Comdirect Bitcoin: Krypto-Zertifikate als Wertpapier, nicht als Coin
Wer bei comdirect „Bitcoin kauft“, kauft ein Krypto-ETP: eine Schuldverschreibung, die der Emittent mit Coins bei einem Treuhänder hinterlegt. Im Angebot sind Produkte von 21Shares, Bitwise, VanEck, nxtAssets und Invesco auf Bitcoin, Ethereum, XRP, Solana, Cardano und weitere Werte sowie auf Krypto-Körbe. Der Vorteil: Alles liegt im gewohnten Depot, du brauchst weder Wallet noch Börsenkonto. Der Nachteil: Eine Auszahlung auf eine eigene Wallet ist unmöglich, und du trägst neben dem Kursrisiko ein Emittentenrisiko. Bei 21Shares gilt im Ernstfall Schweizer Insolvenzrecht.
Der Sparplan ist der eigentliche Grund für comdirect
Für 29 ausgewählte ETPs fällt bis 31.12.2027 im Sparplan kein Orderentgelt an, die Rate beginnt bei 1 €. Ausgeführt wird monatlich am 1., 7., 15. oder 23. des Monats. Nach Ablauf der Aktion oder bei anderen ETPs verlangt comdirect regulär 1,5 % je Ausführung – das ist im Vergleich hoch. Rechne außerdem mit den laufenden Produktkosten der ETPs, die je nach Emittent und Basiswert unterschiedlich ausfallen, und mit dem Spread des Handelsplatzes. Eine einheitliche Spread-Angabe veröffentlicht comdirect nicht.
Einmalkäufe: nur für größere Beträge sinnvoll
Kaufst du ein ETP direkt, gelten die normalen Wertpapierpreise: 4,90 € plus 0,25 % vom Kurswert, mindestens 9,90 € und höchstens 59,90 €, dazu das Börsenentgelt. Bei 200 € wären das allein beim Kauf rund 5 % Kosten, erst bei mehreren Tausend Euro relativiert sich der Mindestbetrag. Depot-Neukunden zahlen 36 Monate lang 3,90 € je Trade. Verkäufe kosten genauso viel wie Käufe. Die Depotführung selbst ist kostenlos.
Rechenbeispiel: Sparplan oder Einmalkauf bei comdirect?
Angenommen, du willst 1.200 € im Jahr in ein Bitcoin-ETP stecken. Als Sparplan mit 100 € im Monat zahlst du für eines der 29 Aktions-ETPs bis Ende 2027 kein Orderentgelt. Danach oder bei anderen Produkten wären es 1,5 % je Rate, also 1,50 € im Monat und 18 € im Jahr. Kaufst du die 1.200 € dagegen auf einmal, greift das Mindestentgelt von 9,90 € plus Börsenentgelt, denn 4,90 € plus 0,25 % ergeben nur 7,90 €. Depot-Neukunden zahlen in den ersten 36 Monaten 3,90 € je Trade. In jedem Fall kommen die laufenden Kosten des ETPs und der Spread hinzu. Für regelmäßiges Sparen ist der Sparplan also klar die günstigere Wahl.
Bitcoin (BTC) als ETP: laufende Kosten der Aktionsprodukte im Vergleich
Ein Krypto-ETP bildet die Wertentwicklung seines Basiswerts nahezu 1:1 ab – abzüglich einer jährlichen Gebühr, die der Emittent laufend einbehält. Gerade bei den fünf reinen Bitcoin-Produkten der Sparplan-Aktion unterscheiden sich diese Sätze deutlich: Invesco Physical Bitcoin kostet 0,10 % im Jahr, VanEck Bitcoin und nxtAssets bitcoin direct je 1,00 %, das 21Shares Bitcoin ETP 1,49 % und Bitwise Physical Bitcoin 2,00 %. Ein Beispiel: Liegen 10.000 € ein Jahr lang im Depot, sind das bei Invesco rund 10 €, bei Bitwise rund 200 €. Da alle fünf im Sparplan kein Orderentgelt kosten, entscheidet über die Wahl des Produkts vor allem diese laufende Gebühr – ein Schritt, den viele Anleger beim Einrichten übersehen.
Welche Kryptowährungen es als ETP gibt: BTC, ETH, SOL und Co.
Die Auswahl der Aktions-ETPs reicht über Bitcoin hinaus. Einzelwerte gibt es unter anderem auf Ethereum (ETH), XRP, Solana (SOL), Cardano (ADA), Polkadot (DOT), Stellar (XLM), Litecoin, TRON und Avalanche, dazu Körbe wie Krypto-Basket- oder Mid-Cap-Indizes. Zum Vergleich: comdirect zählt in seinem Magazin rund 9.500 verschiedene Kryptowährungen weltweit (Stand Juli 2025) – über ETPs bekommst du also nur einen kleinen, ausgewählten Teil des Marktes. Für Investoren, die Krypto-Assets als Beimischung neben Aktien, Fonds oder Rohstoffen halten, reicht das oft aus. Wer gezielt kleinere Projekte sucht, landet bei einer Krypto-Börse oder einem Neobroker.
Warum die Commerzbank-Onlinetochter unter Druck steht
Der Hintergrund der Ankündigung ist der Wettbewerb um Privatkunden. Neobroker wie Trade Republic bieten seit Jahren echte Bitcoin, Ethereum und Solana an, zum Teil mit Auszahlung auf eine eigene Wallet. Die klassischen Filial- und Direktbanken ziehen nach: Die Sparkassen und Volksbanken haben eigene Angebote gestartet, und auch bei der Commerzbank liegt die rechtliche Grundlage mit der MiCA-Zulassung für Verwahrung und Transfer seit April 2025 bereit. Privatkundenvorstand Thomas Schaufler stellte im Handelsblatt deshalb ein Kryptoangebot der Onlinetochter für spätestens 2026 in Aussicht.
Für dich als Kunde heißt das bis zum Start: Willst du bei comdirect in Bitcoin investieren, bleibt nur der Weg über Krypto-Zertifikate beziehungsweise ETPs im Depot. Das ist bequem, aber eine andere Anlageklasse als der Coin selbst – mit Emittentenrisiko und ohne Möglichkeit, die Werte auf eine Hardware-Wallet zu übertragen. Wer jetzt schon echte Coins in Eigenverwahrung will, braucht einen zweiten Anbieter.
Thomas Schaufler und das Kryptoangebot für Privatkunden
Die wichtigste Nachricht zum Thema kam nicht von comdirect selbst, sondern von der Konzernmutter: Commerzbank-Privatkundenvorstand Thomas Schaufler sagte im Handelsblatt-Interview vom 26.09.2025, er rechne spätestens 2026 mit einem vernünftigen Kryptoangebot für Privatkunden bei comdirect. Bis zum 07.10.2026 ist davon auf der Kryptoseite von comdirect noch nichts zu sehen. Die technische Grundlage hat das Institut bereits: Seit dem 07.04.2025 darf die Commerzbank AG nach MiCA Kryptowerte verwahren und übertragen, erlaubt hat das die BaFin. Für die Entwicklung im Wettbewerb ist das entscheidend, denn Neobroker wie Trade Republic bieten echte Coins samt Auszahlung auf eigene Wallets längst an. Bis Schaufler sein Versprechen einlöst, bleibt es bei Zertifikaten.
Konditionen im Überblick: was Kunden heute zahlen
Wer Kryptowährungen als ETP kauft, zahlt die normalen Konditionen des Depots: 4,90 € plus 0,25 % des Ordervolumens, mindestens 9,90 € und höchstens 59,90 € je Order, dazu Börsenentgelte. Depot-Neukunden zahlen 36 Monate lang pauschal 3,90 € je Trade. Im Sparplan kosten 29 ausgewählte Krypto-ETPs von 21Shares, Bitwise, VanEck, nxtAssets und Invesco bis 31.12.2027 kein Orderentgelt, sonst werden 1,5 % je Ausführung fällig; ausgenommen von der Aktion sind Pure Depots und von Finanzdienstleistern betreute Depots. Die Depotführung kostet nichts. Neben Krypto-ETPs liegen im selben Depot auf Wunsch Aktien, ETFs und Fonds – für Investoren, die Krypto nur als kleine Beimischung wollen, ist das der eigentliche Vorteil eines Brokers wie comdirect. Bei Fragen erreichst du den Kundenservice laut comdirect rund um die Uhr per Telefon, E-Mail und Live-Chat.
Echte Coins bei comdirect: angekündigt, aber noch nicht da
Die Commerzbank, zu der comdirect gehört, besitzt seit 07.04.2025 eine MiCA-Zulassung für Verwahrung und Transfer von Kryptowerten. Im Handelsblatt-Interview vom September 2025 kündigte Vorstand Thomas Schaufler ein Kryptoangebot bei comdirect „spätestens 2026“ an. Bis zum 08.10.2026 haben wir keinen Start gefunden. Wir aktualisieren diese Seite, sobald echte Coins handelbar sind. Bis dahin ist comdirect eine solide Adresse für ETP-Sparpläne, aber keine Alternative zu einer Krypto-Börse. Auffällig bleibt die Kluft bei den Nutzerbewertungen: Die App kommt im App Store auf 4,6 Sterne, auf Trustpilot steht die Bank bei 1,3 von 5, vor allem wegen schwer erreichbarem Kundenservice.