Die drei europäischen Finanzaufsichtsbehörden EBA, EIOPA und ESMA zählen Quantencomputer in ihrem Risikobericht vom Mittwoch zu den Gefahren für das Finanzsystem und nennen dabei ausdrücklich Blockchains. Eine akute Gefahr für Bitcoin- und Ether-Bestände beschreibt der Bericht nicht, wohl aber eine, die früher kommen könnte als der Nutzen der Technik. Der Gemeinsame Ausschuss der drei Behörden hat am 23. September sein Herbst-Update zu Risiken und Schwachstellen vorgelegt. Auf 19 Seiten geht es vor allem um Abhängigkeiten von Anbietern außerhalb der EU, um Cyberangriffe mit Hilfe künstlicher Intelligenz und um private Kreditfonds. Quantenrechner bekommen einen eigenen Abschnitt. Dort heißt es, ein fortgeschrittener Quantencomputer “could undermine some cryptography systems widely used to secure communications, transactions, databases and blockchains”. Er könnte also einen Teil der Kryptografie aushebeln, mit der Kommunikation, Zahlungen, Datenbanken und Blockchains gesichert werden. Die Bedrohung könne nach Einschätzung der Behörden eintreten, bevor es überhaupt eine kommerziell tragfähige Anwendung der Technik gibt.
Bitcoin und Ethereum arbeiten bereits an neuen Signaturen
Bei Blockchains betrifft das vor allem die digitalen Signaturen. Wer eine Überweisung aus seiner Wallet freigibt, beweist mit dem privaten Schlüssel, dass ihm die Coins gehören; der zugehörige öffentliche Schlüssel wird dabei auf der Kette sichtbar. Ein ausreichend starker Quantenrechner könnte aus diesem öffentlichen Schlüssel den privaten errechnen. Einen solchen Rechner gibt es heute nicht. Für Bitcoin liegt seit dem 11. Februar 2026 der Vorschlag BIP-361 vor, verfasst vom Entwickler Jameson Lopp und fünf Mitautoren. Er sieht vor, dass rund drei Jahre nach einer Aktivierung keine Coins mehr an angreifbare Adressen geschickt werden können; zwei Jahre später sollen Ausgaben mit den alten Signaturen nur noch über ein quantensicheres Rettungsverfahren möglich sein. Beschlossen ist davon nichts, der Vorschlag hat den Status Entwurf. Die Ethereum Foundation will ihr Netz nach Angaben von Cointelegraph bis Dezember 2029 in allen Schichten gegen Quantenangriffe absichern.
Europa spielt im Kryptohandel nur eine Nebenrolle, stellen die Aufseher fest
Der Bericht enthält noch eine zweite Beobachtung zum Kryptomarkt. Nur 8 Prozent aller Krypto-Trades laufen danach gegen den Euro, gegen den US-Dollar sind es 40 bis 50 Prozent. Euro-Stablecoins machen weniger als 1 Prozent des Marktwerts aus, und unter den 15 größten Kryptobörsen hat keine ihren Sitz in der EU. Neue Pflichten für Anleger enthält der Bericht nicht. Seine Empfehlungen richten sich an Banken, Versicherer und Fondsgesellschaften, die nach der EU-Verordnung DORA schon heute Kryptografie auf dem Stand der Technik einsetzen müssen. Die Kooperationsgruppe der EU für Netz- und Informationssicherheit hat den Mitgliedstaaten zudem empfohlen, bis Ende 2026 eine Strategie für den Umstieg auf quantensichere Verfahren festzulegen. Wer Bitcoin oder Ethereum hält, bleibt damit vor allem darauf angewiesen, dass die Entwickler der Netze ihre Umstellung rechtzeitig abschließen. Einen Zeitpunkt, ab dem ein Quantenrechner solche Signaturen tatsächlich brechen könnte, nennt der Bericht nicht.
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