Auf Bitcoin.de, einem der bekanntesten deutschen Krypto-Marktplätze, ist seit Ende Juni kein Handel möglich, und ein Neustart ist nicht absehbar. Die Muttergesellschaft Bitcoin Group nennt den Zeitpunkt der MiCA-Zulassung in ihrem Halbjahresbericht vom 29. September “nur eingeschränkt prognostizierbar”; Auszahlungen laufen nach Angaben der Plattform weiter.
Die Bitcoin Group SE aus Herford erklärt den Stillstand mit dem Zulassungsverfahren nach den neuen europäischen Regeln für Kryptodienste. Es ziehe sich “länger hin als ursprünglich erwartet”, deshalb sei der Kryptohandel auf Bitcoin.de “seit Ende Juni 2026 vorübergehend nicht möglich”. Betreiberin der Plattform ist die futurum bank AG, eine hundertprozentige Tochter der Gruppe; sie stehe “in engem Austausch mit den zuständigen Aufsichtsbehörden”.
Auf der Startseite von Bitcoin.de steht dazu ein Statusbericht mit Stand 21. August. Handel und Einzahlungen sind pausiert, Auszahlungen würden “weiterhin regulär bearbeitet”.
Die Bitcoin Group verliert mehr als die Hälfte ihres Umsatzes
Der Stillstand fällt in ein schwaches Halbjahr. Die Umsatzerlöse sanken von 3,78 auf 1,59 Millionen Euro, ein Minus von 58 Prozent. Das Unternehmen verweist dafür auf die Kurskorrektur, Abflüsse aus den Bitcoin-ETFs und die hohen Ausgaben für den Umbau der Plattform.
| Kennzahl | 1. Halbjahr 2026 | 1. Halbjahr 2025 |
|---|---|---|
| Umsatzerlöse | 1,59 Mio. Euro | 3,78 Mio. Euro |
| EBITDA | -3,25 Mio. Euro | -1,00 Mio. Euro |
| Ergebnis je Aktie | -1,02 Euro | -0,33 Euro |
| Netto-Krypto-Eigenbestand (30.06.) | 199 Mio. Euro | rund 356 Mio. Euro |
Quelle: Halbjahresbericht der Bitcoin Group SE, veröffentlicht am 29.09.2026
Die größte Veränderung steht in der letzten Zeile. Der eigene Kryptobestand der Gruppe schrumpfte binnen eines Jahres um rund 157 Millionen Euro, zum Jahresende 2025 waren es noch 293 Millionen. Die liquiden Mittel fielen seit Dezember von 12,6 auf 3,9 Millionen Euro.
Für das Gesamtjahr erwartet der Vorstand sinkende Umsätze und erneut ein negatives EBITDA. Als Grund nennt er ausdrücklich die “kurzfristig verschobene Migration” der Kunden und die “weiterhin unklare zeitliche Perspektive für die MiCAR-Lizenz”.
Die neue Plattform ist fertig, darf aber nicht starten
Technisch sieht sich das Unternehmen bereit. Website und Trading-App seien neu entwickelt und getestet, Bitcoin.de werde vom bisherigen Marktplatz, auf dem Kunden direkt miteinander handelten, zu einem Broker mit mehr als 100 Kryptowährungen, Sparplänen, Krypto-Swaps und Staking. “Sobald die erforderliche regulatorische Grundlage vorliegt, werden wir mit einer technologisch grundlegend erneuerten Plattform in eine neue Entwicklungsphase von bitcoin.de starten”, sagt Vorstandschef Moritz Eckert.
Für Kunden heißt das vorerst: Wer Coins auf Bitcoin.de liegen hat, kann sie auszahlen, aber dort weder verkaufen noch nachkaufen. Wer handeln will, muss das Guthaben zu einem anderen Anbieter oder in eine eigene Wallet übertragen. Welche Plattformen hierzulande beaufsichtigt arbeiten, zeigt unsere Übersicht der BaFin-regulierten Kryptobörsen; worauf die europäische Aufsicht bei MiCA gerade achtet, steht in unserem Bericht darüber, wie die ESMA die MiCA-Aufsicht neu ordnet.
Steuerlich lohnt ein Blick auf die Kaufbelege, bevor Coins umziehen, denn beim Wechsel der Plattform geht die Historie nicht automatisch mit. Warum das künftig teuer werden kann, zeigt unser Beitrag über die Steuerpläne für Krypto ohne Kaufbeleg.
Einen Termin für den Neustart nennt weder der Bericht noch die Statusseite.
Welche Handelsplätze Bitcoin und andere Kryptowerte zu welchen Gebühren anbieten, stellt unser Krypto-Börsen Vergleich gegenüber.


























