Die Einnahmen
Hyperliquid betreibt eine Handelsplattform für Terminkontrakte und Kassageschäfte auf einer eigenen Blockchain. Dafür fallen Gebühren an, und DefiLlama weist sie getrennt aus (Abruf 22.09.2026):
- Terminkontrakte: 2.127.623 US-Dollar in 24 Stunden, 72.290.250 in 30 Tagen
- Kassahandel über das Orderbuch: 70.803 US-Dollar in 24 Stunden, 3.024.336 in 30 Tagen
- Der hauseigene Liquiditätspool: 17.698 US-Dollar in 24 Stunden, 594.842 in 30 Tagen
Zusammen 2,22 Millionen US-Dollar am Tag und 75,91 Millionen in 30 Tagen. Auf ein Jahr hochgerechnet sind das rund 924 Millionen US-Dollar.
Diese Zahl erlaubt etwas, das bei Kryptowerten selten möglich ist: eine Bewertung nach Einnahmen. 20,85 Milliarden Marktkapitalisierung geteilt durch 924 Millionen ergibt den Faktor 23. Zum Vergleich werden etablierte Börsenbetreiber an den Aktienmärkten häufig mit einstelligen bis niedrigen zweistelligen Vielfachen ihres Umsatzes gehandelt.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens ist die Hochrechnung aus 30 Tagen bei einem so jungen Geschäft unsicher; Handelsgebühren schwanken mit der Marktaktivität und fallen in ruhigen Phasen deutlich. Zweitens fließen diese Gebühren nicht automatisch und nicht vollständig den Token-Haltern zu.
Der Vorbehalt, der alles relativiert
Im Umlauf sind 222,4 Millionen HYPE. Das Maximum beträgt 1.000 Millionen, die von CoinGecko ausgewiesene Gesamtmenge 955,3 Millionen. Im Umlauf ist also 22,2 Prozent des Maximums; rund 733 Millionen Token sind zugeteilt, aber noch nicht frei handelbar.
Was das bedeutet, lässt sich ausrechnen. Würde das gesamte Maximalangebot heute zum aktuellen Kurs bewertet, läge die Bewertung bei rund 93,8 Milliarden US-Dollar statt bei 20,85 Milliarden. Das Vielfache der Jahreseinnahmen stünde dann nicht bei 23, sondern bei rund 101.
Das ist der wichtigste Satz dieser Seite: Die attraktive Bewertungskennzahl gilt nur für den heute umlaufenden Teil. Jede Freigabe verschiebt sie. Wann und in welchen Schritten die gesperrten Token in den Markt kommen, ist für jede HYPE-Prognose die entscheidende Größe.
Der gebundene Wert
Auf der eigenen Chain sind 1,29 Milliarden US-Dollar in Anwendungen gebunden (DefiLlama, 22.09.2026). Gegen 20,85 Milliarden Marktkapitalisierung ist das ein Verhältnis von 16 zu 1. Das ist schlechter als bei Tron mit 5,7 zu 1, aber deutlich besser als bei Hedera mit 107 zu 1.
Makro und Marktumfeld
Für einen Handelsplatz ist Schwankung der Rohstoff, nicht der Zins. Die US-Notenbank erhöhte den Leitzins am 16. September 2026 einstimmig um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent (FOMC-Erklärung), zehnjährige US-Staatsanleihen lagen am 18. September bei 5,01 Prozent (US-Finanzministerium, tägliche Zinsstrukturkurve). Höhere Zinsen dämpfen die Risikobereitschaft und damit das Volumen; unruhige Märkte erhöhen es wieder.
Für eine Handelsplattform ist das Umfeld zweischneidig. Steigende Zinsen dämpfen die Risikobereitschaft, was Handelsvolumen kostet. Zugleich profitieren Plattformen für Terminkontrakte von Schwankungen, und die gab es im September reichlich: In 24 Stunden wurden marktweit Positionen über 930 Millionen US-Dollar zwangsgeschlossen (Coinglass, Gesamtmarkt, 21.09.2026).
Regulierung
Gehebelte Terminkontrakte sind in den meisten Rechtsordnungen erlaubnispflichtig – das ist hier das eigentliche Risiko. MiCA wird in der EU seit dem 1. Juli 2026 ohne Ausnahmen angewandt (ESMA, Public Statement), und der Digital Asset Market Clarity Act scheiterte am 15. September 2026 im US-Senat. Für die deutsche Besteuerung gilt der Ratgeber Ab wann muss man Krypto versteuern.
Bei Hyperliquid liegt das regulatorische Risiko höher als bei einer reinen Zahlungsnetzwerk, weil gehebelte Terminkontrakte in vielen Rechtsordnungen erlaubnispflichtig sind. Ein Spot-ETF auf HYPE ist in den USA nicht zugelassen.
Stimmung
Der Fear-and-Greed-Index steht bei 70 nach 51 in der Vorwoche, also im Bereich “Gier”. Bei einem Wert, der einen Tag nach seinem Allzeithoch notiert, ist das erwartbar und taugt nicht als eigenständiges Signal.