins verbietet.
Das vollständige Urteil mit 81 Seiten ist über die Gerichtsakte bei CourtListener abrufbar.
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