Die Chain wird benutzt, und zwar massiv
Eine Stichprobe über 30 aufeinanderfolgende Ledger der Stellar-Horizon-Schnittstelle am 21. September 2026 ergab:
- Ein neuer Ledger alle 5,00 Sekunden, gemessen über 145 Sekunden.
- 7.606 erfolgreiche Transaktionen in diesem Zeitraum, hochgerechnet rund 4,53 Millionen am Tag.
- 22.860 Operationen, hochgerechnet rund 13,6 Millionen am Tag. Eine Transaktion kann mehrere Operationen bündeln.
- Zuletzt geschlossener Ledger: Nummer 64.548.685 um 22:20:03 UTC.
Zur Einordnung: Litecoin kam am selben Tag auf 161.200 Transaktionen, Dogecoin auf 27.001, Bitcoin Cash auf 16.292. Stellar wickelt also rund das 28-Fache von Litecoin ab und das 278-Fache von Bitcoin Cash.
Die Grundgebühr beträgt 100 Stroops je Operation, also 0,00001 XLM oder bei heutigem Kurs rund zwei Milliardstel US-Dollar. Das ist der Grund, warum solche Mengen überhaupt möglich sind.
Der Vorbehalt, den man dazu nennen muss
In derselben Stichprobe scheiterten 4.473 von 12.079 eingereichten Transaktionen, eine Fehlerquote von 37,0 Prozent. Das ist bei Stellar ein bekanntes Muster: Ein großer Teil des Verkehrs stammt von Handelsprogrammen, die laufend Preisunterschiede auf dem netzeigenen Orderbuch abgreifen und dabei viele Versuche fahren, von denen die meisten zu spät kommen.
Für die Bewertung heißt das: Die 4,53 Millionen erfolgreichen Transaktionen sind echt, aber sie stehen nicht für 4,53 Millionen Zahlungen zwischen Menschen. Wer die Zahl als Beleg für Alltagsnutzung liest, liest sie falsch. Sie belegt, dass die Blockchain Last verträgt und dass Gebühren kein Hindernis sind.
Was in Anwendungen gebunden ist
DefiLlama weist für Stellar am 21. September 2026 einen gebundenen Wert von 263,0 Millionen US-Dollar aus. Gegen 7,45 Milliarden Marktkapitalisierung ist das ein Verhältnis von 28 zu 1. Das ist kein guter Wert, aber ein sehr viel besserer als bei Polkadot mit 30 zu 1 bei einem Dreihundertstel der absoluten Summe.
Angebot und wer es hält
Von 50,00 Milliarden XLM Gesamtmenge sind 34,89 Milliarden im Umlauf, also 69,8 Prozent. Die Differenz von rund 15,11 Milliarden XLM, knapp ein Drittel der Gesamtmenge, liegt bei der Stiftung hinter dem Projekt.
Das ist der größte strukturelle Vorbehalt bei Stellar. Ein Drittel des Angebots in einer Hand bedeutet, dass Entscheidungen dieser Stiftung über Ausgabe und Verwendung unmittelbar auf den Kurs wirken können. Ein Halving oder einen festen Emissionsplan, der das begrenzen würde, gibt es bei Stellar nicht.
Hinweis zur Quellenlage: Die Horizon-Schnittstelle weist im Feld total_coins 105,44 Milliarden XLM aus und widerspricht damit der Angabe von CoinGecko. Diese Redaktion konnte den Widerspruch nicht auflösen und verwendet die CoinGecko-Zahlen; der Punkt ist im Quellenprotokoll des Laufs vermerkt.
Makro und Marktumfeld
Am 16. September 2026 setzte die US-Notenbank den Leitzins einstimmig um 25 Basispunkte herauf, auf 3,75 bis 4,00 Prozent (FOMC-Erklärung). Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten am 18. September mit 5,01 Prozent (US-Finanzministerium, tägliche Zinsstrukturkurve).
Stellar ist als Zahlungs- und Abwicklungsweg stärker als andere Werte an die Frage gebunden, ob Banken und Zahlungsdienstleister sie einsetzen. Das hängt weniger am Leitzins als an Regulierung und an der Konkurrenz durch an den Dollar gebundene Token auf anderen Chains.
Regulierung
Seit dem 1. Juli 2026 gilt in der EU die Kryptomärkte-Verordnung MiCA ohne Übergangsregeln (ESMA, Public Statement). Für Anleger in Deutschland ändert sich steuerlich nichts, dazu der Ratgeber Ab wann muss man Krypto versteuern. In den USA blieb der Digital Asset Market Clarity Act am 15. September 2026 im Senat.
Ein klarer Rechtsrahmen wäre für Stellar wichtiger als für rein spekulative Werte, weil das Projekt auf regulierte Gegenparteien zielt. Ein Spot-ETF auf XLM ist in den USA nicht zugelassen.
Stimmung
Der Fear-and-Greed-Index lag am 21. September bei 70 nach 51 am 16. September und damit im Bereich “Gier”. Der Index misst den Gesamtmarkt und nicht Stellar.