Ratgeber 7 Min. Lesezeit

Private Key: Was der private Schlüssel bei Bitcoin bedeutet

Wie der private Schlüssel bei Bitcoin funktioniert, wie Public Key, Adresse und Seed Phrase daraus entstehen und was passiert, wenn der Private Key verloren geht.

Titelbild „Private Key“ – Ratgeber von Krypto-Boersen.com

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Private Key ist eine geheime, zufällig erzeugte Zahl mit 256 Bit. Wer sie kennt, kann über die zugehörigen Coins verfügen.
  • Aus dem privaten Schlüssel berechnet die Wallet über die elliptische Kurve secp256k1 den Public Key und daraus die Adresse. Rückwärts geht das praktisch nicht.
  • Mit dem privaten Schlüssel unterschreibst du Transaktionen. Das Netzwerk prüft die Signatur mit dem Public Key, ohne das Geheimnis zu sehen.
  • Moderne Wallets leiten alle Schlüssel aus einer Seed Phrase ab (BIP-39 und BIP-32). Die Wörter sind deshalb so wertvoll wie die Schlüssel selbst.
  • Ist der Schlüssel verloren und gibt es keine Sicherung, sind die Coins weg. Es gibt keine Stelle, die ihn zurücksetzen kann.

Ein Private Key (privater Schlüssel) ist bei Bitcoin eine geheime Zahl, mit der du beweist, dass dir bestimmte Coins gehören, und mit der du Überweisungen unterschreibst. Aus ihm wird der Public Key berechnet, aus dem wiederum deine Empfangsadresse entsteht. Wer ihn kennt, hat die volle Kontrolle über das Guthaben. Deshalb darf ihn niemand außer dir sehen.

Was ist ein Private Key?

Technisch ist ein Bitcoin Private Key nichts weiter als eine sehr große Zufallszahl mit 256 Bit. Erlaubt ist jede Zahl von 1 bis knapp 2256, die genaue Obergrenze legt der Standard secp256k1 fest. 2256 ist eine Zahl mit 78 Stellen. Zwei Menschen, die unabhängig voneinander sauber erzeugte Schlüssel ziehen, landen deshalb praktisch nie bei derselben Zahl.

Die Sicherheit hängt vollständig am Zufall. Ein Schlüssel, den du dir selbst ausdenkst, etwa aus einem Satz oder einem Lieblingswort, lässt sich erraten. Wallets nutzen deshalb einen kryptografisch sicheren Zufallsgenerator. Du siehst den Schlüssel selbst meist gar nicht, denn die Wallet verwaltet ihn im Hintergrund.

Wichtig für das Verständnis: Coins liegen nicht im Schlüssel und nicht in der Wallet. Sie stehen als Einträge auf der Blockchain. Der Schlüssel ist die Berechtigung, diese Einträge weiterzugeben.

Public Key und Private Key: so hängen sie zusammen

Bitcoin nutzt ein Schlüsselpaar. Der private Teil bleibt geheim, der öffentliche darf jeder kennen. Verbunden sind beide über Mathematik auf einer elliptischen Kurve namens secp256k1: Die Wallet multipliziert einen festen Startpunkt der Kurve mit deinem privaten Schlüssel und erhält einen neuen Punkt. Dieser Punkt ist dein Public Key.

Der Trick dabei: Die Rechnung vorwärts dauert Millisekunden. Aus dem Ergebnis die Ausgangszahl zurückzurechnen, ist mit heutigen Computern praktisch unmöglich. Fachleute sprechen vom Problem des diskreten Logarithmus. Darauf beruht die gesamte Sicherheit deines Guthabens.

Die Adresse ist noch einen Schritt weiter entfernt. Bei klassischen Adressen wird der Public Key zuerst mit SHA-256 und dann mit RIPEMD-160 gehasht, anschließend kommen eine Versionsnummer und eine Prüfsumme gegen Tippfehler dazu.

Element Entsteht aus Darfst du teilen? Wofür
Private Key Zufall (oder Seed Phrase) Nein, niemals Transaktionen unterschreiben
Public Key Private Key über secp256k1 Ja Signaturen prüfen
Adresse Hash des Public Key Ja Coins empfangen, ähnlich einer IBAN

Jeder Pfeil zeigt nur in eine Richtung. Aus der Adresse folgt nicht der Public Key, aus dem Public Key nicht der Private Key.

Signatur einfach erklärt

Willst du Bitcoin senden, erstellt die Wallet eine Transaktion: Welche Coins gehen an welche Adresse? Diese Nachricht unterschreibt sie mit deinem privaten Schlüssel. Heraus kommt eine digitale Signatur, die nur zu genau dieser Transaktion und genau diesem Schlüssel passt.

Jeder Knoten im Netzwerk prüft anschließend mit deinem Public Key, ob die Signatur gültig ist. Den privaten Schlüssel braucht er dafür nicht. Ändert jemand nachträglich auch nur den Betrag, passt die Signatur nicht mehr, und das Netzwerk lehnt die Transaktion ab.

Bitcoin verwendet dafür das Verfahren ECDSA. Seit dem Taproot-Upgrade im November 2021 kommen außerdem Schnorr-Signaturen nach BIP-340 dazu. Am Prinzip ändert das nichts: Signieren kann nur, wer den privaten Schlüssel hat.

Public Private Key in der IT: Verschlüsselung und Signatur

Das Prinzip von öffentlichem und privatem Schlüssel stammt nicht aus der Kryptowelt. Diffie und Hellman veröffentlichten die Idee 1976, ein Jahr später folgte das RSA-Verfahren. Heute sichern Schlüsselpaare HTTPS-Verbindungen über TLS, verschlüsselte E-Mails mit OpenPGP oder S/MIME und Fernzugänge über SSH. Mit dem Public Key kann dort jeder Daten für dich verschlüsseln, entschlüsseln kannst nur du mit dem privaten Schlüssel. Bitcoin nutzt das Schlüsselpaar dagegen nur zum Signieren, nicht zum Verschlüsseln.

Seed Phrase, BIP-39 und HD-Wallets

Für jede Zahlung einen eigenen Schlüssel zu sichern, wäre umständlich. Moderne Wallets lösen das mit zwei Standards, die fast alle Hersteller unterstützen:

  • BIP-39 (Seed Phrase): Die Wallet erzeugt 128 bis 256 Bit Zufall und übersetzt sie in 12 bis 24 Wörter aus einer festen Liste mit 2.048 Begriffen. Aus diesen Wörtern und einer optionalen Passphrase entsteht über die Funktion PBKDF2 ein 512 Bit langer Seed.
  • BIP-32 (HD-Wallet): Aus dem Seed berechnet die Wallet einen Hauptschlüssel und daraus einen ganzen Baum von Kind-Schlüsseln. So bekommst du für jede Einzahlung eine neue Adresse, gesichert ist trotzdem alles mit denselben Wörtern.

Die Seed Phrase ist damit der Generalschlüssel zu allen Private Keys deiner Wallet. Wer sie findet, braucht weder dein Gerät noch deine PIN. Wie du die Wörter sicher notierst und aufbewahrst, erklärt unser Ratgeber zur Sicherheit der Seed Phrase.

Ein Detail aus BIP-32 wird oft übersehen: Der erweiterte öffentliche Schlüssel (xpub) zeigt alle deine Adressen und damit dein gesamtes Guthaben. Gerät er zusammen mit einem einzelnen Kind-Private-Key in fremde Hände, lässt sich daraus unter Umständen der übergeordnete private Schlüssel berechnen. Teile die xpub deshalb nur mit Diensten, denen du vertraust.

Wie sieht ein Bitcoin Private Key aus?

Dieselbe Zahl lässt sich in verschiedenen Formaten darstellen:

  • Hexadezimal: 64 Zeichen aus 0 bis 9 und a bis f. So arbeitet die Software intern.
  • WIF (Wallet Import Format): Base58-Kodierung mit Prüfsumme. Im Hauptnetz beginnt ein WIF-Schlüssel mit 5 (unkomprimierter Public Key) oder mit K beziehungsweise L (komprimiert). Dieses Format nutzen Paper Wallets und Import-Funktionen.
  • Seed Phrase: Bei modernen Wallets bekommst du keinen einzelnen Schlüssel zu sehen, sondern nur die Wortliste, aus der alle Schlüssel folgen.

Siehst du irgendwo einen Text, der mit 5, K oder L beginnt und gut 50 Zeichen lang ist, kann das ein privater Schlüssel sein. Fotografiere ihn nicht und tippe ihn nicht in Websites ein.

Private Key sicher aufbewahren

Ein privater Schlüssel ist nur so sicher wie der Ort, an dem er liegt. Drei Grundregeln gelten unabhängig von der Wallet:

  • Offline statt online: Für größere Beträge gehört der Schlüssel auf ein Gerät ohne dauerhafte Internetverbindung. Welche Möglichkeiten es gibt, zeigt der Ratgeber Cold Wallet, passende Geräte findest du im Wallet-Vergleich.
  • Analog sichern: Seed Phrase auf Papier oder Metall, nie als Foto, Datei oder in der Cloud.
  • Nie herausgeben: Kein Hersteller, keine Börse und kein Support braucht ihn.

Eine Paper Wallet mit ausgedrucktem Schlüssel ist möglich, im Alltag aber fehleranfällig. Die Schritte und Fallstricke stehen im Ratgeber Paper Wallet erstellen.

Private Key verloren oder gestohlen: was jetzt?

Bitcoin kennt keine Passwort-Zurücksetzung. Ist der Schlüssel verloren und gibt es weder Seed Phrase noch Sicherungsdatei, sind die Coins dauerhaft unerreichbar. Sie bleiben auf der Blockchain sichtbar, aber niemand kann sie je wieder bewegen. Prüfe deshalb zuerst alle Sicherungen: alte Notizen, frühere Geräte, Wallet-Dateien auf alten Festplatten.

Ist der Schlüssel gestohlen oder hat jemand deine Seed Phrase gesehen, zählt jede Minute. Richte eine neue Wallet mit neuer Seed Phrase ein und überweise das Guthaben dorthin, solange es noch da ist. Sind die Coins schon weg, lässt sich eine Bitcoin-Transaktion nicht zurückholen.

Vorsicht vor angeblichen Wiederherstellungsdiensten, die gegen Vorkasse verlorene Schlüssel „knacken“ oder gestohlene Coins zurückholen wollen. Das ist eine bekannte Masche, mehr dazu im Ratgeber Krypto-Betrug.

Börse oder eigene Wallet: Not your keys, not your coins

Kaufst du Bitcoin bei einer Börse und lässt ihn dort liegen, hält die Börse die Private Keys. Du hast dann nur einen Anspruch gegen das Unternehmen. Die Redewendung „Not your keys, not your coins“ bringt das auf den Punkt: Ohne eigenen Schlüssel besitzt du die Coins nicht direkt.

Wie ernst das sein kann, zeigten die Pleiten von Mt. Gox im Februar 2014 und FTX im November 2022, bei denen Kunden lange nicht an ihr Guthaben kamen. In der EU müssen lizenzierte Anbieter Kundenwerte seit MiCA vom eigenen Vermögen trennen. Welche Anbieter zugelassen sind, zeigt unser MiCA-Lizenz-Tracker. Viele Anleger kaufen bei einer lizenzierten Börse und übertragen größere Beträge danach in die eigene Wallet.

Private Key und Quantencomputer

Die Einweg-Rechnung vom privaten zum öffentlichen Schlüssel gilt für heutige Computer. Ein ausreichend großer Quantencomputer könnte sie in Zukunft umkehren. Einen solchen Rechner gibt es bisher nicht. Was das für dein Guthaben bedeutet und welche Adressen stärker betroffen wären, erklärt unser Ratgeber Quantencomputer und Bitcoin.

Häufige Fragen zum Private Key

Was ist der Unterschied zwischen Public Key und Private Key?

Der private Schlüssel ist geheim und dient zum Unterschreiben von Transaktionen. Der Public Key wird daraus berechnet, darf öffentlich sein und dient dazu, die Unterschrift zu prüfen. Aus dem Public Key lässt sich der private Schlüssel praktisch nicht zurückrechnen.

Ist die Seed Phrase dasselbe wie der Private Key?

Nicht ganz. Die Seed Phrase ist der Ausgangspunkt, aus dem die Wallet alle Private Keys ableitet. Sie ist deshalb noch wertvoller als ein einzelner Schlüssel, weil sie Zugriff auf alle Adressen der Wallet gibt.

Kann man einen Private Key erraten oder knacken?

Bei sauber erzeugten Schlüsseln nicht. Die Zahl der möglichen Schlüssel ist so groß, dass Durchprobieren aussichtslos ist. Gefährlich sind selbst ausgedachte oder schlecht erzeugte Schlüssel sowie Schadsoftware, die Schlüssel vom Gerät stiehlt.

Was passiert, wenn ich meinen Private Key verloren habe?

Hast du die Seed Phrase, stellst du die Wallet damit auf einem neuen Gerät wieder her. Ohne jede Sicherung sind die Coins verloren. Weder Entwickler noch Börsen können einen Bitcoin Private Key wiederherstellen.

Wo finde ich meinen privaten Schlüssel?

Bei den meisten Wallets siehst du nur die Seed Phrase. Manche Software-Wallets bieten in den Einstellungen einen Export einzelner Schlüssel an. Hardware-Wallets geben den privaten Schlüssel absichtlich nicht heraus.

Brauche ich einen Private Key, wenn ich bei einer Börse kaufe?

Nein, solange die Coins dort liegen, verwaltet die Börse die Schlüssel. Willst du selbst verwahren, überträgst du die Coins in eine eigene Wallet, die dann deine Schlüssel erzeugt. Anbieter vergleichst du im Börsenvergleich.

Kryptowährungen sind sehr schwankungsanfällig. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.

Über Krypto-Boersen.com

Die Redaktion von Krypto-Börsen.com setzt sich aus Fachautoren mit langjähriger Erfahrung in den Bereichen Finanzen, Blockchain-Technologie und Online-Trading zusammen. Unser Anspruch ist es, komplexe Entwicklungen im Kryptomarkt verständlich, objektiv und praxisnah darzustellen. Dazu analysieren wir regelmäßig Handelsplattformen, beobachten Markttrends und bereiten Hintergrundwissen so auf, dass Einsteiger wie auch erfahrene Anleger seriöse und aktuelle Informationen erhalten.

Alle Artikel von Krypto-Boersen.com

Der Krypto-Newsletter

Die wichtigsten Nachrichten, neue Angebote der Börsen und unsere Marktdaten – kostenlos per E-Mail. Abmeldung jederzeit.

Suche wird geladen …

Tipp: Mit Strg + K oder „/“ öffnest du die Suche auf jeder Seite.