Unternehmen & Institutionen 3 Min. Lesezeit

NYSE plant Abstimmungen über Aktien-Token mit Broadridge

Die NYSE will auf ihrer geplanten Plattform für Aktien-Token auch Hauptversammlungen über die Blockchain abwickeln. Broadridge soll Abstimmungen und Aktienregister liefern. Starten kann das erst nach einer Genehmigung der Aufsicht.

Eine gläserne Wahlurne mit weißem Deckel steht auf einer hellgrauen Steinplatte, auf ihrer Vorderseite die schwarze NYSE-Wortmarke mit hellblauer Ecke, drei hellblaue Glaskarten mit weißem Häkchen gleiten in den Schlitz, daneben liegt ein schwarzes Smartphone.

Die New Yorker Börse NYSE will auf ihrer geplanten Plattform für Aktien-Token auch Hauptversammlungen über die Blockchain abwickeln. Der Dienstleister Broadridge soll dafür die Abstimmungen und die Aktienregister liefern, wie er am Montag mitteilte. Starten kann das erst, wenn die Aufsicht die Plattform genehmigt.

Broadridge veröffentlichte die Mitteilung am Montag um 6:30 Uhr New Yorker Zeit, 12:30 Uhr MEZ. Zwei Dienste sollen auf die Plattform der NYSE kommen: Abstimmungen über Smart Contracts und eine digitale Transferstelle, die das Aktienregister führt. Nach eigenen Angaben verschickt Broadridge schon heute jedes Jahr mehr als acht Milliarden Mitteilungen an Anleger.

Broadridge-Chef Tim Gokey sagte, sein Haus baue “the governance layer for tokenized equities”, also die Ebene, über die Aktionäre von Aktien-Token ihre Rechte ausüben. Lynn Martin, Präsidentin der NYSE Group, sagte in der Mitteilung: “Tokenization has the potential to transform the manner in which issuers interact with their shareholders.”

Smart Contracts verbinden den Token mit der Tagesordnung

In den USA laufen Stimmabgaben zu Hauptversammlungen heute meist über Banken, Broker und Dienstleister wie Broadridge, dessen Portal ProxyVote die Unterlagen an die Anleger bringt. Auf der NYSE-Plattform sollen Smart Contracts diese Aufgabe übernehmen, also Programme auf der Blockchain, die festgelegte Regeln selbsttätig ausführen. Sie verknüpfen laut Mitteilung die tokenisierte Aktie mit der Tagesordnung, den Abstimmungsregeln und überprüfbaren Ergebnissen. Abstimmen sollen Anleger über eine unterstützte Wallet, über ihren Broker oder weiterhin über ProxyVote.

Welche Blockchain die NYSE dafür nutzt, steht in der Mitteilung nicht.

Der zweite Teil der Ankündigung betrifft die Unternehmen selbst: Über die digitale Transferstelle von Broadridge sollen an der NYSE notierte Firmen ihre Aktien eigenständig als Token ausgeben und auf der Plattform handeln lassen können. Nach Angaben von CoinDesk haben Securitize und tZERO bereits ähnliche Dienste für die Plattform angekündigt.

Bei OKXICE widersprechen inzwischen 50 Konzerne

Dass die NYSE die Unternehmen selbst einbindet, hat einen Hintergrund im eigenen Konzern. Die NYSE-Mutter ICE betreibt mit der Kryptobörse OKX die Plattform OKXICE, auf der US-Aktien als Token gehandelt werden sollen, die ein Dritter ausgibt und nicht das Unternehmen. Nach der Ausnahmeregel der US-Wertpapieraufsicht SEC können die betroffenen Firmen dem widersprechen.

In ihrer jüngsten Mitteilung vom 30. Oktober führt OKXICE 50 Einsprüche auf; nach Microsoft und Alphabet sind neu unter anderem Nvidia, Costco, Nike und Reddit dazugekommen.

Auf dem Papier haben auch die Token bei OKXICE ein Stimmrecht. Die Plattform lässt sich vom Herausgeber zusichern, dass Inhaber dieselben Rechte erhalten wie Aktionäre, darunter “the right to exercise the same voting rights”; Unterlagen verteilt und Stimmen einsammelt aber der Herausgeber der Token, nicht das Unternehmen. Gründe für ihre Einsprüche nennen die Konzerne in der Mitteilung nicht.

Europäische Anleger erreichen die NYSE-Token vorerst nicht

Die Plattform der NYSE ist noch nicht in Betrieb, und Broadridge nennt für den Start nur die Genehmigung als Bedingung, kein Datum. Angekündigt hatte die Börse das System im Januar, mit Handel rund um die Uhr und Einzahlungen per Stablecoin; im September folgte eine Absichtserklärung mit Blockchain.com, ohne dass bisher feststeht, ob Kunden außerhalb der USA Zugang erhalten.

Token auf US-Aktien gibt es in Europa schon, etwa die von Ondo Global Markets, die Blockchain.com nach eigenen Angaben in 30 Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums anbietet. Aktien sind sie trotzdem nicht. Laut der gemeinsamen Mitteilung von Ondo und Broadridge vom April verleihen sie keine Aktionärsrechte, Inhaber können über ProxyVote nur mitteilen, wie der Herausgeber seine Aktien stimmen soll. Wie die Verwahrung von Aktien als Token in den USA anläuft, zeigt der Start der DTCC-Tokenisierung in der vergangenen Woche.

Für die Anfang Oktober von OKXICE angeschriebenen Unternehmen endet die Frist für Einsprüche nach Berechnung von CoinDesk um den 3. November.

Kryptowährungen sind sehr schwankungsanfällig. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.

Aktien NYSE Tokenisierung

Sven Meisinger

Über Sven Meisinger

Redakteur bei Krypto-Boersen.com mit Schwerpunkt auf fundierte Marktanalysen und aktuelle Entwicklungen im Bereich digitaler Assets. Durch tiefgreifende Recherche und datenbasierte Analysen liefert er präzise Einschätzungen zu Markttrends, regulatorischen Veränderungen und technologischen Innovationen in der Blockchain-Industrie. Seine Expertise umfasst sowohl technische Chartanalysen als auch fundamentale Bewertungen von Kryptowährungen und DeFi-Protokollen.

Alle Artikel von Sven Meisinger

Der Krypto-Newsletter

Die wichtigsten Nachrichten, neue Angebote der Börsen und unsere Marktdaten – kostenlos per E-Mail. Abmeldung jederzeit.

Suche wird geladen …

Tipp: Mit Strg + K oder „/“ öffnest du die Suche auf jeder Seite.