Angebot: keine Obergrenze, aber 30 Tage Wartezeit zum Staking
Anders als Bitcoin hat Ethereum keine feste Maximalmenge. Im Umlauf sind 122.067.646 ETH. Seit dem Wechsel auf Proof of Stake im September 2022 hängt die Neuausgabe an der Zahl der Validatoren, und ein Teil der Transaktionsgebühren wird verbrannt. Ob die Menge wächst oder schrumpft, entscheidet damit die Auslastung des Netzwerks. Derzeit kostet eine Transaktion ein bis zwei US-Cent, und die Menge wächst wieder leicht (BTC-ECHO, 16.09.2026). Die Erzählung vom knapper werdenden Ether trägt in dieser Phase also nicht.
Auf der anderen Seite steht das Staking: 43,0 Millionen ETH sind gebunden, 35,3 Prozent des Umlaufs, verteilt auf 904.764 Validatoren bei einer Verzinsung von 2,58 Prozent im Jahr. Aussagekräftiger als der Bestand sind in dieser Woche die Warteschlangen: Wer jetzt einsteigen will, wartet mit 1.737.160 ETH rund 30 Tage; die Austrittswarteschlange ist mit 139.328 ETH und gut zwei Tagen Wartezeit ein Dreizehntel so groß (validatorqueue.com auf Basis von beaconcha.in, Stand 21.09.2026). Zum aktuellen Kurs warten damit rund 4,8 Milliarden US-Dollar darauf, für mindestens einen Monat gebunden zu werden. Das ist die belastbarste Nachfragezahl, die diese Seite derzeit ausweisen kann, und sie steht im Gegensatz zu den ETF-Flüssen. Allein die Treasury-Firma BitMine hält 5,07 Millionen ETH, das sind 85 Prozent ihrer Bestände. Gebundene Coins stehen dem Markt kurzfristig nicht zur Verfügung, lassen sich seit dem Upgrade Shapella im April 2023 aber abziehen.
Nachfrage: ETF-Woche negativ, Kurs trotzdem im Plus
Die US-Spot-ETFs auf Ether haben seit ihrem Start kumulierte Nettozuflüsse von 13,28 Milliarden US-Dollar eingesammelt (Farside Investors, Stand 21.09.2026). Die Handelswoche vom 14. bis 18. September war mit einem Abfluss von 141 Millionen US-Dollar negativ: Auf einen Zufluss von 121 Millionen am Montag folgten drei Verlusttage mit 142, 224 und 39 Millionen US-Dollar, bevor der Freitag mit 144 Millionen wieder ins Plus drehte. Den größten Einzelposten stellte durchgängig BlackRocks ETHA. Für den 21. September lagen zum Redaktionsschluss noch keine Zahlen vor.
Bemerkenswert ist die Diskrepanz: Der Kurs ist in derselben Woche um knapp 9 Prozent gestiegen, obwohl die Fonds unter dem Strich Geld verloren haben. Der Anstieg kam damit nicht aus dem ETF-Kanal, sondern aus dem Gesamtmarkt und aus der Staking-Nachfrage.
Gleichzeitig sinken die Bestände auf den Handelsplätzen. Am 8. September lagen dort noch 14,7 Millionen ETH, seit Juli 2025 sind 6,42 Millionen Token abgeflossen, ein Tiefstand seit Jahren (BTC-ECHO, 16.09.2026). Weniger Ether auf Börsen bedeutet weniger kurzfristiges Verkaufsangebot, sagt aber nichts über die Nachfrage aus.
Netzwerk: Layer 2 wächst, die Wertfrage bleibt offen
Auf Ethereum selbst sind 54,1 Milliarden US-Dollar in Anwendungen gebunden, 9 Prozent mehr als in der Vorwoche (DefiLlama, 21.09.2026). Die Layer-2-Netze kommen zusammen auf rund 8,1 Milliarden US-Dollar, angeführt von Base mit 6,2 Milliarden und Arbitrum mit 1,5 Milliarden. Seit dem Upgrade Dencun im März 2024 sind die Kosten dort so weit gefallen, dass Layer 2 den Großteil der Transaktionen tragen. Für den Kurs ist das zweischneidig: Mehr Nutzung ist gut, aber die Gebühren, die früher auf Ethereum selbst anfielen und dort Ether verbrannten, fallen heute überwiegend auf den Layer 2 an.
Wie eng das Verhältnis ist, zeigte sich Mitte September: Die Ethereum Foundation und Coinbases Layer 2 Base haben ihre gemeinsame Arbeit an einem Wallet-Standard abgebrochen und verfolgen nun konkurrierende Entwürfe (BTC-ECHO, 16.09.2026).
Upgrades: Glamsterdam soll im Dezember kommen
Das nächste große Upgrade heißt Glamsterdam. Die Ethereum Foundation nennt in ihrer Prioritätenliste vom 7. September 2026 den Dezember 2026 als Termin für das Hauptnetz. Das Testnetz Platåberget läuft seit dem 20. August 2026 und enthält unter anderem die im Protokoll verankerte Trennung von Block-Vorschlag und Block-Bau (EIP-7732) sowie Zugriffslisten auf Blockebene (EIP-7928), die eine parallele Verarbeitung von Transaktionen erlauben. Für das Testnetz Sepolia ist der 6. Oktober 2026 vorgesehen (CoinDesk, 17.09.2026).
Was das an Kapazität bringt, lässt sich bislang nur im Test beziffern: Dort wurde das Gaslimit von 60 auf 200 Millionen angehoben; der Client Nethermind verarbeitete in 2.302 Durchläufen 570,7 Milliarden Gas in drei Minuten und 15 Sekunden. Für das Hauptnetz ist dieser Wert ausdrücklich noch keine Zusage. Danach folgt laut Ethereum Foundation das Upgrade Hegotá; als übergeordnetes Ziel nennt sie eine quantenresistente Basisschicht bis Dezember 2029 bei einem Fork-Rhythmus von durchschnittlich 7,2 Monaten.
Makro: Staking-Rendite gegen fünf Prozent am Anleihemarkt
Am 16. September hat die US-Notenbank den Leitzins einstimmig mit 12 zu 0 Stimmen um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben, zum ersten Mal seit Juli 2023 (FOMC-Erklärung vom 16.09.2026). Sechzehn von 18 Mitgliedern des Offenmarktausschusses rechnen mit mindestens einer weiteren Erhöhung in diesem Jahr.
Für Ether ist der Vergleich mit dem Anleihemarkt direkter als für Bitcoin, weil Staking eine laufende Rendite abwirft. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten am 18. September mit 5,01 Prozent (US-Finanzministerium, tägliche Zinsstrukturkurve, letzter veröffentlichter Wert), die Staking-Rendite liegt bei 2,58 Prozent im Jahr. Wer Ether staket, nimmt also eine um rund 2,4 Prozentpunkte niedrigere laufende Rendite in Kauf und setzt darauf, dass der Kursgewinn die Differenz mehr als ausgleicht. Dass die Eintrittswarteschlange trotzdem 30 Tage lang ist, zeigt, wie viele Halter diese Rechnung derzeit annehmen.
Regulierung: Das gescheiterte US-Gesetz trifft Ethereum besonders
Der Digital Asset Market Clarity Act hat am 15. September im US-Senat die nötigen 60 Stimmen verfehlt (49 zu 50). Für Ethereum wiegt das schwerer als für Bitcoin, weil das Gesetz die Regeln für dezentrale Finanzanwendungen geordnet hätte, und die laufen überwiegend auf Ethereum. Standard Chartered hatte den CLARITY Act im Januar ausdrücklich als einen der drei Treiber für seine Ether-Prognose genannt. SEC-Chef Paul Atkins und CFTC-Chef Mike Selig haben angekündigt, die Regeln nun ohne Gesetz zu erlassen (The Block, 16.09.2026).
Die EU-Kryptomärkte-Verordnung MiCA gilt seit dem 1. Juli 2026 ohne Übergangsfristen (ESMA, Public Statement). Parallel bauen Banken Angebote auf: Die Deutsche Bank will noch 2026 eine Verwahrung für Bitcoin, Ether und Stablecoins für institutionelle Kunden starten, gemeinsam mit Bitpanda und Taurus (The Block, 16.09.2026).
Stimmung und Risiken im Netzwerk
Der Fear-and-Greed-Index steht am 21. September bei 70 und damit im Bereich “Gier”, nach 51 in der Vorwoche. Der Wert gilt für den gesamten Kryptomarkt, nicht für Ethereum allein, und bildet den Tagesbeginn 00:00 UTC ab. Das Verhältnis von Marktwert zu durchschnittlichem Einstandspreis (MVRV) lag am 16. September bei 1,44 und ist mit dem Kursanstieg seither gestiegen; ein aktueller Wert aus einer prüfbaren Quelle lag zum Redaktionsschluss nicht vor (letzter belegter Stand: BTC-ECHO, 16.09.2026).
Das Risiko der Anwendungsschicht bleibt sichtbar: Am 15. September nutzte ein Angreifer eine fehlerhafte Berechtigungsprüfung in einem Vertrag rund um eine Uniswap-v4-Liquiditätsposition und brachte 7,81 Millionen US-Dollar in rsETH in seine Gewalt; ein automatisierter Handelsbot kam ihm im selben Block zuvor (The Defiant, 15.09.2026).