Binance öffnet Auszahlungen, 3,6 Milliarden Dollar fließen ab
Binance hat am Sonntag ab 7 Uhr die ersten Auszahlungen nach dem Hack wieder freigegeben, für 15 Netze. In den ersten neuneinhalb Stunden flossen nach Angaben der Börse netto 3,64 Milliarden Dollar ab, die meisten übrigen Coins bleiben gesperrt.
Drei Tage nach dem Hack hat Binance am Sonntag ab 7 Uhr unserer Zeit die ersten Auszahlungen wieder freigegeben, zunächst für 15 Netze. In den ersten neuneinhalb Stunden zogen Kunden nach Angaben der Börse netto rund 3,64 Milliarden Dollar ab. Für die meisten der übrigen Coins bleibt das Abheben vorerst gesperrt.
Den Anfang machte Bitcoin, wie Binance in seinem vierten Lagebericht angekündigt hatte. Die übrigen Netze der ersten Stufe kamen im Lauf des Vormittags hinzu. Bis 13:36 Uhr MEZ waren nach Angaben der Börse alle 15 offen.
Die Auswahl richtet sich nach der Nachfrage der Kunden in der vergangenen Woche. Neben Bitcoin, Ether und BNB gehören XRP, Solana, Dogecoin, Zcash, Sui, Avalanche und Polygon dazu, außerdem die Stablecoins USDT und USDC auf mehreren Netzen sowie Arbitrum, Base und Optimism.
Binance zählt 4,65 Milliarden Dollar an Abhebungen bis zum Nachmittag
Zwischen 6 und 15:30 Uhr UTC gingen nach den Zahlen, die Binance auf X veröffentlichte, Auszahlungen über 4,65 Milliarden Dollar hinaus. Dem standen Einzahlungen von 1,01 Milliarden Dollar gegenüber. Der stärkste halbstündige Abschnitt begann um 8 Uhr UTC mit 733 Millionen Dollar.
Gemessen an den 171 Milliarden Dollar Kundenvermögen aus dem Reservenachweis vom 28. Oktober sind die netto abgeflossenen 3,64 Milliarden Dollar 2,1 Prozent. Binance spricht davon, die Abhebungen pendelten sich “wie erwartet” ein.
Die Wallet-Daten von DefiLlama zeigen ein ähnliches Bild. Zwischen 1 Uhr nachts und 17:15 Uhr MEZ sank der Bestand der Binance-Adressen um 14.890 Bitcoin, gut 1,1 Milliarden Dollar zum aktuellen Kurs. An USDT gingen 2,01 Milliarden ab, an USDC 0,71 Milliarden. Insgesamt fiel der erfasste Wert von 134,7 auf 130,7 Milliarden Dollar, darin stecken allerdings auch Kursbewegungen.
Wohin das Geld ging, lässt sich nur teilweise sagen.
Nach Angaben von The Block verzeichneten die zehn nächstgrößeren Börsen, die DefiLlama erfasst, zusammen Zuflüsse von rund 368 Millionen Dollar, angeführt von OKX mit 317 Millionen. Das ist ein Zehntel der Summe, die Binance verließ. Coinbase und Kraken erfasst DefiLlama nicht, Abflüsse in eigene Wallets sieht die Statistik ohnehin nicht.
Für 5 Prozent des Schadens kauft Binance noch Coins zu
Am Samstag hatte die Börse gemeldet, 90 Prozent der gestohlenen Werte ersetzt zu haben. Seit Sonntag sind es nach eigenen Angaben 95 Prozent, bezahlt aus dem Notfallfonds SAFU, einem Teil des Versicherungsfonds für Futures und der eigenen Kasse. Den Rahmen von 6,34 Milliarden Dollar hatte Binance am Freitag für die Hack-Verluste zurückgestellt. Die fehlenden 5 Prozent seien Token außerhalb der zehn größten, die sich am Markt nur langsam in der nötigen Menge beschaffen ließen.
Für zehn Werte gibt Binance eine Deckung von 100 Prozent an: BTC, ETH, USDT, BNB, SOL, USDC, XRP, USD1, RLUSD und ZEC. “Binance will absorb the financial impact of the stolen funds, not our users”, heißt es in der Mitteilung, also: Den Schaden trage die Börse, nicht die Kunden.
Nachprüfen lässt sich das erst in einigen Tagen. Die Momentaufnahme für den neuen Reservenachweis stammt vom 31. Oktober um 0 Uhr UTC, der vollständige Nachweis mit Zero-Knowledge-Beweis, mit dem Kunden ihr eigenes Guthaben prüfen können, soll laut Binance bis Dienstag, 3. November, fertig sein.
Kunden mit kleineren Coins warten weiter
Wer andere Token als die der ersten Stufe hält, kann sie auch am Sonntagabend nicht abziehen. Nach Angaben von The Block zeigte die Statusseite am Nachmittag für 531 von 552 Coins gesperrte Auszahlungen; Cardano, Chainlink, Hyperliquid, Litecoin und NEAR würden noch getestet. Binance rät, bei einer hängenden Auszahlung nach kurzer Zeit erneut abzuheben, und verweist auf die Seite zum Netzstatus.
Bitcoin kostete am Sonntag um 19 Uhr 77.938 Dollar (69.591 Euro), 0,4 Prozent mehr als vor 24 Stunden. BNB stand bei 710 Dollar, ebenfalls kaum verändert. Quelle: CoinGecko
Wie der Angreifer in die Systeme kam, hatten wir nach dem Hack am Donnerstag beschrieben. Am Samstag hat das FBI die Tat der nordkoreanischen Gruppe TraderTraitor zugeordnet. Einen ausführlichen Bericht über den Vorfall will Binance erst nach Abschluss der Ermittlungen veröffentlichen.
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