ING Krypto: breite ETN-Auswahl statt Coins
Die ING handelt keine Kryptowährungen selbst, sondern bietet im Direkt-Depot rund 50 Krypto-ETNs von fünf Emittenten an: 21Shares, Bitwise, iShares, VanEck und WisdomTree. Laut ING sind die Produkte physisch besichert, die Emittenten hinterlegen also Coins, bei 21Shares etwa in Cold Storage. Rechtlich bleibt ein ETN aber eine Schuldverschreibung. Geht der Emittent pleite, warnt die ING selbst vor einem Verlust bis zum Totalverlust. Eine Übertragung auf eine eigene Wallet ist ausgeschlossen. Bevor du kaufen kannst, musst du im Depot deine Wertpapierkenntnisse für Krypto-ETNs hinterlegen; die ING sieht die Produkte vor allem für erfahrene Anleger.
Aktion beim Kauf, Normalpreis beim Verkauf
Bis 30.06.2027 kosten Käufe der Aktions-ETNs ab 1.000 € Ordervolumen keine Ordergebühr, darunter 3,90 €. Finanziert wird das über Zuwendungen: Die Emittenten erstatten der ING die Provision. Der Verkauf ist ausgenommen und kostet regulär 4,90 € plus 0,25 % vom Kurswert, höchstens 69,90 €. Im Direkthandel fällt kein Handelsplatzentgelt an, an Börsen wie Xetra kommen 1,90 € bis 2,90 € hinzu. Spreads und laufende Produktkosten sind in diesen Zahlen nicht enthalten; einen Spread veröffentlicht die ING nicht. Wer 1.000 € anlegt und später wieder verkauft, zahlt also fast nur auf dem Rückweg.
ING Bitcoin: Was Kauf und Verkauf wirklich kosten
Ein Rechenbeispiel mit den Aktionskonditionen: Kaufst du für 1.000 € ein Bitcoin-ETN im Direkthandel, zahlst du weder Ordergebühr noch Handelsplatzentgelt. Für 500 € wären es dagegen 3,90 €, an Xetra kämen noch 2,90 € hinzu. Beim Verkauf greift die normale Provision: 4,90 € plus 0,25 % vom Kurswert, bei 1.000 € also 7,40 €. Im Direkt-Depot Young beträgt die Ordergebühr laut ING 1,90 €. Dazu kommen der Spread und die laufende Managementgebühr des Emittenten, bei 21Shares laut ING ab 0,10 % im Jahr. Wer selten kauft, bündelt Beträge deshalb am besten auf mindestens 1.000 € oder nutzt den Sparplan.
Sparplan ab 1 Euro
Besonders günstig ist der ETN-Sparplan: Er startet bei 1 € und kostet keine Ausführungsgebühr. Damit lässt sich ein regelmäßiger Bitcoin- oder Ethereum-Kauf über ETNs ohne feste Kosten je Rate aufbauen. Welche Intervalle möglich sind, haben wir in den aktuell erreichbaren Unterlagen nicht belegen können. Depot und Verrechnungskonto sind kostenlos, Euro-Guthaben ist über die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken und den Einlagensicherungsfonds geschützt.
Risiken und Rahmen: Finanzinstrumente statt Krypto-Assets
Rechtlich sind Krypto-ETNs Finanzinstrumente und keine Krypto-Assets im Sinne der europäischen MiCA-Verordnung. Deshalb braucht die ING für ihr Angebot keine Zulassung als Krypto-Dienstleister und steht auch nicht im Register der ESMA. Für Anleger bedeutet das zweierlei: Der Handel läuft über das vertraute Direkt-Depot und regulierte Börsen, die Anforderungen der MiCA an Krypto-Plattformen – etwa zur getrennten Verwahrung oder zum Schutz vor Marktmanipulation – greifen hier aber nicht direkt. Das zentrale Risiko liegt beim Emittenten: Physisch besicherte ETNs sind durch hinterlegte Coins gedeckt, rechtlich aber Schuldverschreibungen; im Insolvenzfall droht im schlimmsten Fall ein Totalverlust. Hinzu kommt die Wertentwicklung der Kryptowährungen selbst, die stark schwankt und sich in US-Dollar bildet – Euro-Anleger tragen damit zusätzlich ein Währungsrisiko.
Welche Kryptowährungen über ETNs erreichbar sind
Die rund 50 Aktions-ETNs stammen von 21Shares, Bitwise, iShares, VanEck und WisdomTree. Diese Emittenten bieten Produkte auf Bitcoin und Ethereum an, aber auch auf Solana, XRP (Ripple) oder Litecoin sowie Körbe aus mehreren Coins. Vor dem ersten Kauf hinterlegst du im Depot deine Wertpapierkenntnisse, damit die Bank die Angemessenheit prüfen kann. Für Einsteiger ist dieser Zugang einfacher als ein Konto bei einer Krypto-Börse, weil keine Wallet und keine privaten Schlüssel nötig sind. Wer echte Coins besitzen, auf eine eigene Wallet senden oder staken möchte, kommt an einer MiCA-regulierten Plattform aber nicht vorbei.
Direkt-Depot oder Plattform: was Bitpanda anders macht
Wer zwischen dem Depot und einer reinen Handelsplattform schwankt, sollte die beiden Modelle trennen. Bei der ING liegen ETNs als Wertpapiere neben Aktien und ETFs, die Wertentwicklung bildet sich in US-Dollar, und du zahlst mit Euro aus deinem Verrechnungskonto. Eine Plattform wie Bitpanda verkauft dir dagegen echte Coins aus einer Vielzahl von rund 827 Kryptowährungen; die Bitpanda GmbH in Wien ist seit dem 09.04.2025 von der österreichischen Finanzmarktaufsicht FMA nach MiCA zugelassen, die deutsche Tochter in Berlin seit dem 24.01.2025 von der BaFin. Dort zahlst du 0,99 % je Order zuzüglich Spread und kannst Coins auf eine eigene Wallet übertragen. Beide Wege sind reguliert, nur eben nach unterschiedlichen Regeln: das Depot nach Wertpapierrecht, die Plattform nach der MiCA-Verordnung der Europäischen Union.
Steuern im Wandel: der BMF-Entwurf vom 30.09.2026
Ein Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit: Das Bundesfinanzministerium hat am 30.09.2026 den Referentenentwurf eines Gesetzes zur Reform der Besteuerung bestimmter Kryptowerte im Privatvermögen vorgelegt. Danach wären Gewinne aus ab dem 01.01.2027 angeschafften Coins unabhängig von der Haltedauer als Kapitalerträge steuerpflichtig, bis Ende 2026 gekaufte Bestände sollen unter der bisherigen Ein-Jahres-Regel bleiben. Beschlossen ist das nicht; die Kabinettsbefassung war für den 14.10.2026 geplant, danach folgen Bundestag und Bundesrat, Inhalte können sich noch ändern. Weil die steuerliche Einordnung physisch besicherter ETNs schon heute umstritten ist, bleibt offen, wie sich eine Reform darauf auswirken würde. Gleichzeitig werden Kryptowerte für Behörden transparenter: Seit 2026 melden Anbieter Transaktionen nach DAC8 mit Steuer-ID.
Chancen und Risiken, wie die Bank sie selbst aufzählt
Auf ihrer Produktseite stellt die Bank Chancen und Risiken direkt gegenüber. Als Chancen nennt sie den Einstieg ohne Wallet und Private Keys, den Handel über regulierte Börsen mit mehr Transparenz als auf unregulierten Plattformen, ein reduziertes Drittanbieterrisiko, weil du von keinem externen Kryptodienst abhängst, und den Zugang zu einer neuen Anlageklasse in einem global wachsenden Markt. Auf der Risikoseite stehen ein hohes Verlustrisiko durch extreme Schwankungen, regulatorische Unsicherheit, weil Gesetzesänderungen Preise und Besteuerung beeinflussen können, die Anfälligkeit der Märkte für Manipulation und Betrug, ein Liquiditätsrisiko sowie das Emittentenrisiko bis zum Totalverlust. Die Bank schreibt selbst, dass sich die Produkte vor allem für erfahrene Anlegerinnen und Anleger eignen, die Chancen und Risiken solcher Finanzinstrumente kennen und einschätzen können.
Fiat, Stablecoins und Blockchain: was ein Tracker abbildet
Ein ETN koppelt deinen Euro-Einsatz an den Kurs einer digitalen Währung, ähnlich wie ein ETC den Preis von Rohstoffen wie Gold nachzeichnet. Die Blockchain dahinter nutzt du dabei nicht selbst: Du kannst nichts überweisen, nicht staken und keine Stablecoins halten, also Token, die an eine Fiat-Währung wie den Euro oder den US-Dollar gekoppelt sind. Stablecoins regelt die MiCA-Verordnung in Europa bereits seit dem 30.06.2024, für die übrigen Krypto-Dienstleister gilt sie seit dem 30.12.2024. Die Kurse am Markt schwanken trotzdem weiter stark, auch seit dem Start der US-Spot-ETFs auf Bitcoin im Januar 2024 und der damit gewachsenen Nachfrage institutioneller Anleger. Für die Einführung in das Thema genügt ein Tracker, wer die Technik nutzen will, braucht eine Plattform mit echten Coins.
Ausgezeichnetes Depot, aber kein Krypto-Schwerpunkt
Beim Depot selbst verweist die Bank auf zwei Auszeichnungen: bester Online-Broker 2026 in der Leserwahl von BÖRSE ONLINE und Depot-Gewinner im Finanzfluss-Depotvergleich 2025. Gelobt wurden dort vor allem Leistungsangebot und Kosten des gesamten Depots, nicht der Handel mit digitalen Vermögenswerten. Wer in erster Linie Aktien und ETFs bespart und Kryptowerte nur als kleinen Teil des Vermögens beimischen will, findet hier einen soliden Rahmen. Wer dagegen nach Handelsvolumen gestaffelte Preise, Staking oder eine eigene Wallet sucht, ist bei spezialisierten Finanzdienstleistungen besser aufgehoben.
Marktumfeld im Oktober 2026: Dominanz, Stablecoins, Tokenisierung
Wer über einen Tracker einsteigt, kauft vor allem den großen Markttrend. Bitcoin kommt laut CoinGecko und CoinPaprika derzeit auf rund 57 bis 59 % der gesamten Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen von gut 2,8 Billionen US-Dollar (Stand 11.10.2026); das bisherige Hoch lag laut CoinPaprika am 05.10.2025 bei rund 4,8 Billionen. Die beiden größten Stablecoins USDT und USDC machen zusammen gut 9 % aus und dienen zunehmend als Zahlungsinfrastruktur zwischen Plattformen; in den USA regelt seit Juli 2025 der GENIUS Act solche Token, während die übrige Krypto-Gesetzgebung dort politisch umstritten bleibt. Parallel bringen große Vermögensverwalter reale Werte auf die Blockchain, etwa BlackRock mit dem tokenisierten Geldmarktfonds BUIDL seit März 2024, und Layer-2-Netze verlagern Transaktionen auf schnellere, günstigere Ebenen. Von all dem profitierst du über ein ETN nur indirekt über den Kurs; Stablecoins, tokenisierte Fonds oder Layer-2-Anwendungen kannst du im Depot nicht nutzen.
Sicherheit beim Zugang: Apps und Freigaben
Beide Wege lassen sich mobil nutzen: Das Depot steuerst du über die Banking-App der Bank, Bitpanda bietet eine eigene App für iOS und Android. Aufträge und Logins sicherst du bei der Bank wie bei jeder EU-Bank mit starker Kundenauthentifizierung nach der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2: Die Bank nutzt also eine Zwei-Faktor-Authentifizierung mit zwei unabhängigen Faktoren wie Gerät und PIN oder Fingerabdruck. Bitpanda bietet ebenfalls eine Zwei-Faktor-Authentifizierung an, die du in den Einstellungen aktivierst. In beiden Fällen läuft die Verbindung per SSL/TLS verschlüsselt, und die Banking-App der ING loben viele Nutzer als einfach und übersichtlich, also auch für Einsteiger geeignet. Den größten Unterschied macht die Verwahrung: Beim ETN liegt das Wertpapier im Sammeldepot, bei Bitpanda verwahrt der Anbieter deine Coins, und erst eine eigene Wallet legt die Verantwortung ganz in deine Hände.
Steuern und Fazit
Die ING wirbt damit, dass physisch besicherte Krypto-ETNs steuerlich wie ein Direktinvestment behandelt werden und Gewinne nach einem Jahr steuerfrei sein können. Das ist eine Aussage der Bank, die Einordnung solcher Produkte ist in der Fachwelt umstritten – lass dich im Zweifel steuerlich beraten. Jahressteuerbescheinigung und Erträgnisaufstellung bekommst du kostenlos. Unterm Strich ist die ING eine bequeme Wahl für bestehende Depotkunden, die Krypto als Beimischung besparen wollen. Wer echte Coins halten oder häufig handeln will, sollte eine Krypto-Börse vorziehen.