Die US-Verbraucherpreise sind im September stärker gestiegen als erwartet, und am Prognosemarkt Kalshi rechnen Händler nun deutlich häufiger mit einer Zinserhöhung der Fed am 28. Oktober. Bitcoin fiel bis zum frühen Abend auf 81.580 Dollar. Beschlossen ist nichts: Die Kontrakte spiegeln Erwartungen, keine Entscheidung der Notenbank.
Der Kontrakt auf eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte kostete bei Kalshi am Mittwochabend 35 Cent, was rund 35 Prozent Wahrscheinlichkeit entspricht; vor 24 Stunden lag er nach Angaben der Börse bei 21 Cent. Auf ein Festhalten am Leitzins entfielen zuletzt 66 Cent, nach 79 Cent am Vortag.
Gesamtindex und Kernrate übertreffen die Prognosen
Um 14:30 Uhr MESZ veröffentlichte das US-Arbeitsministerium die Verbraucherpreise für September. Der Gesamtindex stieg saisonbereinigt um 0,6 Prozent zum Vormonat und lag 3,7 Prozent über dem Vorjahr, nach 3,4 Prozent im August. Ohne Energie und Lebensmittel waren es 0,3 Prozent im Monat und 2,6 Prozent im Jahr.
Nach Angaben von CoinDesk hatten Volkswirte mit 3,6 Prozent beim Gesamtindex und 2,5 Prozent bei der Kernrate gerechnet. Den größten Teil des Anstiegs lieferte das Benzin, das sich um 9,1 Prozent verteuerte und nach Angaben der Statistiker “over half of the monthly all items increase” ausmachte, also mehr als die Hälfte.
Thomas Wu, Finanzchef des Bitcoin-Kreditgebers Ledn, sagte The Block: “A hotter core at 0.3% puts an October hike back on the table after a soft jobs report.” Die höhere Kernrate bringe damit eine Erhöhung im Oktober zurück ins Spiel, nach einem schwachen Arbeitsmarktbericht.
Bitcoin verliert binnen fünf Minuten 900 Dollar
Um 14:30 Uhr kostete ein Bitcoin 83.697 Dollar, fünf Minuten später 82.797 Dollar. Danach ging es in Stufen weiter abwärts: 82.332 Dollar um 16:00 Uhr, 81.585 Dollar um 18:00 Uhr, das Tagestief von 81.580 Dollar folgte um 18:25 Uhr. Gegen 19:00 Uhr stand der Kurs bei 81.970 Dollar oder 73.690 Euro, 1,5 Prozent unter dem Vortag.
Ether gab im selben Zeitraum 2,3 Prozent auf 2.449 Dollar nach. In Euro fiel das Minus bei Bitcoin mit 0,9 Prozent kleiner aus, weil der Dollar gleichzeitig zulegte. Quelle: CoinGecko
Vor allem Anleger mit gehebelten Wetten auf steigende Kurse traf der Rückgang. In den vier Stunden bis 19:05 Uhr wurden nach Daten von CoinGlass Positionen über 172,8 Millionen Dollar zwangsweise geschlossen, davon 155,0 Millionen Dollar Long-Positionen. Auf 24 Stunden gerechnet waren es 331,0 Millionen Dollar.
Der Arbeitsmarkt hatte die Wetten erst vor zwölf Tagen gedrückt
Die Bewegung kehrt eine Entwicklung von Anfang Oktober um. Als das Ministerium am 2. Oktober nur 29.000 neue Stellen meldete, fiel der Kalshi-Kontrakt auf eine Oktober-Erhöhung von 36 auf 16 Cent, und nach dem Fed-Protokoll vom 7. Oktober stand er bei 17 Cent. Laut diesem Protokoll hielten die meisten Notenbanker eine weitere Erhöhung bis Jahresende ohnehin für wahrscheinlich; offen war vor allem, ob sie schon im Oktober kommt.
Der Leitzins liegt seit September in einer Spanne von 3,75 bis 4 Prozent. Am Morgen hatte der Markt noch ruhig auf die Inflationsdaten gewartet, Bitcoin stand um 7:34 Uhr bei 83.554 Dollar.
Die Fed verkündet ihre Entscheidung am 28. Oktober um 19:00 Uhr deutscher Zeit.
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