EIP-7702: So leerte der Angreifer die Binance-Wallet in einem Zug
Über den Ethereum-Standard EIP-7702 räumte der Angreifer eine Binance-Hot-Wallet mit rund 2,5 Milliarden Dollar in einem Zug ab. Wie er an die nötigen Unterschriften kam, hat Binance noch nicht erklärt. Was der Standard kann und warum er auch private Wallets betrifft.
Rund 2,5 Milliarden Dollar verließen beim Binance-Hack eine einzige Hot Wallet auf Ethereum in weniger als vier Minuten. In dieser Form möglich machte das ein Standard, den Ethereum im Mai 2025 eingeführt hat: EIP-7702 erlaubt einem gewöhnlichen Konto, fremden Programmcode als eigenen auszuführen. Wie der Angreifer an die dafür nötigen Unterschriften der Börse kam, hat Binance noch nicht erklärt.
Den Gesamtschaden des Binance-Hacks beziffert die Börse auf rund 6,3 Milliarden Dollar über mehrere Blockchains. Co-Chef Richard Teng sagte am Freitag in seiner Videobotschaft zur Deckung der Verluste, die Delegation über EIP-7702 “did not pass through our normal approval controls”, sie lief also an den üblichen Freigaben vorbei.
Ein gewöhnliches Konto leiht sich fremden Code
Auf Ethereum gibt es gewöhnliche Konten, die allein ein privater Schlüssel steuert, und Smart Contracts, deren Code festlegt, was mit dem Guthaben geschehen darf. Nur Letztere können eigene Regeln durchsetzen, etwa ein Tageslimit.
EIP-7702 verbindet beides, damit Wallets zum Beispiel mehrere Transaktionen bündeln oder Gebühren von Dritten bezahlen lassen können. Der Inhaber eines gewöhnlichen Kontos unterschreibt dazu eine Erlaubnis, die auf einen Contract zeigt, und von da an läuft dessen Code, sobald jemand das Konto anspricht. Die Spezifikation hält selbst fest, dass der delegierte Code “unrestricted access to the account” hat, also uneingeschränkten Zugriff auf das Konto.
Die Erlaubnis wirkt wie eine Generalvollmacht: Sie nennt weder Empfänger noch Betrag und gilt, bis der Inhaber sie ersetzt oder aufhebt.
Der Angreifer reichte 50 Erlaubnisse auf einmal ein
Auf der Blockchain lässt sich der Ablauf nachvollziehen. Am Donnerstag um 21:20:59 Uhr schickte die Adresse des Angreifers eine Transaktion ab, die 50 solcher Erlaubnisse für die Hot Wallet “Binance 14” enthielt, alle auf denselben Contract gerichtet.
Jede Erlaubnis gilt nur, wenn ihre laufende Nummer, die Nonce, genau dem Zählerstand des Kontos entspricht. Weil die Hot Wallet ständig Auszahlungen verschickte und ihr Zähler weiterlief, deckte der Angreifer die Stände 18.914.775 bis 18.914.824 ab; nach Angaben von CoinDesk griff eine davon. Drei Minuten und 24 Sekunden später rief er das Konto auf, und der fremde Code schob nach derselben Auswertung rund 167.464 Ether und 63 Token hinaus, darunter etwa 1,6 Milliarden USDT.
Erst am Freitag um 1:10 Uhr hob Binance die Delegation mit einer neuen Erlaubnis auf die Nulladresse wieder auf, knapp vier Stunden nach der ersten Transaktion.
Fachleute streiten über den Anteil des Standards
Ohne EIP-7702 hätte der Angreifer dieselben Coins mit vielen einzelnen Überweisungen abziehen müssen. Blockaid-Chef Ido Ben-Natan sagte Cointelegraph, der Standard sei “a way to do this in one sweep and maybe a way to bypass some sort of checks”, also ein Weg, alles in einem Zug zu erledigen und dabei womöglich Prüfungen zu umgehen.
Ivo Georgiev, Chef des Wallet-Anbieters Ambire, hält den Unterschied für gering, weil der Angreifer ohnehin Transaktionen freigeben konnte. Auf Base, Arbitrum, Optimism, Avalanche und Polygon flossen nach einer Auswertung von Protos tatsächlich Gelder über gewöhnliche Überweisungen ab, ganz ohne Delegation. Offen ist damit vor allem, wie der Angreifer Unterschriften aus dem Signiersystem der Börse bekam.
Dieselbe Technik trifft private Wallets
Neu ist der Missbrauch nicht. Kurz nach dem Start von EIP-7702 stellte der Marktmacher Wintermute fest, dass die meisten frühen Delegationen auf sogenannte Sweeper zeigten, Contracts, die ein Konto selbsttätig leerräumen. Im September 2025 verloren Halter des WLFI-Tokens auf diesem Weg Coins.
Wer in seiner Wallet aufgefordert wird, das Konto auf einen Contract umzustellen, unterschreibt also eine Vollmacht über alles, was darauf liegt. Aufheben lässt sie sich wie bei Binance mit einer neuen Erlaubnis auf die Nulladresse.
Einen ausführlichen technischen Bericht will Binance vorlegen, sobald die Untersuchung abgeschlossen ist.
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Kryptowährungen sind sehr schwankungsanfällig. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.




