Der frühere Mt.-Gox-Chef Mark Karpelès hat am Freitagabend Fotos eines Ledger-Geräts aus Malaysia veröffentlicht, in dem nach seinen Angaben eine versteckte Spionage-Platine steckt. Ob das mit den Diebstählen bei Kunden des Händlers CryptoBilis zusammenhängt, hat Ledger nicht bestätigt. Der Hersteller nennt bislang keine Ursache.
Am Nachmittag hatte Ledger eine Untersuchung der Diebstähle bei CryptoBilis-Kunden angekündigt und den Händler gebeten, den Verkauf zu stoppen. Zur Frage, wie die Täter an die Schlüssel kamen, liefert Karpelès nun die erste konkrete These, allerdings nicht als Ergebnis einer Untersuchung, sondern als Einzelner mit einem einzigen Gerät auf dem Werktisch.
Karpelès verfolgt das Implantat seit September
Neu ist sein Fund nicht. Schon am 16. September um 9:56 Uhr MESZ zeigte Karpelès auf X eine Ledger Nano X mit einer zusätzlichen Platine und schrieb, das neue Implantat sei hinter dem Bildschirm verborgen; am ehesten verrate es das Antennenkabel, das “really looks out of place”. Damals blieb das ohne Folgen.
Am Freitag verband er den Fund mit Malaysia. Um 16:03 Uhr fragte er CryptoBilis öffentlich, ob der Händler Geräte aus seinem Lager öffnen und auf Implantate prüfen würde. Um 17:13 Uhr folgte der Beitrag mit vier Fotos, auf den sich seither die Fachpresse beruft: “My spy-implanted ledger came from Malaysia, and had flawless shrink wrap”, schrieb Karpelès. Sein Gerät mit Implantat stamme aus Malaysia und sei tadellos eingeschweißt gewesen; selbst geöffnet sehe man die Platine zunächst nicht, weil sie dort sitze, wo eigentlich die Polsterung des Bildschirms liegt.
Dass sein Gerät von CryptoBilis stammt, schreibt er nicht.
Um 17:44 Uhr rief er Käufer des Händlers auf, ihre Geräte zu öffnen und Fotos zu zeigen, wenn etwas anders aussehe als auf Ledgers Seite; um 18:44 Uhr begann er nach eigenen Worten damit, die Platine auszulöten, um sie genauer zu untersuchen. Nach einer Beschreibung von Crypto Briefing gehören zu dem Bauteil ein Mobilfunkmodul mit eSIM, eine Antenne und ein Mikrocontroller, der den Bildschirm mitlesen und so die Wiederherstellungsphrase per Mobilfunk nach außen senden könnte. Eine Bestätigung von Ledger oder eine unabhängige Analyse gibt es dafür bislang nicht.
Die Bitcoin der Täter liegen weiter still
Die Spur auf der Kette ist seit dem Nachmittag länger geworden. Die drei Bitcoin-Adressen, die der Analyst Specter den Tätern zuordnet, haben nach den Daten von mempool.space beim Abruf um 19:05 Uhr zusammen 213,37 BTC empfangen. Gegen 17 Uhr waren es noch 211,20 BTC; der Zuwachs entfällt allein auf die kleinste der drei Adressen, die inzwischen 154 statt 138 Eingänge zählt; ausgegeben wurde weiterhin nichts. Beim Kurs von 82.659 US-Dollar sind die Bitcoin rund 17,6 Millionen Dollar wert und damit nur ein Teil der Gesamtsumme, die Specter über Ethereum, Tron und Bitcoin hinweg auf mehr als 86 Millionen Dollar beziffert.
Quelle: CoinGecko
Einen Teil davon kann Tether zurückhalten. Der Analysedienst MistTrack schrieb um 17:15 Uhr auf X, Tether friere USDT in erheblichem Umfang auf Adressen ein, die mit dem Vorfall verbunden seien; die gemeldeten Verluste näherten sich 90 Millionen Dollar. Eine eigene Mitteilung von Tether dazu gibt es nicht, und wie viel tatsächlich gesperrt ist, nennt auch MistTrack nicht.
Ledger bleibt bei seiner Empfehlung vom Nachmittag
Neue Angaben hat der Hersteller bis zum Abend nicht gemacht, es gilt die Linie von 15:32 Uhr: Wer in den vergangenen 90 Tagen bei CryptoBilis gekauft und das Gerät noch nicht eingerichtet hat, soll es nicht tun, wer es schon nutzt, soll erwägen, seine Bestände auf ein neues Gerät mit neuer Wiederherstellungsphrase zu übertragen. Zu Karpelès’ Fotos hat sich Ledger öffentlich nicht geäußert.
Für Käufer in Deutschland, Österreich und der Schweiz ändert der Fund vor allem den Blick auf den Bezugsweg. Ein Implantat, das unter dem Bildschirm sitzt und eine unversehrte Folie überlebt, fällt beim Auspacken nicht auf; dagegen hilft nur, das Gerät beim Hersteller selbst oder bei einem von ihm genannten Händler zu kaufen. Wie sich Hardware-Wallets anderer Hersteller in Aufbau und Bezug unterscheiden, zeigt der Krypto-Wallet-Vergleich.
Wer Bitcoin besitzen will, ohne ein Gerät aus fremder Hand einzurichten, kann bei Scalable Capital börsengehandelte Bitcoin-ETPs ins Depot legen. Die Verwahrung übernimmt dann der Emittent, die Platine unter dem Bildschirm spielt keine Rolle.


























