Eine Bank, die Krypto selbst anbietet
Trade Republic ist eine Bank mit deutscher Lizenz unter Aufsicht von BaFin und Bundesbank – und anders als die meisten Banken im Vergleich braucht sie keinen Krypto-Partner: Die Trade Republic Bank GmbH steht seit dem 28. April 2025 selbst mit einer MiCA-Zulassung im ESMA-Register, unter anderem für Verwahrung, Auftragsausführung und Transfer. Die Coins liegen in Cold Wallets der BitGo Europe GmbH, die ebenfalls eine eigene MiCA-Zulassung der BaFin hat und die Bestände getrennt von ihrem eigenen Vermögen führt.
Kosten: ein Euro und ein unbekannter Spread
Jeder Einzelkauf und -verkauf kostet eine Fremdkostenpauschale von 1 €, eine prozentuale Gebühr gibt es nicht. Bei 1.000 € Kaufsumme entspricht das 0,1 % – unter den Banken im Test ist nur die Sparkasse mit 0,99 € pro Order noch einen Cent günstiger. Sparpläne laufen ganz ohne Ordergebühr, Verwahrung und Netzwerknutzung beim Kauf sind kostenlos. Was Trade Republic nicht offenlegt, ist der Spread zwischen Kauf- und Verkaufskurs; er steckt im Preis und lässt sich vorab nicht beziffern. Lädst du dein Konto per Karte, Apple Pay oder Google Pay auf, kommt 1 % hinzu.
Echte Coins, die du mitnehmen kannst
Seit dem 14. November 2025 kannst du rund 50 Kryptowährungen an externe Wallets senden und von dort empfangen. Damit ist Trade Republic eine der wenigen Banken, bei denen du deine Coins wirklich selbst verwahren kannst. Ein älterer Hilfeartikel behauptet am Prüftag noch das Gegenteil – maßgeblich ist die Pressemitteilung zum Start der Funktion. Ausgewählte Coins wie Ethereum und Solana lassen sich direkt staken; während des Stakings sind sie gebunden und nicht verkaufbar.
Staking, Crypto Wallet und Saveback
Seit dem Start des Crypto Wallet im November 2025 ist Trade Republic mehr als ein Neobroker mit Krypto-Ecke. Staking gibt es unter anderem für Solana, Ethereum und Polkadot: Die Rewards werden wöchentlich gutgeschrieben und automatisch reinvestiert, eine Zusatzgebühr fällt laut Anbieter nicht an, und die angezeigte Rendite ist bereits netto. Über die Visa-Karte kannst du mit deinen Kryptos bezahlen und bekommst dabei 2 % Crypto Saveback auf bis zu 1.500 € Kartenausgaben im Monat – vorausgesetzt, du investierst mindestens 50 € monatlich per Sparplan. Jede Zahlung mit Krypto gilt steuerlich als Verkauf. Den Trade Republic Sparplan und die Trade Republic App haben wir jeweils separat getestet.
Warum Konten nach Krypto-Transfers geprüft werden
In Foren und Bewertungen berichten Kunden von gesperrten Konten, nachdem sie Coins von außen eingezahlt haben. Der Hintergrund steht in der Kundenvereinbarung: Bei eingehenden Transfers kann Trade Republic Angaben zur Herkunft der Mittel und zur absendenden Wallet verlangen. Wer größere Beträge von einer anderen Börse oder Hardware-Wallet überträgt, sollte Kaufbelege und die eigene Wallet-Adresse griffbereit haben. Beträge rundet Trade Republic ab der sechsten Nachkommastelle ab, die Netzwerkgebühr trägt der Absender.
Krypto-Verwahrung: Omnibus Wallets bei BitGo
Wie die Verwahrung technisch läuft, steht in der Kundenvereinbarung (Stand 9/2026): Die gehandelten Kryptowerte liegen in sogenannten Omnibus Wallets, also Sammel-Wallets, in denen die Bestände vieler Kunden gemeinsam gehalten und intern jedem Konto zugeordnet werden. Physisch verwahrt die BitGo Europe GmbH die Schlüssel in Cold Storage. Für dich heißt das: Solange deine Krypto-Assets im Crypto Wallet der App liegen, hast du keinen eigenen Private Key, aber einen Anspruch auf die zugeordneten Bestände, die nicht in die Insolvenzmasse fallen. Willst du die Kontrolle selbst übernehmen, sendest du die Coins an eine eigene Krypto-Wallet; dafür fallen nur die Netzwerkgebühren der jeweiligen Blockchain an. Eine Anlageberatung oder Portfolioverwaltung bietet der Neobroker laut Vereinbarung ausdrücklich nicht an, jede Ausführung beruht auf deiner eigenen Entscheidung.
Was die MiCA-Lizenz erlaubt
Die MiCA-Verordnung ist seit Juni 2023 in Kraft und gilt für Krypto-Dienstleister seit dem 30.12.2024; sie schafft einen einheitlichen Rechtsrahmen für Kryptowerte in der EU. Mit der Zulassung, die laut ESMA-Register seit dem 28.04.2025 besteht, darf der Anbieter Kryptowerte verwahren, Aufträge ausführen und Transfers abwickeln. Weil eine MiCA-Lizenz als EU-Pass funktioniert, kann er diese Dienstleistungen in allen Mitgliedstaaten anbieten, ohne dort jeweils eine eigene Erlaubnis zu beantragen. Für Anleger bringt das klare Pflichten auf Anbieterseite, etwa zur getrennten Verwahrung, zu Beschwerdeverfahren und zur Information über Kosten. Den Spread muss der Anbieter trotzdem nicht als feste Zahl veröffentlichen.
Neobroker Trade Republic oder Krypto-Börse?
Der größte Unterschied zu einer reinen Krypto-Börse liegt in Auswahl und Ordertypen. Bitpanda führt rund 827 Kryptowährungen, Kraken laut unseren Börsendaten über 200, hier sind es rund 50, darunter Bitcoin, Ethereum und Solana. Profi-Funktionen wie Limit- oder Stop-Orders, Charttools oder Derivaten-Handel auf Kryptowerte bietet der Neobroker nicht; Zertifikate und ETPs auf Kryptos kannst du zwar wie Aktien und ETFs im Depot handeln, sie sind aber Wertpapiere und keine Coins. Dafür ist die Gebührenstruktur einfacher als bei vielen Börsen: keine Orderprovision in Prozent, nur 1 € je Einzelauftrag, Sparpläne ohne Gebühr. Für Anleger, die Krypto als Teil ihrer Investments neben Aktien-ETFs halten, ist das meist der bequemere Weg; aktive Trader mit vielen Altcoins sind an einer Börse besser aufgehoben.
Wie hoch ist der Spread? Marktpartner und Schätzungen
Weil der Anbieter selbst keine Zahl nennt, helfen nur Schätzungen von außen. Der Vergleich des Handelsblatts nennt als Marktpartner für den Krypto-Handel den Liquiditätsanbieter B2C2 und schreibt, der Spread sei im Einzelfall nicht bekannt, bewege sich aber generell zwischen 1 und 2 %. Rechne selbst nach: Liegt der Aufschlag bei 1 %, kostet eine Order über 2.500 € nicht 1 €, sondern rund 26 €, bei 2 % rund 51 €. Bei einer Börse mit 0,1 % Gebühr und engem Orderbuch wären es nur wenige Euro. Der feste Euro je Order ist also nur die halbe Wahrheit; prüfe vor größeren Käufen den angezeigten Kauf- und Verkaufskurs in der App.
Bezahlen mit Krypto: keine Gebühr, aber Spread und Steuer
Mit der Karte kannst du direkt aus deinem Krypto-Guthaben bezahlen: Im Moment der Zahlung verkauft die App den nötigen Coin-Betrag und überweist Euro an den Händler. Eine eigene Transaktionsgebühr für solche Krypto-Zahlungen verlangt der Anbieter nicht, auf den Verkauf fällt aber der übliche Spread an. Dafür gibt es 2 % Cashback als Crypto Saveback, wenn du mit Krypto-Guthaben bezahlst, begrenzt auf 1.500 € Kartenausgaben im Monat. Steuerlich ist jede dieser Zahlungen ein Verkauf: Liegt die Haltedauer unter einem Jahr und übersteigen deine Gewinne die Freigrenze von 1.000 €, ist der gesamte Gewinn steuerpflichtig. Professionelle Trading-Tools für Krypto wie Limit- und Stop-Orders oder ein einsehbares Orderbuch bietet die App nicht; sie ist auf einfache Käufe, Sparpläne und das Bezahlen im Alltag ausgelegt.
Konto, Zinsen und Steuer
Das Konto kostet nichts, Guthaben wird mit 2,5 % pro Jahr verzinst. Laut Trade Republic liegt es teils auf Treuhandkonten bei Partnerbanken wie Deutsche Bank oder J.P. Morgan – dort greift deren Einlagensicherung bis 100.000 € je Kunde – und wird bei höheren Beträgen in Geldmarktfonds angelegt, die getrennt vom Vermögen der Bank verwahrt werden. Kryptowerte fallen nicht unter die Einlagensicherung. Mit der Trade Republic Karte kannst du auch direkt mit Krypto bezahlen; steuerlich gilt jede solche Zahlung als Verkauf. Eine Steuer auf Krypto-Gewinne führt die Bank nicht ab: Kryptowerte gelten als private Veräußerungsgeschäfte nach § 23 EStG, Gewinne innerhalb eines Jahres versteuerst du mit deinem persönlichen Steuersatz, und eine Verrechnung mit dem Sparerpauschbetrag ist nicht möglich. Nach jedem Kalenderjahr stellt Trade Republic einen Report deiner Krypto-Transaktionen bereit. Den Kundenservice erreichst du laut Trade Republic rund um die Uhr per Telefon und Chat. Für die meisten Privatanleger ist das Gesamtpaket das stärkste unter den Banken – solange sie mit rund 50 Coins auskommen.