Die Solana Foundation hat am Dienstag Solana DvP veröffentlicht, ein quelloffenes Programm, mit dem Wertpapier und Zahlung in einer einzigen Transaktion den Besitzer wechseln. J.P. Morgan hat dabei beraten; eine Empfehlung oder Garantie der Bank sei das nicht, schreibt die Stiftung.
DvP steht für Delivery versus Payment, Lieferung gegen Zahlung, und das Prinzip ist im Wertpapierhandel alt: Der Käufer bekommt die Anleihe nur, wenn gleichzeitig sein Geld beim Verkäufer ankommt, und umgekehrt. Bisher sorgen dafür Zentralverwahrer und Clearinghäuser, und das dauert in der Regel ein bis zwei Tage.
Ein Treuhandkonto auf der Kette ersetzt den Mittelsmann
Das neue Programm legt beide Seiten eines Geschäfts in ein eigenes Treuhandkonto auf der Blockchain, einen sogenannten Escrow. Erst wenn das Wertpapier-Token und die Zahlung, etwa in USDC, beide eingegangen sind, gibt der Escrow sie in derselben Transaktion an die jeweils andere Seite frei. Fehlt eine Hälfte bis zu einer vereinbarten Frist, geht alles zurück.
Wer gerade liefert und wer zahlt, spielt dabei keine Rolle mehr für das Ausfallrisiko.
Nach Angaben der Stiftung unterstützt das Programm die Token-Standards SPL Token und Token-2022, einschließlich Funktionen, die Emittenten von Wertpapieren brauchen: Token lassen sich anhalten, ein Verwalter kann sie zurückholen, und vor jeder Übertragung kann eine Prüfung laufen. Der Code steht unter der MIT-Lizenz, ist laut Mitteilung extern geprüft und für echtes Geld freigegeben. Funktionen für vertrauliche Abwicklungen will die Stiftung später ergänzen.
Catherine Gu, bei der Solana Foundation für digitale Vermögenswerte zuständig, wirbt mit der Geschwindigkeit: Die Abwicklung sei in Sekunden statt Tagen endgültig. Rhodel D’souza, bei J.P. Morgan verantwortlich für digitale Vermögenswerte im Markets-Geschäft, sagte: “A shared, open standard for atomic delivery-versus-payment is exactly the kind of foundational infrastructure institutional market participants require.” Ein gemeinsamer, offener Standard für diese Art der Abwicklung sei genau die Grundlage, die institutionelle Marktteilnehmer bräuchten.
Für Privatanleger ändert sich vorerst nichts am Zugang
Solana DvP richtet sich an Banken, Vermögensverwalter und Emittenten tokenisierter Wertpapiere. Einen eigenen Token gibt es nicht, und Privatanleger können das Programm nicht direkt nutzen. Mittelbar betrifft es den Coin: Jede Abwicklung ist eine gewöhnliche Solana-Transaktion, deren Gebühren in SOL bezahlt werden. Wie viele Institute das Programm einsetzen werden, nennt die Mitteilung der Solana Foundation nicht; sie sucht nach eigenen Worten noch Designpartner.
SOL kostete am Dienstagmorgen 119,82 US-Dollar, 1,5 Prozent weniger als am Vortag und damit im Gleichlauf mit dem Gesamtmarkt. Quelle: CoinGecko, Stand 06.10.2026, 09:33 Uhr MESZ
Tokenisierte Wertpapiere sind auf mehreren Blockchains das Thema dieser Wochen. Erst am Montag haben OKX und die NYSE-Mutter ICE den Handel mit 63 US-Aktien als Token angemeldet. Wie Solana technisch aufgebaut ist, erklärt unser Beitrag Was ist Solana.
Ob ein Institut als Erstes eine echte Anleihe über das Programm abwickelt, hat die Stiftung nicht angekündigt.
SOL selbst lässt sich unter anderem bei Bitpanda kaufen. Wer Gebühren und Coin-Auswahl mehrerer Anbieter nebeneinander sehen will, findet sie im Krypto-Börsen Vergleich.


























