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APR und APY: Was bedeuten die Zinsangaben bei Krypto?

Was APR und APY bedeuten, wie du mit der Formel umrechnest und warum die Prozentzahl bei Staking, Lending und Liquidity Pools nicht alles zeigt.

Titelbild „APR und APY“ – Ratgeber von Krypto-Boersen.com

Das Wichtigste in Kürze

  • APR ist der einfache Jahreszins ohne Zinseszins, APY die Jahresrendite mit Zinseszins.
  • Je öfter Erträge gutgeschrieben und wieder angelegt werden, desto weiter liegt der APY über dem einfachen Jahressatz.
  • Bei Krypto kommen Erträge meist in Token: Der Prozentsatz sagt nichts über den Wert in Euro.
  • Sätze sind oft variabel, Gebühren und die Inflation des Coins schmälern das Ergebnis.
  • Vergleiche immer dieselbe Kennzahl, netto und für denselben Zeitraum.

APR (Annual Percentage Rate) ist der einfache Jahreszins: Er gibt an, wie viel Prozent Ertrag oder Kosten ein Jahr bringt, ohne dass Zinsen erneut verzinst werden. APY (Annual Percentage Yield) rechnet den Zinseszins mit ein. Bei gleichem Satz ist der APY deshalb fast immer etwas höher, sobald Erträge mehrmals im Jahr gutgeschrieben werden.

APR Bedeutung: der einfache Jahreszins

Die Abkürzung steht für „Annual Percentage Rate“, auf Deutsch etwa „jährlicher Prozentsatz“. Gemeint ist ein Nominalzins pro Jahr. Erträge, die während des Jahres entstehen, werden dabei nicht wieder mitverzinst.

Ein einfaches Bild: Du verleihst 1.000 Einheiten eines Stablecoins zu 6 % pro Jahr ohne Zinseszins. Nach einem Jahr hast du 60 Einheiten Ertrag, egal ob die Plattform täglich, monatlich oder einmal am Ende auszahlt, solange du die Erträge nicht wieder einsetzt.

Bei Krediten hat der Begriff im angelsächsischen Raum eine zweite Ebene. Dort enthält der Wert bei einem Darlehen neben dem Zins auch bestimmte Gebühren. In Krypto-Apps meint die Angabe dagegen fast immer schlicht den Jahressatz ohne Zinseszins.

APY Bedeutung: Rendite mit Zinseszins

„Annual Percentage Yield“ heißt jährliche Rendite. Die Kennzahl unterstellt, dass jede Gutschrift sofort wieder angelegt wird und ab dann selbst Ertrag bringt. US-Bankaufseher definieren den APY genau so: als Prozentsatz, der den gesamten Zins eines Jahres auf Basis von Zinssatz und Häufigkeit der Zinsgutschrift abbildet.

Der APY ist also kein anderer Zins, sondern eine andere Darstellung desselben Satzes. Wer die Wahl hat, zeigt gern die größere Zahl. Genau deshalb lohnt es sich, die beiden Begriffe sauber zu trennen.

APR und APY: der Unterschied auf einen Blick

Merkmal APR APY
Zinseszins nicht enthalten enthalten
Gutschrift-Häufigkeit spielt für die Zahl keine Rolle entscheidend
Typisch bei Krediten, Lending-Angeboten, Liquidity Pools Sparangeboten, Staking mit automatischer Wiederanlage
Wirkung auf die Zahl niedriger gleich oder höher
Wann gleich? bei genau einer Gutschrift pro Jahr

APY berechnen: die Formel von APR zu APY

Für die Umrechnung brauchst du nur zwei Werte: den Jahressatz als Dezimalzahl (r) und die Zahl der Gutschriften pro Jahr (n).

APY = (1 + r / n)n − 1

Umgekehrt lässt sich aus einem beworbenen APY der zugrunde liegende Satz zurückrechnen: APR = n × ((1 + APY)1/n − 1). Das hilft, wenn ein Anbieter nur die größere Zahl zeigt.

Rechenbeispiel mit Tabelle

Die folgenden Werte sind frei gewählt und stammen von keinem Anbieter. Angenommen: 1.000 Token, 6 % Jahressatz, alle Erträge bleiben angelegt.

Gutschrift n pro Jahr APY Bestand nach 1 Jahr
jährlich 1 6,000 % 1.060,00 Token
quartalsweise 4 6,136 % 1.061,36 Token
monatlich 12 6,168 % 1.061,68 Token
wöchentlich 52 6,180 % 1.061,80 Token
täglich 365 6,183 % 1.061,83 Token

Bei niedrigen Sätzen ist der Abstand klein. Er wächst mit der Höhe des Satzes: Aus einem Jahressatz von 20 % werden bei täglicher Gutschrift rechnerisch 22,13 % APY. Mehr als wenige Hundertstel bringt der Wechsel von wöchentlich auf täglich aber auch dann nicht.

Ein Rückrechnungsbeispiel: Ein Angebot nennt 8 % APY bei monatlicher Gutschrift. Der zugrunde liegende Jahressatz liegt dann bei rund 7,72 %.

APR bei Krypto: wo die Angaben auftauchen

Staking

Beim Staking sicherst du mit deinen Coins ein Proof-of-Stake-Netzwerk ab und erhältst neue Coins als Belohnung. Manche Netzwerke schreiben die Belohnung automatisch dem gestakten Bestand zu, dann wirkt der Zinseszins von selbst. Bei Ethereum hängt das vom Weg ab, den du wählst; die Details erklärt unser Ratgeber zu Ethereum Staking.

Lending

Beim Verleihen erhält der Verleiher Zinsen, die Kreditnehmer bezahlen. In DeFi-Protokollen passt ein Algorithmus den Satz laufend an die Auslastung an. Die Anzeige springt deshalb oft mehrmals am Tag.

Liquidity Pools und Farming

Wer einer dezentralen Börse Coin-Paare bereitstellt, erhält einen Anteil an den Handelsgebühren, manchmal zusätzlich Belohnungs-Token. Die angezeigte Jahreszahl wird meist aus den Gebühren der letzten Tage hochgerechnet. Den möglichen Wertverlust durch Impermanent Loss enthält sie nicht. Wie das genau funktioniert, steht in unserem Artikel Was ist ein Liquidity Pool?.

Kredite und Hebel

Leihst du Krypto oder Stablecoins, ist der Jahressatz deine Kostenquote. Bei Margin-Positionen wird der Zins oft stündlich oder täglich berechnet. Was das für offene Positionen bedeutet, erklärt der Ratgeber zum Hebel-Trading.

Bezug zum deutschen Effektivzins

Bei Verbraucherkrediten in Deutschland heißt die vergleichbare Angabe effektiver Jahreszins. Nach § 16 Preisangabenverordnung muss er die Gesamtkosten als jährlichen Prozentsatz des Nettodarlehensbetrags ausweisen und wird nach einer festen Formel berechnet. Für Krypto-Ertragsangebote gibt es keine solche einheitliche Rechenvorschrift.

Fallstricke: was die Prozentzahl nicht zeigt

Variable Sätze

Fast alle Angaben sind Momentaufnahmen. Staking-Belohnungen hängen von der Zahl der Teilnehmer ab, Lending-Zinsen von Angebot und Nachfrage. Ein Jahreswert ist deshalb eine Hochrechnung, kein Versprechen.

Ertrag in Token heißt Kursrisiko

Die Rendite wird in der Einheit bezahlt, die du anlegst. Ein frei gewähltes Beispiel: Du hast 1.000 Token zu je 2 Euro, also 2.000 Euro. Nach einem Jahr mit 6,183 % APY besitzt du 1.061,83 Token. Fällt der Kurs auf 1,40 Euro, sind sie nur noch rund 1.487 Euro wert. Trotz Ertrag liegst du etwa ein Viertel im Minus.

Inflation des Coins

Staking-Belohnungen entstehen oft aus neu geschaffenen Coins. Wächst die Gesamtmenge um 5 % pro Jahr und du erhältst 6,18 %, steigt dein Anteil am Netzwerk nur um rund 1,1 %. Der Rest gleicht lediglich die Verwässerung aus. Wer nicht stakt, verliert in diesem Fall Anteil.

Gebühren

Anbieter behalten häufig einen Teil der Belohnung ein. Steht die Zahl vor Abzug dieser Gebühr, liegt deine Rendite darunter: Bei 6 % brutto und 10 % Anteil des Anbieters bleiben 5,4 % einfacher Satz, mit täglicher Gutschrift rund 5,55 % APY. Hinzu kommen Netzwerk- und Auszahlungsgebühren.

Sperrfristen und Ausfallrisiko

Höhere Sätze gehen oft mit Bindung einher. Außerdem kann ein Anbieter oder ein Smart Contract ausfallen. Eine Einlagensicherung wie bei Bankguthaben gibt es für Krypto-Erträge nicht. Wie du Plattformen prüfst, erklären wir unter Anlegerschutz; ob ein Anbieter eine Zulassung nach MiCA hat, zeigt unsere MiCA-Lizenz-Übersicht.

Ungewöhnlich hohe, feste Zusagen sind ein Warnsignal. Typische Maschen beschreibt unser Ratgeber Krypto-Betrug.

APR und APY richtig vergleichen

  1. Gleiche Kennzahl: Rechne alle Angebote auf dieselbe Kennzahl um, bevor du sie nebeneinanderstellst.
  2. Netto statt brutto: Prüfe, ob die Gebühr des Anbieters schon abgezogen ist.
  3. Einheit klären: Wird in Euro, in einem Stablecoin oder im angelegten Coin gezahlt?
  4. Zeitraum beachten: Ist es ein aktueller Wert, ein Durchschnitt oder ein Aktionssatz?
  5. Bedingungen lesen: Sperrfrist, Mindestbetrag, Staffeln und automatische Wiederanlage.
  6. Kosten des Einstiegs: Kauf- und Auszahlungskosten verschieben die Rechnung. Einen Überblick über Börsen bietet unser Krypto-Börsen-Vergleich.

Steuern auf Krypto-Erträge

Für die Steuer spielt keine Rolle, welche Kennzahl ein Angebot nennt. Laut BMF-Schreiben vom 06.03.2025 gelten Erträge aus Staking und Lending grundsätzlich im Zeitpunkt des Zuflusses als sonstige Einkünfte. Für diese Einkunftsart gilt eine Freigrenze von 256 Euro im Jahr. Ein Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums vom 30.09.2026 plant eine Neuregelung ab 2027; beschlossen ist sie noch nicht. Mehr dazu in unseren Ratgebern zu Krypto-Steuern und zur Haltefrist. Das ist keine Steuerberatung.

Häufige Fragen zu APR und APY

Was bedeutet APR bei Krypto?

Gemeint ist der einfache Jahressatz eines Ertrags oder Kredits ohne Zinseszins. In Krypto-Apps steht er meist bei Lending, Liquidity Pools und Krediten.

Was ist besser, APR oder APY?

Keines von beiden ist besser, sie zeigen denselben Satz unterschiedlich. Bei gleichem Zahlenwert ist ein APY für dich als Anleger weniger wert als ein einfacher Jahressatz, weil der Zinseszins schon eingerechnet ist.

Wie rechne ich APR in APY um?

Mit der Formel APY = (1 + r / n)n − 1. Dabei ist r der Jahressatz als Dezimalzahl und n die Zahl der Gutschriften pro Jahr.

Ist APY dasselbe wie Rendite?

Der APY ist eine Rendite in der angelegten Einheit. Deine Rendite in Euro hängt zusätzlich vom Kurs ab und kann trotz positivem APY negativ sein.

Warum ändert sich der APY ständig?

Die meisten Krypto-Sätze sind variabel. Sie folgen der Nachfrage nach Krediten, der Zahl der Staker oder den Handelsgebühren eines Pools.

Entspricht die APR dem Effektivzins?

Nicht ganz. Der deutsche effektive Jahreszins bei Krediten folgt einer gesetzlichen Formel und enthält bestimmte Nebenkosten. Eine Krypto-APR ist meist nur der nackte Jahressatz.

Kryptowährungen sind sehr schwankungsanfällig. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.

Kevin van der Linden

Über Kevin van der Linden

Als Autor & Gründer von Krypto-Boersen.com liegt es mir am Herzen, meine Expertise in den Bereichen Kryptowährungen und Blockchain-Technologien zu teilen, um Ihnen eine seriöse Anlaufstelle für aktuelle Informationen zu bieten. Durch mein Studium der Medien- und Kommunikationsinformatik und meinem hohen Interesse an neuen Technologien und Finanzen, konnte ich über die letzten Jahre tiefe Einblicke in diese Themenfelder erlangen. Als leidenschaftlicher Krypto-Enthusiast und Investor weiß ich, wie wichtig es ist, auf dem neuesten Stand zu bleiben und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Mein Ziel ist es, Ihnen dabei zu helfen, das nötige Verständnis für die Chancen und Risiken des Marktes aufzubauen.

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