Am 10. Oktober 2025 wurden binnen eines Tages mehr als 19 Milliarden US-Dollar an gehebelten Positionen zwangsweise geschlossen. Ein Jahr später sind die Orderbücher von Bitcoin und Ether nach einer Auswertung von CoinDesk Research tiefer als damals, die der übrigen Altcoins dünner, und die Kurse zeigen eine ähnliche Spaltung.
Der Auslöser kam an einem Freitagabend: US-Präsident Donald Trump kündigte Zölle von 100 Prozent auf Importe aus China an, und Bitcoin fiel nach Angaben von CoinDesk von rund 122.000 auf unter 105.000 Dollar, einen großen Teil davon innerhalb von Minuten. Vier Tage zuvor, am 6. Oktober 2025, hatte der Kurs mit 126.080 Dollar sein bis heute gültiges Rekordhoch erreicht.
Getragen wurde der Absturz von Derivaten, nicht von Verkäufen der Coins selbst. “The movement was obviously not onchain data. I mean, it was all derivatives”, sagte Mark Connors vom Analysehaus Risk Dimensions gegenüber CoinDesk: Die Bewegung sei nicht aus den Daten der Blockchain gekommen, sondern ganz aus dem Derivatehandel.
Bitcoin und Ether haben ihre Orderbücher wieder aufgefüllt
Gemessen wird die Liquidität an der Markttiefe, also an der Summe der Kauf- und Verkaufsaufträge, die nahe am aktuellen Kurs im Orderbuch der großen Handelsplätze liegen. Je mehr dort steht, desto größere Beträge lassen sich handeln, ohne den Kurs zu verschieben. Für Bitcoin lagen innerhalb von einem Prozent um den Kurs am 7. Oktober rund 11,7 Millionen Dollar. Das sind nach CoinDesk Research etwa 75 Prozent mehr als am Tag des Crashs und deutlich mehr als zu Jahresbeginn 2026 mit 9 Millionen.
Bei Ether hat sich die Tiefe im engsten Band von 0,5 Prozent seit dem Crash auf rund 4,2 Millionen Dollar mehr als verdoppelt. Dass dahinter mehr Kapital der Marktmacher steckt und nicht bloß der um ein Drittel gefallene Bitcoin-Kurs, betont CoinDesk-Researcher Saksham Diwan: “The majors’ deepening is real capital, not a price effect”, die Vertiefung bei den großen Coins sei echtes Kapital und kein Preiseffekt.
Die übrigen Altcoins verlieren seit Anfang 2025 an Tiefe
Für einen Korb weiterer Altcoins zeichnet CoinDesk Research das umgekehrte Bild. Die Dollar-Tiefe lag am 1. Januar 2025 am höchsten und seither an jedem Messtag darunter; im Band von fünf Prozent ist sie um rund ein Drittel auf etwa 2 Millionen Dollar geschrumpft. Forschungsleiter Joshua de Vos erwartet keine schnelle Angleichung: “Beyond a select few alts, I expect this divergence to persist into next year.” Abgesehen von wenigen Altcoins werde die Spaltung bis ins nächste Jahr anhalten.
Die Kurse sprechen dieselbe Sprache.
Wir haben die Kursveränderung über 365 Tage für die 50 größten Kryptowährungen nach Marktkapitalisierung ausgewertet, also vom Nachmittag vor dem Crash bis heute. Bitcoin verlor 31,2 Prozent. Von den 33 Altcoins in dieser Liste, für die ein Jahresvergleich vorliegt und die keine Stablecoins, Gold-Token oder tokenisierten Fonds sind, fielen 21 stärker; im Mittel (Median) lag ihr Minus bei 41 Prozent.
| Coin | Kurs 10.10.2026, 18 Uhr | Veränderung über 365 Tage |
|---|---|---|
| Bitcoin (BTC) | 82.966 $ | -31,2 % |
| Ether (ETH) | 2.509 $ | -41,4 % |
| Solana (SOL) | 110,41 $ | -50,1 % |
| XRP | 1,41 $ | -49,9 % |
| Dogecoin (DOGE) | 0,0862 $ | -65,3 % |
| Cardano (ADA) | 0,2544 $ | -68,6 % |
| Zcash (ZEC) | 1.231,98 $ | +421,8 % |
| Hyperliquid (HYPE) | 85,96 $ | +92,5 % |
Quelle: CoinGecko
Die Tabelle zeigt auch, wo der Befund nicht aufgeht. Ether hat trotz tieferer Orderbücher mehr verloren als Bitcoin, und mit Zcash und Hyperliquid stehen zwei Altcoins deutlich im Plus.
Liquidität erklärt also, wie ruhig ein Coin gehandelt werden kann, nicht, wohin sein Kurs läuft.
Dünne Orderbücher machen jeden Verkauf teurer
Für Anleger, die Altcoins halten, hat die geringere Tiefe eine ganz praktische Folge. Wer verkauft, bewegt den Kurs schneller gegen sich, und in einem Abverkauf wie vor einem Jahr reißen die Kurse kleinerer Coins weiter auf als die von Bitcoin. Beim Handel über die großen Plattformen in Europa zeigt sich das in breiteren Spannen zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Wer mit Hebel handelt, trägt das Risiko doppelt, denn eine Kurslücke kann eine Position schließen, bevor eine Stop-Order greift; wie Futures und Hebel funktionieren, steht in unserem Leitfaden zum Futures-Handel.
“The levered products have not gone away”, sagte Connors, die gehebelten Produkte seien nicht verschwunden. Auch der Handel insgesamt ist ruhiger geworden: Auf den zentralen Handelsplätzen wurden in den vier Wochen bis zum 27. September im Schnitt rund 279 Milliarden Dollar pro Woche umgesetzt, nach CoinDesk Research fast zwei Drittel weniger als die 801 Milliarden der Crash-Woche. Was Altcoins von Bitcoin unterscheidet, zeigt sich in solchen Wochen weniger an der Technik als an der Frage, wer auf der anderen Seite des Orderbuchs steht.
Wer Bitcoin oder Ether ohne Hebel über das eigene Wertpapierdepot halten möchte, findet börsengehandelte Krypto-ETPs unter anderem bei Scalable Capital; welche Produkte dort angeboten werden, steht in unserem Überblick zu Krypto bei Scalable Capital.


























