Aus einem Vault auf dem Ethereum-Layer-2 Base sind am Sonntagvormittag 1.783 wstETH abgeflossen, rund 6 Millionen US-Dollar, nachdem dessen Multisig einen fremden Vertrag freigegeben hatte. Wem der Vault gehört, ist nicht bekannt; ein Teil der Beute ist laut Blockchain schon auf dem Weg zu Ethereum.
Gemeldet hatte den laufenden Angriff zuerst der Sicherheitsdienst Blockaid, danach bestätigten PeckShield, CertiK und ExVul die Summe. Wir haben den Hergang an der Kette selbst nachgezählt: 1.783,067 Einheiten aBaswstETH verließen den Vault in sechs Überweisungen. Das ist der Anteilsschein, den Aave für hinterlegtes wstETH ausgibt, also Lidos verpacktes, gestaktes Ether.
Der Vault ist ein Proxy-Vertrag, den ein Safe-Multisig mit sieben Unterzeichnern steuert. Drei Unterschriften genügen, um ihn zu ändern.
Die Multisig gibt den Weg frei, zwei Minuten später fließt das erste wstETH
Alle Zeiten in MESZ, abgelesen an den Blöcken von Base:
| Uhrzeit | Vorgang an der Kette |
|---|---|
| 09:17 bis 09:28 | Die spätere Angreifer-Adresse legt drei Verträge an |
| 10:52 und 10:53 | Zwei Transaktionen des Safe ändern die Freigaben des Vaults |
| 10:55 | Probeüberweisung: 1 aBaswstETH an den Vertrag des Angreifers |
| 11:08 bis 11:12 | Fünf weitere Abflüsse über 100, dreimal 500 und 182,067 aBaswstETH |
| 11:23 | Der Angreifer löst 1.783,067 aBaswstETH bei Aave in wstETH ein |
| 11:24 und 12:47 | Das wstETH wandert an eine zweite Adresse |
| 11:27 und 14:10 | Von dort gehen 1 und 1.000 wstETH in die Lido-Brücke Richtung Ethereum |
Nach Angaben von ExVul hat der Safe den Vertrag des Angreifers um 10:52 Uhr zunächst von der Liste erlaubter Verträge gestrichen und ihn eine Minute später wieder aufgenommen, beide Male mit drei gültigen Unterschriften bisheriger Unterzeichner. Ausgeführt hat beide Transaktionen dieselbe Adresse, die den Vault im Februar 2025 angelegt hatte, wie der Block-Explorer zeigt.
Ob Schlüssel der Unterzeichner abgegriffen wurden oder die Freigabe auf anderem Weg zustande kam, ist offen. Die sieben Unterzeichner sind anonym, und kein Projekt hat sich bis Sonntagabend zu dem Vault bekannt. Seine Geschäfte der vergangenen Wochen, Kredite in USDC und Positionen in Wrapped Ether bei Aave, deuten auf eine verwaltete Ertragsstrategie hin. Nach übereinstimmender Einschätzung der Sicherheitsfirmen wurden weder Base noch die Verträge von Aave selbst angegriffen.
Die Brücke nach Ethereum verschafft einige Tage Sichtbarkeit
Gegen 18 Uhr lagen noch 782,067 wstETH auf der zweiten Adresse auf Base, rund 2,6 Millionen Dollar. Die übrigen 1.001 wstETH stecken in der offiziellen Brücke von Lido, deren Adresse das Protokoll in seiner Dokumentation führt.
Schnell geht dieser Weg nicht, denn eine Auszahlung von Base nach Ethereum muss erst auf Ethereum nachgewiesen und dann nach Ablauf einer Frist abgeschlossen werden. “That window is 5 days for a single-proof dispute game and 1 day on the dual-proof fast path”, heißt es in der Dokumentation von Base: fünf Tage im Regelfall, ein Tag, wenn zwei unabhängige Beweise vorliegen.
Für Besitzer von wstETH ändert der Fall nichts. Der Token selbst ist nicht betroffen, sein Kurs stand am Abend bei 3.358,21 US-Dollar (2.982,16 Euro), 0,7 Prozent höher als 24 Stunden zuvor, die Beute entspricht damit rund 5,99 Millionen Dollar. Quelle: CoinGecko
Wer Ether über Lido staked, findet die aktuelle Lage der Staking-Schlangen in unserer Auswertung vom Sonntagvormittag.
Treffen kann ein solcher Abfluss alle, die Geld in einen Vault oder eine automatische Ertragsstrategie legen. Eine Multisig schützt nur so gut, wie die Unterzeichner prüfen, was sie unterschreiben; wer eine Freigabeliste ändern darf, kann damit über die Einlagen bestimmen. Für Anleger heißt das: Vor einer Einlage lohnt der Blick darauf, wer den Vault betreibt, ob er sich namentlich zu erkennen gibt und welche Rechte die Verwalter haben. Der September war nach der Zählung von PeckShield mit 766 Millionen Dollar Schaden der teuerste Monat des Jahres.
Ob jemand die 1.001 wstETH auf Ethereum abholt, bevor sich der Eigentümer des Vaults meldet, ist die nächste offene Frage.
Wer auf Ether setzen will, ohne selbst Coins in einen Vault zu legen, kann börsengehandelte Ethereum-ETPs im Wertpapierdepot halten, etwa bei Scalable Capital. Einen Überblick über Handelsplätze mit direktem Coin-Handel gibt der Krypto-Börsen Vergleich.


























