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Krypto Presales: Wie Vorverkäufe funktionieren und welche Risiken du kennen musst

Wie Krypto-Presales und ICOs ablaufen, warum viele Presale-Listen Werbung sind und wie du ein Token-Angebot nach MiCA prüfst.

Titelbild „Krypto-Presales“ – Ratgeber von Krypto-Boersen.com

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei Krypto Presales verkauft ein Projekt seine Token, bevor sie an einer Börse handelbar sind, oft in Stufen mit steigendem Preis.
  • Viele „Presale-Listen“ und Empfehlungen in sozialen Medien sind bezahlte Werbung, Aufsichtsbehörden haben solche Fälle mehrfach geahndet.
  • Hauptrisiken sind Sperrfristen, eine Token-Verteilung zugunsten des Teams, Rug Pulls und gefälschte Projektseiten.
  • Seit dem 30. Dezember 2024 brauchen öffentliche Token-Angebote in der EU grundsätzlich ein Kryptowerte-Whitepaper nach MiCA, das keine Behörde genehmigt.
  • Prüfe Whitepaper, Anbieter, Verteilung und Sperrfristen und setze nur Geld ein, dessen Totalverlust du verkraften kannst.

Krypto Presales sind Vorverkäufe, in denen ein Projekt neue Token anbietet, bevor sie an einer Börse gehandelt werden. Käufer zahlen meist in Krypto oder Euro und erhalten die Token erst später. Der frühe Einstieg wird mit niedrigen Preisen beworben, doch viele Projekte scheitern, und ein Teil der Angebote ist von Anfang an Betrug.

Was sind Krypto Presales?

Ein Presale ist die erste Verkaufsrunde eines neuen Tokens. Das Projekt sammelt damit Geld für Entwicklung und Marketing, der Käufer bekommt dafür Token zu einem festgelegten Preis. Was ein Token im Unterschied zu einem Coin ist, erklärt unser Ratgeber zum Unterschied zwischen Coins und Token.

Für das Projekt ist der Vorverkauf Finanzierung, für dich ist er eine Wette auf ein Produkt, das es meist noch nicht gibt. Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA formulierte das schon am 13. November 2017 deutlich: Die meisten Token-Verkäufe stammen von Unternehmen in einem sehr frühen Stadium mit hohem Ausfallrisiko.

ICO, IEO, IDO: die Varianten

Begriff Wer verkauft Besonderheit
Presale Das Projekt selbst, oft über die eigene Webseite Meist mehrere Preisstufen vor dem Handelsstart
ICO (Initial Coin Offering) Das Projekt, öffentlich Begriff des Booms 2017/2018, heute oft gleichbedeutend mit Presale
IEO (Initial Exchange Offering) Eine zentrale Börse im Auftrag des Projekts Börse wählt Projekte aus, Handel startet dort
IDO (Initial DEX Offering) Ein Smart Contract auf einer dezentralen Plattform Kauf direkt aus der eigenen Wallet, kaum Vorabprüfung

Wie Handelsplätze ohne zentrale Betreiber funktionieren, beschreibt unsere Seite zu dezentralen Börsen.

So läuft ein Krypto-Presale ab

  1. Ankündigung: Webseite, Whitepaper, Social-Media-Kanäle und meist ein Countdown.
  2. Preisstufen: Der Preis steigt von Stufe zu Stufe. Das erzeugt Zeitdruck, weil „morgen alles teurer“ ist.
  3. Zahlung: Du verbindest eine Wallet mit der Verkaufsseite oder zahlst per Karte. Die Token werden reserviert, aber noch nicht übertragen.
  4. Claim: Nach Ende des Verkaufs holst du die Token über die Projektseite ab.
  5. Listing: Der Token wird an einer dezentralen oder zentralen Börse handelbar. Erst ab hier gibt es einen Marktpreis.
  6. Freigaben: Token von Team, Investoren und oft auch Käufern werden nach einem Zeitplan schrittweise frei.

Warum Presale-Listen oft bezahlte Werbung sind

Wer nach Presale Coins sucht, landet schnell auf Ranglisten mit Titeln wie „die besten Presales des Monats“. Für Projekte ist Sichtbarkeit in der Vorverkaufsphase alles, entsprechend viel Geld fließt in Werbeartikel, Influencer und Partnerprogramme. Eine Rangliste sagt deshalb oft mehr über das Werbebudget als über die Qualität eines Projekts.

Behörden haben solche Werbung mehrfach geahndet. Am 29. November 2018 verhängte die SEC Strafen gegen den Boxer Floyd Mayweather Jr. und den Musiker DJ Khaled, weil sie Token-Verkäufe beworben hatten, ohne ihre Bezahlung offenzulegen. Am 3. Oktober 2022 zahlte Kim Kardashian 1,26 Millionen US-Dollar, um Vorwürfe zu einem bezahlten Instagram-Beitrag für einen Token beizulegen.

Auch die BaFin kritisiert, dass sogenannte Finfluencer oft nicht offenlegen, ob sie bezahlt werden oder selbst Coins halten. In der EU gilt seit MiCA: Werbung für ein Token-Angebot muss klar als Werbung erkennbar sein, darf nicht irreführen und erst nach Veröffentlichung des Whitepapers erscheinen.

Risiken bei Presale Coins

Bei Krypto-Presales trägst du mehrere Risiken gleichzeitig, die sich gegenseitig verstärken können.

Sperrfristen und Vesting

Viele Presales geben die gekauften Token nicht sofort frei, sondern über Monate verteilt. Fällt der Kurs nach dem Listing, kannst du nicht verkaufen. Gleichzeitig erhalten Team und frühe Investoren ihre Token oft nach eigenen Zeitplänen, und jede Freigabe kann zusätzlichen Verkaufsdruck bringen.

Token-Verteilung

Schau dir an, wer wie viele Token bekommt. Hält das Team einen großen Anteil, den es nie bezahlt hat, steht deinem Einsatz ein großer Bestand gegenüber, der beim ersten Kursanstieg verkauft werden kann.

Rug Pull und Exit-Scam

Beim Rug Pull sammeln die Macher Geld ein und verschwinden oder ziehen die Liquidität ab. Laut BaFin brechen die Kurse regelmäßig ein, wenn sich Eingeweihte planmäßig zurückziehen, bis hin zum Totalverlust. Weitere Maschen beschreibt unser Ratgeber zu Krypto-Betrug.

Fake-Projekte und gefälschte Seiten

Kopierte Webseiten bekannter Projekte, gefälschte Teammitglieder und erfundene Partnerschaften sind verbreitet. Besonders gefährlich sind Verkaufsseiten, die beim Verbinden der Wallet eine Freigabe verlangen, mit der Täter dein Guthaben abziehen können. Gib deshalb nie deine Seed Phrase ein, wie unser Ratgeber zur Seed-Phrase-Sicherheit erklärt.

Kein Markt, kein Ausstieg

Bis zum Listing gibt es keinen Handelsplatz. Verzögert sich der Start oder kommt er nie, sitzt du auf Token ohne Preis. Die ESMA nannte fehlende Ausstiegsmöglichkeiten schon 2017 als eines der Hauptrisiken.

Rechenbeispiel: was Preisstufen bedeuten

Viele Krypto-Presales arbeiten mit festen Preisstufen. Die Zahlen sind frei erfunden und dienen nur zur Veranschaulichung. Ein Projekt gibt 1 Milliarde Token aus. 100 Millionen davon verkauft es in fünf Stufen zu je 20 Millionen Token, der Preis steigt von 0,010 € auf 0,020 €. Als Listing-Preis kündigt es 0,030 € an.

Größe Wert im Beispiel
Einnahmen aus dem Presale 1,5 Mio. €
Durchschnittspreis der Käufer 0,015 €
Rechnerischer Wert aller Token zum Listing-Preis 30 Mio. €
Team-Anteil von 20 % zum Listing-Preis 6 Mio. €, ohne Einzahlung

Das Projekt bewertet sich also mit dem Zwanzigfachen dessen, was Käufer tatsächlich eingezahlt haben. Wer in der letzten Stufe kauft, zahlt doppelt so viel wie die ersten Käufer. Der angekündigte Listing-Preis ist nur ein Versprechen, den echten Preis bestimmen Angebot und Nachfrage am ersten Handelstag.

Rechtslage: Was MiCA für Krypto Presales vorschreibt

Seit dem 30. Dezember 2024 gilt Titel II der EU-Verordnung 2023/1114 über Märkte für Kryptowerte (MiCA). Er regelt öffentliche Angebote von Kryptowerten, die keine Stablecoins im Sinne der Verordnung sind, also auch typische Presales.

Pflichten für Anbieter

  • Juristische Person: Anbieten darf nur eine Firma, keine anonyme Gruppe (Art. 4).
  • Whitepaper: Das Kryptowerte-Whitepaper muss Angaben zu Anbieter, Projekt, Token, Rechten und Risiken enthalten (Art. 6).
  • Übermittlung: Es muss der zuständigen Behörde übermittelt werden, in Deutschland laut BaFin spätestens 20 Arbeitstage vor der Veröffentlichung (Art. 8).
  • Werbung: Sie muss mit dem Whitepaper übereinstimmen und darf erst nach dessen Veröffentlichung erscheinen (Art. 7).
  • Widerrufsrecht: Kaufst du als Privatkunde direkt beim Anbieter, kannst du 14 Kalendertage lang ohne Kosten widerrufen. Das gilt nicht mehr, wenn der Token vor deinem Kauf schon zum Handel zugelassen war (Art. 13).

Was das Whitepaper nicht bedeutet

Die BaFin prüft oder genehmigt das Whitepaper nicht. Auf der ersten Seite muss sogar stehen, dass keine Behörde in der EU das Dokument genehmigt hat und allein der Anbieter verantwortlich ist. Zusätzlich muss es warnen, dass der Token seinen Wert ganz oder teilweise verlieren kann und weder Einlagensicherung noch Anlegerentschädigung greifen.

Ausnahmen

Ohne Whitepaper erlaubt sind unter anderem Angebote an weniger als 150 Personen je Mitgliedstaat, Angebote mit höchstens 1 Million Euro Gegenwert in zwölf Monaten und Angebote nur an qualifizierte Anleger. Ein Presale, der europaweit im Internet beworben wird und Millionen einsammelt, fällt in aller Regel nicht darunter. Gemeldete Whitepaper veröffentlicht die ESMA in ihrem MiCA-Register, mehr dazu auf unserer Seite zur MiCA-Lizenz.

Der ICO-Boom 2017/2018: was davon bleibt

Eine in der Fachzeitschrift Journal of Corporate Finance veröffentlichte Studie von Hugo Benedetti und Leonard Kostovetsky (Februar 2021) wertete 2.390 abgeschlossene ICOs aus, die zusammen rund 12 Milliarden US-Dollar einsammelten, überwiegend nach Januar 2017. Käufer erzielten im Schnitt hohe Gewinne bis zum ersten Handelstag. Solche Durchschnitte sagen aber wenig darüber, was dir mit einem einzelnen Projekt passiert, zumal ein Teil der Token nie in den Handel kam.

Wie ein Fall aus dieser Zeit aussah, zeigt die Klage der SEC vom 2. April 2018 gegen die Gründer von Centra Tech. Sie sollen 2017 mehr als 32 Millionen US-Dollar eingesammelt haben, mit erfundenen Führungskräften, falschen Partnerschaften mit Kartenanbietern und bezahlter Werbung durch Prominente. Parallel erhob die Staatsanwaltschaft in New York Strafanzeige.

Ist ein Presale seriös? Die Prüf-Checkliste

Bevor du bei Krypto-Presales Geld einsetzt, geh diese Punkte durch:

  1. Whitepaper nach MiCA: Gibt es eins, mit Pflichthinweisen und Angaben zum Anbieter? Ist es im ESMA-Register gemeldet?
  2. Anbieter: Firmenname, Sitz, Handelsregister und Verantwortliche mit überprüfbarer Vorgeschichte.
  3. Token-Verteilung: Welcher Anteil geht an Team und Investoren, und zu welchem Preis?
  4. Sperrfristen: Wann werden deine Token frei, wann die des Teams?
  5. Produkt: Gibt es Code, eine Testversion oder ein Sicherheitsgutachten zu den Smart Contracts?
  6. Werbung: Ist sie als Werbung gekennzeichnet? Wird mit festen Kurszielen oder „100-fach“ geworben?
  7. Zahlungsweg: Seriöse Projekte verlangen nie deine Seed Phrase oder unbegrenzte Freigaben.
  8. Warnlisten: Prüfe Projekt und Firma in den Verbraucherwarnungen der BaFin.

Alternativen zum Presale

Wer in Kryptowährungen investieren möchte, muss nicht an Krypto-Presales teilnehmen. Etablierte Coins haben einen Marktpreis, eine Handelshistorie und lassen sich jederzeit verkaufen. Einen Überblick über Kurse und Projekte findest du unter Kryptowährungen, Hilfe bei der Auswahl im Ratgeber Welche Kryptowährung kaufen?.

Gekauft wird am einfachsten bei einer Börse mit MiCA-Lizenz, unser Börsenvergleich zeigt Anbieter mit Lizenz:

  1. 1

    Trade Republic

    9,1/10 Trust Score A 86/100 Gebühr: 1 € je Order

  2. 2

    Bitvavo

    8,9/10 Trust Score A 88/100 Gebühr: 0,25 %

    Zum Testbericht
  3. 3

    Bitpanda

    8,6/10 Trust Score A 82/100 Gebühr: 0,99 %

    Zu Bitpanda* Testbericht
  4. 4

    N26

    8,5/10 Trust Score A 85/100 Gebühr: 1,50 %

    Zu N26* Testbericht
  5. 5

    Revolut

    8,5/10 Trust Score A 86/100 Gebühr: 1,49 %

    Zu Revolut* Testbericht

Alle Krypto-Börsen im Vergleich

Wer neue Token ohne Kaufpreis ausprobieren möchte, findet im Ratgeber zum Krypto-Airdrop Hinweise, wie das sicher geht. Für reine Spekulationstoken lohnt sich ein Blick in den Ratgeber zu Memecoins.

Steuern auf Presale-Token

Gekaufte Token behandelt das Steuerrecht wie andere Kryptowerte. Verkaufst du sie innerhalb eines Jahres nach dem Kauf mit Gewinn, ist dieser in der Regel steuerpflichtig, danach steuerfrei. Den Rahmen erklären unsere Seiten zur Krypto-Haltefrist und zu Krypto-Steuern, im Einzelfall hilft Steuerberatung.

Häufige Fragen zu Krypto Presales

Was ist ein Krypto-Presale?

Ein Vorverkauf neuer Token, bevor sie an einer Börse handelbar sind. Das Projekt finanziert sich damit, die Käufer erhalten die Token meist erst nach Ende des Verkaufs.

Sind Krypto Presales seriös?

Manche Projekte sind echte Unternehmen mit Whitepaper nach MiCA, viele scheitern trotzdem. Daneben gibt es zahlreiche Fake-Projekte. Prüfe jedes Angebot mit der Checkliste oben und rechne mit dem Totalverlust.

Was ist der Unterschied zwischen Presale und ICO?

Kaum einer. ICO war der verbreitete Begriff während des Booms 2017/2018, heute wird meist von Presale oder Token-Sale gesprochen. Gemeint ist in beiden Fällen der Verkauf neuer Token an die Öffentlichkeit.

Sind Presales in Deutschland legal?

Ja, wenn der Anbieter die Regeln einhält. Öffentliche Angebote brauchen nach MiCA grundsätzlich ein übermitteltes und veröffentlichtes Whitepaper. Je nach Ausgestaltung des Tokens können zusätzlich andere Gesetze gelten, etwa für Wertpapiere.

Kann ich einen Presale-Kauf widerrufen?

Kaufst du direkt beim Anbieter, sieht MiCA ein Widerrufsrecht von 14 Kalendertagen vor. Es entfällt, wenn der Token vor deinem Kauf schon handelbar war, und nach Ende einer befristeten Zeichnungsfrist.

Wo finde ich Presale Coins?

Listen und Influencer-Tipps sind häufig bezahlte Werbung. Wir nennen und verlinken bewusst keine Presales. Ob ein Token-Angebot ein gemeldetes Whitepaper hat, kannst du im MiCA-Register der ESMA nachsehen.

Kryptowährungen sind sehr schwankungsanfällig. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.

Kevin van der Linden

Über Kevin van der Linden

Als Autor & Gründer von Krypto-Boersen.com liegt es mir am Herzen, meine Expertise in den Bereichen Kryptowährungen und Blockchain-Technologien zu teilen, um Ihnen eine seriöse Anlaufstelle für aktuelle Informationen zu bieten. Durch mein Studium der Medien- und Kommunikationsinformatik und meinem hohen Interesse an neuen Technologien und Finanzen, konnte ich über die letzten Jahre tiefe Einblicke in diese Themenfelder erlangen. Als leidenschaftlicher Krypto-Enthusiast und Investor weiß ich, wie wichtig es ist, auf dem neuesten Stand zu bleiben und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Mein Ziel ist es, Ihnen dabei zu helfen, das nötige Verständnis für die Chancen und Risiken des Marktes aufzubauen.

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