Angreifer greifen Kundendaten von Chainalysis ab
Chainalysis, das für Behörden und Börsen gestohlene Kryptowerte verfolgt, meldet einen Angriff mit KI-Agenten. Nach Angaben der Firma flossen Namen, E-Mail-Adressen und Rollen von Plattformnutzern ab, keine Ermittlungsinhalte.
Die Analysefirma Chainalysis, die für Behörden und Börsen gestohlene Kryptowerte verfolgt, ist selbst Ziel eines Angriffs geworden. Nach eigenen Angaben erbeuteten die Täter Namen, E-Mail-Adressen und Rollen von Nutzern ihrer Plattform, keine Ermittlungsinhalte. Wie viele Kunden betroffen sind, sagt das Unternehmen nicht.
Chainalysis machte den Vorfall am Freitag in einem Blogbeitrag öffentlich, einen Tag nach dem Hack bei Binance. Mit dem habe er nichts zu tun, betont die Firma. Entdeckt wurde der Zugriff demnach im Oktober, einen genauen Zeitpunkt nennt sie nicht.
Ungewöhnlich ist die Beschreibung des Angriffs. Ein externer Akteur habe sich mit “offensive agentic techniques” Zugang zu Systemen und internen Werkzeugen verschafft. Gemeint sind KI-Agenten, also Programme auf Basis von Sprachmodellen, die selbstständig Schwachstellen suchen und ausnutzen.
Chainalysis schließt Ermittlungsakten und Passwörter aus
Abgeflossen sind nach dem bisherigen Stand der Untersuchung Benutzerkennungen, vollständige Namen, E-Mail-Adressen und die Rollenbezeichnungen der Nutzer innerhalb ihrer Organisation. Chainalysis stuft diese Daten als nicht sensibel ein.
Keine Hinweise gebe es auf einen Zugriff auf Ermittlungsinhalte wie Graphen, Notizen und Fälle, auf Abfrageergebnisse, Passwörter im Klartext, Geheimnisse für die Zwei-Faktor-Anmeldung oder Sitzungsschlüssel. Welche Datensätze bei welcher Organisation betroffen sind, will die Firma jedem Kunden einzeln mitteilen.
Fragen von The Block dazu beantwortete Chainalysis nicht.
Bei Behörden betrifft das die Namen von Ermittlern
Die Kunden von Chainalysis sind nach eigenen Angaben Behörden, Börsen, Finanzinstitute und Sicherheitsfirmen in mehr als 70 Ländern, auf der Website ist von über 1.500 Kunden die Rede. Nutzer der Plattform sind dort die Analysten und Ermittler, die Geldflüsse in der Blockchain nachverfolgen. Ihre Namen, dienstlichen Adressen und Rollen liegen nun bei Unbekannten.
Die Firma steht derzeit besonders im Blick. Sie gehört zu den Analysehäusern, die den Diebstahl bei Binance schon in der Nacht auf den 30. Oktober der nordkoreanischen Gruppe TraderTraitor zuordneten und die Wege der Beute verfolgen, wie wir zu den Zahlen von Changpeng Zhao berichtet haben.
Der Vorfall reiht sich nach Darstellung von Chainalysis in ähnliche Angriffe auf Technologieplattformen “in recent weeks” ein, Namen nennt sie keine. Erst am 29. Oktober hatte Polymarket den Handel nach einem Angriff über einen Drittanbieter für eine Stunde gestoppt.
Kunden sollen auf falsche Passwort-Mails achten
Wer Namen, E-Mail-Adresse und Funktion einer Person kennt, kann ihr gezielt gefälschte Nachrichten schicken. Chainalysis rät seinen Kunden deshalb, auf unerwartete Aufforderungen zum Zurücksetzen von Passwörtern oder zur Anmeldung zu achten und die Zwei-Faktor-Anmeldung einzuschalten, wo sie noch fehlt.
Privatanleger sind keine Kunden von Chainalysis, ihre Transaktionsdaten fließen aber über Börsen in deren Analysen ein. Nach den Angaben der Firma sind Abfrageergebnisse und Fallakten nicht betroffen. Zur Aufarbeitung hat Chainalysis externe Sicherheitsexperten beauftragt und lässt die eigene Plattform zusätzlich mit Sprachmodellen nach Lücken durchsuchen.
Die Auflistung je Organisation steht noch aus.
Kryptowährungen sind sehr schwankungsanfällig. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.




