Vitalik Buterin hat am Sonntag in einem Blogbeitrag beschrieben, wie Ethereum bis 2030 aussehen soll: Beweise statt Nachrechnen, Blöcke aus mehreren Händen und Finalität in 8 bis 32 Sekunden. Es ist die Vision des Mitgründers, kein beschlossener Fahrplan; fest eingeplant ist nur das Upgrade Hegota im kommenden Jahr.
Der Beitrag trägt den Titel “The cryptographic world computer” und erschien am 27. September. Buterins These: Ethereum heiße vor allem aus historischen Gründen noch Blockchain. Tatsächlich entstehe eine Mischform aus den Grundideen von Satoshi Nakamoto und kryptografischen Verfahren, die es 2009 noch nicht oder nicht ausgereift gab.
Den Maßstab setzt er selbst hoch. Ethereum bewege sich in den nächsten drei Jahren auf etwas zu, das man fairerweise “a qualitatively different kind of system” nennen könne, ein grundlegend anderes System.
Ethereum soll Blöcke prüfen, ohne sie nachzurechnen
Heute lädt jeder vollständige Knoten jeden Block herunter und führt alle Transaktionen selbst noch einmal aus. Das ist sicher, aber teuer, und es ist der Grund, warum sich Arbeit in einer Blockchain bisher nicht aufteilen ließ. Buterin will das mit zwei Werkzeugen ersetzen: Knoten ziehen über PeerDAS nur Stichproben der Blockdaten und prüfen einen kurzen mathematischen Beweis, einen sogenannten SNARK, dass alles korrekt gerechnet wurde.
Eine Analogie hilft: Statt jede Rechnung einer Buchhaltung nachzurechnen, prüft der Knoten ein Testat, dessen Echtheit sich in Sekunden kontrollieren lässt.
Dazu kommen Änderungen an fast jeder Stelle des Systems. Blöcke soll nicht mehr ein einzelner Erzeuger zusammenstellen; mit FOCIL, einem Verfahren für garantierte Aufnahme von Transaktionen, entscheiden mehrere Teilnehmer mit. Signaturen sollen teils quantensicher werden, Transaktionen und Kontoregeln per Zero-Knowledge-Beweis privat bleiben. Wer Rechenlast so zerlegt, dass sie parallel laufen kann, soll künftig weniger Gas zahlen als jemand, der alles in eine einzige lange Transaktion packt.
Für Hegota hat Buterin eine klare Einordnung. Es sei “likely to be Ethereum’s last ‘normal’ fork”, wahrscheinlich die letzte Aufspaltung mit Technik, die jemand aus dem Jahr 2015 noch wiedererkennen würde. Danach gehe es um rekursive STARK-Beweise, automatisierte formale Verifikation, schnellere Konsensverfahren und darum, alles quantensicher zu machen.
Vorher steht nach Angaben von The Block noch das Upgrade Glamsterdam an, erwartet im vierten Quartal 2026.
Nutzer sollen nach 8 bis 32 Sekunden Gewissheit haben
Die Zahlen, die Anleger am ehesten spüren würden, stehen in Buterins Vergleich zwischen 2015 und 2030. Damals dauerte ein Block etwa 17 Sekunden und zwölf Bestätigungen rund 200 Sekunden. 2030 sollen es 4 bis 8 Sekunden je Slot und 8 bis 32 Sekunden bis zur Finalität sein, also bis zu dem Punkt, an dem eine Zahlung nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Heute liegt ein Slot bei zwölf Sekunden.
Offen benennt er die Schwachstellen: Zero-Knowledge-Beweise effizient und sicher genug zu machen, sei schwierig, werde aber bereits mit KI-Werkzeugen optimiert; schwerer werde es, den Zugriff auf sehr große Datenbestände zu verwalten und zu parallelisieren. Ein Ziel schließt er ausdrücklich aus: “Ethereum itself will never have latency that competes with servers” (Ethereum selbst wird nie so schnell reagieren wie ein Server).
Beim Kurs hat der Beitrag keine Spuren hinterlassen. Ether kostete am Sonntag um 18:01 Uhr MESZ 2.690,70 US-Dollar (2.355,24 Euro), fast genau so viel wie 24 Stunden zuvor und 4,1 Prozent mehr als vor einer Woche.
Quelle: CoinGecko
Wer ETH hält, bekommt mit dem Beitrag keine Zusage, sondern eine Richtung. Über jedes einzelne Upgrade entscheiden die Entwickler der Client-Teams in ihren öffentlichen Runden, Termine gibt es bislang nur für die nächsten Schritte. Das Thema Quantensicherheit, das Buterin für die Zeit nach Hegota nennt, beschäftigt auch die EU-Finanzaufsicht, die vor Quantencomputern warnt, und bei Bitcoin haben Coinbase und Stanford gerade Wege zu quantensicheren Signaturen diskutiert.
Wie weit Hegota selbst schon in diese Richtung geht, entscheidet sich in den Entwicklerrunden der kommenden Monate.
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