Coinbase hat beschrieben, wie Bitcoin aus seiner Sicht gegen künftige Quantencomputer gerüstet werden sollte: mit austauschbaren Signaturverfahren, einer Übergangsphase mit zwei Schlüsseln und einem Weg für Coins, die zu spät umziehen. Die Börse, die nach eigenen Angaben rund fünf Prozent aller Bitcoin verwahrt, versteht das ausdrücklich als Beitrag zur Diskussion, nicht als fertige Position.
Der Beitrag im Coinbase-Blog stammt vom 13. Oktober, ist mit Shashank Agrawal gezeichnet und nach eigener Aussage “intended as an input to an open discussion, not a set of instructions or a final Coinbase position”, also als Anstoß für eine offene Debatte gedacht.
Ein Quantenrechner könnte offene Schlüssel knacken
Bitcoin sichert Guthaben mit Signaturen auf Basis elliptischer Kurven. Ein ausreichend großer Quantencomputer, in der Fachsprache CRQC genannt, könnte aus einem öffentlichen Schlüssel den privaten berechnen und damit fremde Coins ausgeben. Wann ein solcher Rechner existiert, weiß niemand.
Coinbase will deshalb nicht abwarten. “Bitcoin consensus changes and ecosystem migrations can take years”, schreibt das Unternehmen: Änderungen an den Konsensregeln und der Umzug eines ganzen Ökosystems dauerten Jahre, die Arbeit müsse jetzt beginnen.
Ende September hatte Coinbase dazu schon eine Arbeitstagung mit der Universität Stanford abgehalten, ohne Ergebnis oder Zeitplan; der neue Beitrag ist deutlich konkreter.
Coinbase will Hülle und Signatur trennen
Der wichtigste Wunsch betrifft die Bauweise neuer Adresstypen. Sie sollen ein Signaturverfahren aufnehmen, später ersetzen oder ergänzen können, ohne dass Bitcoin jedes Mal einen neuen Adresstyp braucht. Als Vorschläge mit dieser Beweglichkeit nennt Coinbase P2MR, beschrieben im Verbesserungsvorschlag BIP-360, und P2TRv2.
Für den Übergang bringt das Unternehmen eine Art Doppelschloss ins Spiel: Dieselben Coins hätten zwei Wege, ausgegeben zu werden: einen mit dem heutigen Schlüssel nach ECDSA oder Schnorr und einen mit einem quantensicheren Schlüssel. Aktive Wallets könnten so umsteigen, bevor feststeht, was mit den alten Signaturen geschieht.
Bei der Wahl des Verfahrens will Coinbase die Kandidaten ML-DSA, SLH-DSA und FN-DSA geprüft sehen, dazu das kompakte SHRINCS. Verfahren, die sich einen Zustand merken müssen, seien zwar kleiner und schneller, aber fehleranfällig bis hin zu gefälschten Signaturen; neben ihnen solle es deshalb immer eine zustandslose Variante geben. Außerdem müsse das Verfahren mit MPC funktionieren, also mit Schlüsseln, die auf mehrere Rechner verteilt sind und mit denen große Verwahrer arbeiten.
Für verlorene Coins hat auch Coinbase keine Lösung
Den heikelsten Punkt lässt die Börse offen: was mit Coins geschieht, deren Besitzer sie nie umziehen, weil die Schlüssel verloren sind oder niemand mehr zugreift. Falls Bitcoin die alten Signaturen eines Tages einschränkt oder abschaltet, solle es für Nachzügler einen Weg geben; wie der aussehen könnte, sei eine offene Frage, die die technische Arbeit nicht aufhalten dürfe.
Für Anleger ändert sich vorerst nichts. Wer Bitcoin bei einer Börse hält, ist darauf angewiesen, dass der Verwahrer den Umzug organisiert, sobald es einen neuen Adresstyp gibt; wer selbst verwahrt, müsste seine Coins dann auf eine neue Adresse senden und dafür Gebühren zahlen. Wie Europol die Gefahr für Wallets einschätzt, haben wir hier zusammengefasst.
Einen Zeitplan nennt Coinbase nicht, und über BIP-360 beraten die Bitcoin-Entwickler weiter auf ihren eigenen Kanälen.
Bitcoin lässt sich unter anderem bei eToro handeln. Welche Plattformen eine Auszahlung auf eine eigene Wallet anbieten, die man bei einem Adresswechsel selbst umziehen müsste, vergleicht der Krypto-Börsen Vergleich.


























