Mit dem Ende der Konsultation zur EU-Kryptoverordnung MiCA liegen die Wünsche der Branche auf dem Tisch. Circle, Aave und die Lobby von Hyperliquid verlangen lockerere Reserveregeln, Erträge auf Stablecoins und eine engere Auslegung für DeFi. Die Aufsicht will in die Gegenrichtung, entschieden ist noch nichts.
Die EU-Kommission hatte vom 20. Mai bis zum 30. September um Stellungnahmen gebeten. Sie soll prüfen, ob MiCA seit dem Start noch “fit for purpose” ist, wie es in der Ausschreibung der Kommission heißt. Daraus kann ein neuer Gesetzesvorschlag werden.
Circle will weniger Geld bei Banken parken müssen
Der Emittent des Stablecoins USDC zielt auf die Reservevorschriften. Nach Angaben von The Block verlangt Circle, die Pflicht zu streichen, 30 bis 60 Prozent der Reserven als Bankeinlagen zu halten. An ihre Stelle soll eine Regel treten, die nur fragt, wie schnell sich die Reserven zu Geld machen lassen. Fallen sollen auch die Obergrenzen von 35 Prozent je Staat und 1,5 Prozent je Bank, die einen Dollar-Stablecoin zwingen, Konten bei Dutzenden Instituten zu führen.
Außerdem will Circle die sogenannte Mehrfachausgabe erhalten: Derselbe Stablecoin wird von einer EU-Tochter und einer Gesellschaft außerhalb der EU ausgegeben und ist frei austauschbar.
Aave Labs, Entwickler des gleichnamigen Kreditprotokolls, reichte am 30. September eine eigene Antwort ein. Kern ist die Frage, wen MiCA überhaupt regeln soll. “The most important question in DeFi regulation is not ‘is it on a blockchain?’ It is ‘who is in charge?'”, heißt es auf der Seite von Aave zur MiCA-Überprüfung. Gemeint ist: Lizenzen für erkennbare Firmen, nicht für offenen Code.
Zinsen, die Kreditnehmer für geliehene Stablecoins zahlen, seien zudem kein verbotener Ertrag fürs bloße Halten.
Das Hyperliquid Policy Center um den Juristen Jake Chervinsky will Perpetuals, also Terminkontrakte ohne Laufzeitende, nicht unter MiCA, sondern unter die bestehende Finanzmarktrichtlinie MiFID II stellen. Rund 50.000 Zuschriften kamen nach Angaben der Kampagne Stand With Crypto EU von Bürgern, die Belohnungen auf Stablecoins erlauben wollen.
Die ESMA verlangt mehr Befugnisse statt weniger
Auf der anderen Seite steht die europäische Wertpapieraufsicht. In ihrer Antwort, über die wir berichtet haben, verlangt sie, Kryptowerte bei Verdacht sofort einfrieren zu lassen, eine eigene Erlaubnis für Börsen, die den Weg zu DeFi-Protokollen öffnen, und ein Verbot, Stablecoins ohne MiCA-Zulassung zu verwahren oder zu übertragen. Den Begriff der Dezentralität will sie möglichst eng fassen.
Beide Lager streiten also über dieselbe Stelle.
Die Branche will dezentrale Protokolle aus der Aufsicht heraushalten, die ESMA will sie über die Börsen erfassen, die den Zugang anbieten. Bei Stablecoins drängt Circle auf billigere Reserven und Aave auf Erträge, während die Aufsicht den Zugang zu nicht zugelassenen Token ganz schließen möchte.
Für Stablecoin-Nutzer in Europa ändert sich vorerst nichts
Bis die Kommission entscheidet, gelten die heutigen Regeln. Wer in der EU Stablecoins hält, bekommt darauf weiterhin keine Zinsen vom Emittenten. Was Stablecoins sind und wie sie gedeckt werden, erklärt unser Ratgeber Was sind Stablecoins?.
Ihren Bericht zur Überprüfung muss die Kommission nach Artikel 140 der Verordnung bis Ende Juni 2027 vorlegen, und ob er einen Gesetzentwurf enthält, ist offen.
Wer sich nicht auf einzelne Token festlegen will, kann über Krypto-ETPs im Wertpapierdepot investieren, unter anderem bei Scalable Capital. Wo Stablecoins direkt handelbar sind, zeigt unser Krypto-Börsen Vergleich.


























