Ondo Finance hat Ondo Private Markets gestartet: tokenisierte Schuldverschreibungen, deren Auszahlung am Wert einer noch nicht börsennotierten KI-Firma hängt. Aktien oder Stimmrechte erhalten Käufer nicht, US-Anleger sind ausgeschlossen, und den Namen der ersten Firma nennt Ondo bislang nicht.
Der erste Token soll nach Angaben des Unternehmens noch in dieser Woche in den Handel gehen, rund um die Uhr auf Sekundärmärkten und frei übertragbar zwischen berechtigten Wallets. Weitere Werte aus Robotik, Cybersicherheit, Biotechnologie und Infrastruktur sollen folgen.
Technisch handelt es sich nicht um Anteile, sondern um Noten des Emittenten. Ihre Auszahlung richtet sich nach dem Wert je Aktie, den die Stammaktien der Referenzfirma bei einem sogenannten Liquiditätsereignis erzielen, also etwa bei einem Börsengang oder einer Übernahme. Bis dahin bestimmt allein der Handel auf der Kette, was ein Token wert ist. Die Wertpapiere sind laut Pressemitteilung nicht nach dem US Securities Act registriert.
Wer die Noten hält, trägt damit zwei Risiken zugleich: das der KI-Firma und das von Ondo als Schuldner.
Ondo wirbt mit dem Zugang zu Firmen, die privat bleiben
Begründet wird das Produkt mit einer Lücke im Angebot für Privatanleger. In der Ankündigung im Firmenblog verweist Ondo darauf, dass 87 Prozent der US-Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Dollar Jahresumsatz nicht an der Börse sind. Der amtierende Firmenchef Ian De Bode sagte dazu: “In the US, the majority of the investment options accessible for retail are public companies, yet 87% of companies with over $100m in revenue are private.” Für Privatanleger seien also vor allem börsennotierte Firmen erreichbar, obwohl der Großteil der umsatzstarken Unternehmen privat bleibe.
Mit tokenisierten Aktien ist Ondo bereits groß geworden; nach eigenen Angaben stehen über die Sparte Ondo Stocks mehr als 450 Aktien und ETFs als Token zur Verfügung. Wie solche Angebote in Europa ankommen, zeigte zuletzt Krakens IPO-Zugang über xStocks, der Kunden im Europäischen Wirtschaftsraum eine Zuteilung als Token ermöglichte. Der Unterschied: Dort ging es um eine Firma bei ihrem Börsengang, hier um eine, deren Börsengang offen ist.
Ob Anleger im DACH-Raum kaufen dürfen, lässt Ondo offen
Die Pressemitteilung schließt US-Personen ausdrücklich aus, der Firmenblog spricht nur von “eligible investors”; eine Länderliste fehlt. Auch Laufzeit, Gebühren und die genutzte Blockchain stehen in keiner der beiden Veröffentlichungen. Für Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist damit vorerst nicht belegt, ob und über welche Handelsplätze sie die Noten erwerben können.
Der Governance-Token ONDO hat mit dem Produkt unmittelbar nichts zu tun. Er kostete am Dienstagmittag 0,498 US-Dollar, 1,4 Prozent weniger als 24 Stunden zuvor. Quelle: CoinGecko, Stand 06.10.2026, 12:04 Uhr MESZ
Was ein Token rechtlich sein kann und was nicht, erklärt unser Beitrag Was ist ein Token.
Was mit den Noten geschieht, wenn die KI-Firma nie an die Börse geht und auch nicht verkauft wird, beantwortet keine der beiden Veröffentlichungen.
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