Angebot: 37 Milliarden XRP liegen in Treuhandkonten
XRP wurde einmalig erzeugt, es wird nichts geschürft. Das führt zu einem verbreiteten Missverständnis, das auch die Vorgängerfassung dieser Seite enthielt: Es kämen keine neuen Münzen mehr auf den Markt. Für den Preis zählt aber nicht die Gesamtmenge, sondern das handelbare Angebot, und das wächst.
Von den 99,99 Milliarden XRP sind 62,88 Milliarden im Umlauf (CoinGecko, 18.09.2026). Die Differenz von rund 37 Milliarden liegt in Treuhandkonten auf dem Ledger. Aus diesen gibt Ripple seit 2017 zu jedem Monatsersten bis zu eine Milliarde XRP frei; was nicht verkauft wird, wandert automatisch zurück in die Treuhand. In einzelnen Monaten waren das zuletzt rund 90 Prozent der freigegebenen Menge. Dieser Mechanismus ist im Voraus bekannt und damit kein Überraschungsrisiko, er begrenzt aber die Knappheitserzählung.
Wie beweglich einzelne Bestände sind, zeigte der 17. September: 500 Millionen XRP im Gegenwert von 649 Millionen US-Dollar verließen den Verwahrer Uphold und verteilten sich auf fünf neue Adressen (Bitcoin.com, 18.09.2026). Wohin sie fließen, ist offen.
Nachfrage: ETFs seit November 2025, aber kleiner als bei Bitcoin und Ether
Seit November 2025 gibt es in den USA Spot-ETFs auf XRP; Bitwise, Grayscale und Franklin Templeton starteten innerhalb einer Woche. Bis Anfang September 2026 sammelten sie zusammen rund 1,68 Milliarden US-Dollar an Nettozuflüssen ein, größter institutioneller Halter ist Goldman Sachs (CoinDesk, 02.09.2026). Das Nettovermögen der Fonds lag Mitte September bei rund 1,40 Milliarden US-Dollar (Bitcoin.com, 17.09.2026). Zum Vergleich: Die Bitcoin-ETFs kommen auf 54,9 Milliarden, die auf Ether auf 13,1 Milliarden US-Dollar.
Zuletzt drehte die Richtung leicht ins Minus: Am 17. September flossen rund 5 Millionen US-Dollar ab (CoinDesk, 18.09.2026).
Netzwerk: Batch-Upgrade kommt am 29. September
Der XRP Ledger ändert sich über Amendments, denen die Validatoren zustimmen müssen. Erreicht ein Vorschlag 28 von 35 Stimmen und hält sie zwei Wochen, wird er aktiv. Das Amendment BatchV1_1 hat diese Mehrheit am 15. September 2026 um 16:06 Uhr erreicht und steht derzeit bei 29 Stimmen; damit wird es am 29. September 2026 aktiv (Abfrage der Amendment-Schnittstelle des XRP Ledger, 18.09.2026). Es erlaubt, mehrere Transaktionen gebündelt und mit einer gemeinsamen Bedingung auszuführen.
Kurz zuvor ist Version 3.4.0 der Ledger-Software erschienen. Sie bringt zwei weitere Amendments zur Abstimmung, darunter das Lending Protocol in Version 1.1 mit fest terminierten Krediten über Einzelwert-Tresore. Beide stehen noch am Anfang der Abstimmung (CoinGape, 18.09.2026). Ein weiteres Amendment, PermissionDelegationV1_1, liegt mit 24 von 28 nötigen Stimmen dicht vor der Schwelle.
Wirtschaftlich ist das Ledger bislang schmal: Der in Anwendungen gebundene Wert liegt bei 39,8 Millionen US-Dollar (DefiLlama, 18.09.2026). Ethereum kommt auf 49,8 Milliarden, also das Tausendfache. Wer XRP kauft, wettet auf den Zahlungsverkehr, nicht auf ein Anwendungs-Ökosystem.
Anwendung: Ripple zielt auf Zahlungen zwischen Maschinen
Ripple hat das XRPL AI Starter Kit in Version 1.1 vorgestellt, mit dem Software-Agenten selbstständig zahlen können. Grundlage sind das Machine Payments Protocol von Stripe und Tempo, ein offener Wallet-Standard und der seit Juni eingebundene Standard x402. Als Argument nennt Ripple Transaktionen in drei bis fünf Sekunden zu Kosten unter einem US-Cent. Zahlende Kunden nennt das Unternehmen bislang nicht, Teile der Software sind im Testbetrieb (BTC-ECHO, 18.09.2026). Für die Prognose heißt das: eine mögliche Nachfragequelle, noch ohne messbaren Umsatz.
Makro und Marktumfeld
Am 16. September hat die US-Notenbank den Leitzins einstimmig um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben, die erste Erhöhung seit Juli 2023 (CoinDesk, 16.09.2026). Gleichzeitig ist die Bitcoin-Dominanz auf ein Monatstief von unter 59 Prozent gefallen, während einzelne Altcoins zweistellig zulegten. Alex Kuptsikevich von FxPro führt das auf die Hoffnung zurück, dass SEC und CFTC eigene Krypto-Regeln erlassen (CoinDesk, 18.09.2026). XRP profitiert von solchen Rotationen überdurchschnittlich, weil es zu den größten Altcoins zählt, und leidet umgekehrt stärker, wenn Kapital zurück in Bitcoin fließt.
Regulierung: Das Verfahren ist beendet, das Gesetz fehlt
Der Rechtsstreit, der den XRP-Kurs jahrelang bestimmt hat, ist abgeschlossen. Die SEC hatte Ripple im Dezember 2020 wegen nicht registrierter Wertpapierverkäufe verklagt. Im Juli 2023 entschied das Gericht, dass Verkäufe über Handelsplätze an Privatanleger keine Wertpapiergeschäfte sind, institutionelle Verkäufe dagegen schon. Im August 2024 folgte eine Strafe von 125 Millionen US-Dollar. Am 7. August 2025 zogen beide Seiten ihre Berufungen zurück, womit das Verfahren endgültig beendet war (CoinDesk, 07.08.2025).
Damit fehlt XRP der frühere Sonderfaktor, im Guten wie im Schlechten: Die Rechtsunsicherheit ist weg, aber auch der Kurstreiber, den jede Etappe des Verfahrens bot. Das nächste offene Thema ist allgemeiner Natur: Der CLARITY Act, der die Zuständigkeiten zwischen SEC und CFTC geregelt hätte, verfehlte am 15. September 2026 im Senat die nötigen 60 Stimmen (49 zu 50).