Binance-Reservenachweis nach dem Hack: zehn Token jetzt prüfbar
Binance hat den Zero-Knowledge-Beweis zum Reservenachweis fertig: Kunden können die Deckung von zehn Token selbst prüfen, allerdings nur zum Stand 31. Oktober, vor der Abflusswelle. Der SAFU-Fonds hält noch 7.500 Bitcoin.
Binance-Kunden können seit Montag selbst nachrechnen, ob ihre Guthaben in zehn großen Token gedeckt sind. Die Börse hat den Zero-Knowledge-Beweis zu ihrem Reservenachweis fertiggestellt, allerdings nur zum Stand vom 31. Oktober, also vor der Abflusswelle nach der Wiederöffnung. Für die übrigen Token steht der Nachweis noch aus.
Den Abschluss meldete Binance am Montag gegen 13:45 Uhr MEZ im fünften Recovery Update seit dem Angriff, den das FBI inzwischen der nordkoreanischen Gruppe TraderTraitor zuordnet. Damit kam der Beweis einen Tag früher, als die Börse am Wochenende angekündigt hatte.
Abgedeckt sind Bitcoin, Ether, USDT, BNB, Solana, USDC, XRP, USD1, RLUSD und Zcash, jeweils mit einer Deckung von mindestens 1:1.
Ein Merkle-Baum zeigt jedem Kunden sein eigenes Guthaben
Der Nachweis besteht aus zwei Teilen. Ein Merkle-Baum fasst alle Kundenguthaben zum Stichtag in einer einzigen Prüfsumme zusammen, und jeder Kunde kann damit nachsehen, ob sein Konto darin enthalten ist. Ein zk-SNARK, ein kryptografischer Beweis ohne Offenlegung der Einzeldaten, belegt zusätzlich, dass die Reserven die Summe aller Guthaben mindestens decken, ohne dass ein einzelner Kontostand sichtbar wird.
Wer prüfen will, meldet sich bei Binance an und lädt ein Prüfprogramm von der Reservenseite auf den eigenen Rechner, dessen Code nach Angaben der Börse offen auf GitHub liegt und unabhängig geprüft wurde. Binance begründet den Umweg so: “You verify on your own devices so you can be assured you are running your own checks on your own machine.”
Der Nachweis endet am 31. Oktober um Mitternacht
Der Stichtag ist die größte Einschränkung. Der Schnappschuss entstand am 31. Oktober um 00:00 Uhr UTC, einen Tag bevor Binance die Auszahlungen wieder öffnete. Was danach abfloss, ist darin nicht enthalten, und allein am ersten Tag zogen Kunden netto 3,64 Milliarden Dollar ab.
Auch die Liste ist begrenzt. Nach Angaben von Binance sind rund 95 Prozent der gestohlenen Bestände ersetzt; die restlichen fünf Prozent entfallen auf weniger liquide Token außerhalb der zehn, die sich nur langsam in der nötigen Menge kaufen lassen. Für sie plant die Börse am 4. November einen neuen Schnappschuss mit mehr Token, dessen Beweis wieder 40 bis 50 Stunden Rechenzeit brauchen soll. Die nächste Stufe der Auszahlungen für weitere Netze ist für Dienstag angekündigt.
Binance hat die Hälfte der Bitcoin aus dem SAFU-Fonds eingesetzt
Bezahlt wird der Ersatz aus Firmenmitteln, aus dem Notfallfonds SAFU und einem Teil des Versicherungsfonds für Futures, wie Binance schon vor dem Wochenende angekündigt hatte. Wie tief der Griff in den SAFU-Fonds ging, zeigt dessen Bitcoin-Adresse: Laut Blockchain-Explorer liegen dort am Montagnachmittag noch 7.500 BTC, vor der Übertragung am Samstag waren es nach Angaben von Cointelegraph rund 15.000.
Beim Kurs von 77.774 Dollar am Montag um 16:33 Uhr MEZ entspricht der Rest gut 583 Millionen Dollar. Quelle: CoinGecko
Nach den Regeln des Fonds füllt Binance ihn auf eine Milliarde Dollar auf, wenn sein Wert wegen Kursbewegungen unter 800 Millionen fällt. Eine Frist für das Auffüllen nach einem Sicherheitsvorfall nennen die Regeln nicht, berichtet Cointelegraph. Fragen nach weiteren Entnahmen ließ die Börse dort unbeantwortet.
“Binance will absorb the financial impact of the stolen funds, not our users”, heißt es in der Mitteilung, und weiter: “With the generated proof, the backed portion of that commitment is now publicly verifiable.” Den Schaden soll also die Börse tragen, nachprüfbar ist bisher aber nur der gedeckte Teil.
Ob das auch für die restlichen fünf Prozent gilt, zeigt frühestens der Beweis zum Schnappschuss vom 4. November.
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Kryptowährungen sind sehr schwankungsanfällig. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.




