Das britische Finanzministerium hat Barclays, HSBC, Lloyds, Morgan Stanley, NatWest und RBC Capital Markets als Konsortialführer für DIGIT ausgewählt, die erste Staatsanleihe des Landes, die von Beginn an auf einer Blockchain entsteht. Es bleibt ein Pilot: kurz laufend, getrennt vom regulären Schuldenprogramm und erst bis Ende des ersten Quartals 2027 geplant.
Bekanntgegeben hat die Auswahl am Dienstag Lucy Rigby, als Economic Secretary im Finanzministerium für den Finanzplatz zuständig, in ihrer Rede auf der Konferenz Digital Assets Week. Mit der Ernennung ist das Vergabeverfahren abgeschlossen, und die Banken können beginnen, bei Investoren für die Anleihe zu werben.
DIGIT entsteht auf der Kette statt als Kopie eines Papiers
Ein Gilt ist eine britische Staatsanleihe. DIGIT, kurz für Digital Gilt Instrument, unterscheidet sich von den tokenisierten Anleihen, die Banken in den vergangenen Jahren ausprobiert haben, in einem Punkt: Es gibt kein herkömmliches Wertpapier, das nachträglich als Token abgebildet wird. Die Anleihe wird nach Angaben der Regierung “digitally native” ausgegeben, also direkt auf einem Register mit verteilter Buchführung, und auch dort abgewickelt.
Die Technik stellt HSBC, die das Ministerium schon im Februar als Plattformanbieter ausgewählt hatte. Im Juli vereinbarten HSBC und die Londoner Börsengruppe LSEG zudem eine Verbindung zwischen ihren digitalen Verwahrsystemen. Ausgegeben wird innerhalb der Digital Securities Sandbox, eines Testrahmens der britischen Aufsicht, in dem Bank of England und Finanzaufsicht FCA neue Abwicklungstechnik unter angepassten Regeln zulassen.
Die sechs Banken spielen die klassische Rolle eines Emissionskonsortiums. Sie übernehmen das Underwriting, sprechen Investoren an und verteilen die Anleihe am Ausgabetag.
Das Ministerium nennt weder Volumen noch Laufzeit
Wie viel London aufnehmen will, steht nicht in der Mitteilung des Finanzministeriums. Ebenso offen bleibt, in welchem Geld die Zahlungsseite abgewickelt wird und welche Laufzeit “short-dated” am Ende bedeutet. Rigby sagte: “The appointment of Lead Managers marks an important step as we work towards issuance early next year.” Die Ernennung der Konsortialbanken sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Ausgabe Anfang kommenden Jahres.
Für Privatanleger ist DIGIT kein Produkt.
Gezeichnet wird über die Konsortialbanken, und ob die Anleihe danach an einem Handelsplatz erhältlich sein wird, der auch Kleinanlegern offensteht, sagt die Regierung nicht. Bedeutung hat der Pilot eher als Signal: Mit Großbritannien testet ein G7-Staat, ob sich die eigene Schuld auf der Blockchain verwalten lässt. Im September hatte bereits die südkoreanische Hana Bank eine digitale Anleihe über Euroclear begeben.
Auch beim Kryptohandel baut London seinen Rahmen gerade um: Seit Ende September können Kryptofirmen in Großbritannien die Zulassung beantragen.
Welche Investoren DIGIT am Ende zeichnen, werden erst die Gespräche der sechs Banken zeigen, die jetzt beginnen.
Digitale Staatsanleihen bleiben vorerst großen Häusern vorbehalten. Bitcoin und Ether dagegen lassen sich schon mit kleinen Beträgen kaufen, unter anderem bei Bitpanda.


























