Nach dem Diebstahl über präparierte Ledger-Geräte zieht ein zweiter Hersteller Konsequenzen: OneKey hat dem südostasiatischen Händler CryptoBilis am Montag die Zulassung entzogen und tauscht dort gekaufte Geräte kostenlos aus. Verluste von OneKey-Nutzern sind nach Angaben des Unternehmens bislang nicht gemeldet, der Schritt ist eine Vorsichtsmaßnahme.
Die Mitteilung erschien am Montag um 7:35 Uhr MESZ auf dem Konto von OneKey auf X, zusammen mit einer Erklärung von Firmenchef Yishi. CryptoBilis habe neben Ledger auch OneKey, Trezor, Tangem, SafePal, imKey und andere Marken verkauft, schreibt er, deshalb fragten viele Kunden, ob ihr Gerät noch sicher sei. “No reports doesn’t mean no risk”, so Yishi: Dass keine Schäden gemeldet seien, heiße nicht, dass kein Risiko bestehe.
Wer zwischen dem 1. März 2026 und dem Tag der Mitteilung ein OneKey-Gerät bei CryptoBilis gekauft hat, bekommt ein neues, gleich ob das alte schon eingerichtet ist; Anträge laufen bis zum 31. Dezember über den Support, mit Kaufbeleg; das alte Gerät muss nicht zurück. Den Stichtag begründet OneKey mit der Aussage eines früheren Mitgründers von CryptoBilis, das Unternehmen sei Anfang des Jahres verkauft und die Leitung im März übergeben worden.
Dazu nimmt OneKey keine neuen Händler mehr auf und prüft alle bestehenden: Wessen Firma oder wirtschaftlicher Eigentümer sich nicht klären lässt, verliert die Zulassung; das Händlernetz werde “significantly” schrumpfen, also deutlich.
Tether blockiert zehn Millionen Dollar der Beute
Wie groß der Schaden ist, hat Ledger bis heute nicht beziffert, der Datenanbieter Bitquery zählt 93,2 Millionen Dollar aus 315 Wallets auf sechs Blockchains, davon 70,5 Millionen auf Tron, fast alles in USDT. Am 11. Oktober ließen sich noch rund 86 Millionen Dollar auf den Ketten auffinden.
Ein Teil davon ist inzwischen festgesetzt. Tether hat nach Bitquerys Auswertung 37 Adressen gesperrt; auf 20 davon lagen noch je eine halbe Million USDT, zusammen zehn Millionen Dollar, über die die Täter nicht mehr verfügen können. Bei USDC kam die Sperre zu spät: Die fünf Wallets mit 5,35 Millionen USDC haben die Täter am 11. und 12. Oktober geleert, bevor Circle eingriff.
Ledger beschränkt den Fall weiter auf diesen einen Händler.
Im Update vom Sonntagabend hieß es, alle bestätigten Fälle beträfen Geräte von CryptoBilis, die Zahl sei begrenzt. Bestätigt hatte Ledger am Samstag ein Implantat im Gerät eines Opfers; eine Gesamtzahl der betroffenen Kunden und einen Plan für Entschädigungen hat das Unternehmen bislang nicht genannt.
Käufer in Europa sind vom Austausch kaum betroffen
CryptoBilis verkauft in Südostasien, Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz dürften das Angebot von OneKey nur selten brauchen. Die Folge reicht trotzdem hierher: Wenn Hersteller ihre Händlernetze ausdünnen, schrumpft die Liste der Läden, in denen Hardware-Wallets mit Gewähr zu kaufen sind. OneKey will die bereinigte Händlerliste nach der Prüfung auf der eigenen Website veröffentlichen.
Für alle Marken gilt der Rat, den OneKey seinen CryptoBilis-Kunden gibt: ein unbenutztes Gerät aus unsicherer Quelle gar nicht erst einrichten und die Wiederherstellungsphrase eines benutzten Geräts als möglicherweise bekannt behandeln. Welche Hersteller direkt verkaufen, zeigt unser Krypto-Wallet-Vergleich.
Ob Trezor, Tangem oder SafePal nachziehen, haben die Unternehmen bislang nicht mitgeteilt.
Bitcoin und Ether lassen sich unter anderem bei Bitpanda kaufen und im Konto halten, ohne dass ein eigenes Gerät eingerichtet werden muss, solange ein Ersatz aus sicherer Quelle noch unterwegs ist.


























