Was The Graph macht, und warum das nützlich ist
Eine Blockchain speichert Daten so, dass sie fälschungssicher sind, nicht so, dass man sie bequem durchsuchen kann. Wer wissen will, welche Geschäfte eine bestimmte Adresse in einem bestimmten Zeitraum gemacht hat, muss die Chain aufbereiten. Genau das tun die Indexer von The Graph: Sie lesen Blockchains aus, legen die Daten in durchsuchbarer Form ab und beantworten Abfragen. Anwendungen bezahlen dafür in GRT.
Der Vergleich mit einem Zettelkatalog trifft es gut. Ohne ihn ist die Bibliothek vollständig und unbenutzbar.
Die Zahl, an der alles hängt
Im vierten Quartal 2025 wurden über The Graph 4,97 Milliarden Abfragen beantwortet. Die Gebühren dafür betrugen 1,9 Millionen GRT, umgerechnet 98.667 US-Dollar. Das sind rund 33.000 US-Dollar im Monat für das gesamte Protokoll.
Dem stehen die Belohnungen gegenüber, die das Protokoll aus neu geschaffenen GRT zahlt. Der Explorer des Netzwerks weist eine Jahresemission von 253,8 Millionen GRT aus, das entspricht 2,18 Prozent der Gesamtmenge und zum heutigen Kurs rund 5 Millionen US-Dollar. Kumuliert seit dem Start hat das Netz 395,3 Millionen GRT an Indexer und 449,8 Millionen GRT an Delegatoren ausgeschüttet, bei eingezogenen Abfragegebühren von 18,9 beziehungsweise 1,7 Millionen GRT.
Das Verhältnis liegt damit zwischen zwanzig zu eins und zweihundertsechzig zu eins. The Graph bezahlt seine Infrastruktur fast vollständig aus der Inflation, nicht aus zahlender Nachfrage. Das ist kein Vorwurf an das Protokoll, sondern die wichtigste Zahl für jede Bewertung von GRT.
Die Nachfrage ist rückläufig
Der Höchststand lag im zweiten Quartal 2025 bei 6,49 Milliarden Abfragen. Danach folgten zwei Quartale mit Rückgang, zuletzt auf 4,97 Milliarden. Der Explorer weist für die vergangenen sechs Monate 8,9 Milliarden Abfragen aus, also rund 1,48 Milliarden im Monat; das liegt weiter unter dem Niveau von Anfang 2025.
Zugleich sinken die Gebühren in Dollar, obwohl die Zahl der Abfragen in GRT gerechnet zeitweise stieg. Ein Grund ist eine Preissenkung um 50 Prozent für Subgraph-Abfragen. Das ist Preisdruck, und er kommt von Wettbewerbern, die dieselben Abfragen als verwalteten Dienst anbieten: Goldsky, Envio, Subsquid und andere. Belastbare Marktanteilszahlen für dieses Segment gibt es nicht; die Preisentwicklung ist der einzige messbare Hinweis.
Der Umbau: Horizon, und was er bedeutet
Im Dezember 2025 ging das Horizon-Upgrade in den Produktivbetrieb. Nach Angaben des Projekts wurden dabei über 95 Prozent des Abfragevolumens und des Einsatzes der Indexer migriert. Aus dem reinen Indexdienst wird damit eine Plattform: Der Einsatz der Indexer sichert nicht mehr nur Subgraphen ab, sondern kann beliebige Datendienste tragen.
Auf dieser Grundlage baut die Roadmap vom 17. Februar 2026 auf: eine Token-Schnittstelle über zehn Netzwerke, ein Zugang, über den KI-Agenten pro Abfrage bezahlen können, die Streaming-Technik Substreams im Hauptnetz, liquides Staking und eine Datenbank für regulierte Umgebungen. Für das dritte und vierte Quartal 2026 ist davon einiges angekündigt; ein Vollzug ist nicht belegt.
Der Umbau der Verteilung, der Halter betrifft
Am 26. August 2026 hat der Rat des Protokolls eine Änderung beschlossen, die seit dem 1. September gilt: 20 Prozent der Neuausgabe gehen an die Stiftung statt an die Indexer. Die Gesamtemission bleibt unverändert bei 120,73 GRT je Block, die Verteilung verschiebt sich von 120,73 auf 96,584 GRT für den Indexdienst und 24,146 GRT für die Stiftung.
Begründet wurde das mit einer Auswertung für 2025: 15,2 Prozent der Belohnungen gingen an Teilnehmer, die nichts beitrugen, weitere 11,8 Prozent an unterdurchschnittlich arbeitende Indexer. Seit dem 25. August prüft zusätzlich ein Orakel die Anspruchsvoraussetzungen, unter anderem eine Antwortzeit unter fünf Sekunden an mindestens fünf Tagen im Vierwochenfenster.
Für Anleger heißt das zweierlei: Die Inflation für die Halter bleibt gleich, aber Indexer und Delegatoren erhalten ein Fünftel weniger. Das kann die Staking-Quote drücken, die derzeit bei rund 15 Prozent des Umlaufs liegt. Zugleich hat die Stiftung am 19. August angekündigt, die Entwicklung künftig selbst zu betreiben; die offenen Zuschüsse für die bisherigen Kernentwicklerteams entfallen.
Institutionelle Anbindung und Aufmerksamkeit
Für GRT gibt es weder einen ETF noch einen Antrag darauf, und auch keine regulierten Terminkontrakte. GRT ist Bestandteil eines Fonds von Grayscale für dezentrale KI-Anwendungen; die Gewichtung wurde im April 2026 reduziert, belastbare Zahlen dazu ließen sich nicht sichern.
Ein oft genanntes Beispiel für institutionelle Nutzung ist ein Pilotversuch der US-Wertpapierverwahrstelle zu besicherten Geschäften auf einer eigenen Chain. Dass Subgraphen dabei die Datenschicht stellten, ist eine Angabe von The Graph; eine Bestätigung der Verwahrstelle liegt nicht vor, und von einem Vertrag oder Einnahmen ist nirgends die Rede.
Bemerkenswert ist noch etwas anderes: Im gesamten Jahr 2026 findet sich in den Fachredaktionen, die diese Redaktion als Quellen zulässt, keine Berichterstattung über The Graph. Der letzte Beitrag stammt vom 30. Oktober 2025.
Makro und Marktumfeld
Am 16. September stieg der US-Leitzins einstimmig um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Der CLARITY Act verfehlte am 15. September im Senat die nötigen 60 Stimmen. Die Bitcoin-Dominanz fiel unter 59 Prozent, was Kapital in kleinere Kryptowährungen lenkt. Die Erholung von 49 Prozent in dreißig Tagen gehört zu einem großen Teil in diese Kategorie: Sie begann, ohne dass sich an den Abfragezahlen etwas geändert hätte.