Die Kryptobörse Coinbase öffnet berechtigten Privatkunden in den Vereinigten Staaten den Zugang zu Zuteilungen bei Börsengängen, und zwar zum Ausgabepreis und vor dem Start des öffentlichen Handels. Den Anfang macht in dieser Woche der Gesundheitstechnik-Anbieter Oura. In Deutschland ist das Angebot nicht verfügbar. Das Verfahren entspricht dem, was bisher institutionellen Anlegern und großvolumigen Depots vorbehalten war. Kunden können eine Zuteilung beantragen und erhalten sie je nach Nachfrage vollständig, teilweise oder gar nicht. Abgewickelt wird das Angebot über Coinbase Capital Markets; Ausführung, Abrechnung und Verwahrung übernimmt der Dienstleister Apex. Coinbase ordnet den Schritt selbst in eine größere Linie ein. Das Unternehmen beschreibt das Angebot als weiteren Schritt zur “Everything Exchange”, also zu einer Plattform, die neben Kryptowerten auch Aktien, Optionen und andere Produkte des klassischen Marktes führt. Im Juni hatte Coinbase bereits Terminkontrakte auf noch nicht börsennotierte Unternehmen gestartet, damals auf SpaceX und ausdrücklich nur für Kunden außerhalb der USA.
Warum der Zugang zum Ausgabepreis für Privatanleger selten ist
Bei einem Börsengang legt die begleitende Bank einen Ausgabepreis fest und verteilt die Aktien vor dem ersten Handelstag. Wer zu diesem Preis zum Zug kommt, kauft zu denselben Bedingungen wie institutionelle Zeichner. Privatanleger erhalten im Regelfall keine Zuteilung und kaufen erst am offenen Markt, oft zu einem Kurs, der am ersten Tag bereits über dem Ausgabepreis liegt. Das ist allerdings keine Einbahnstraße. Ein Ausgabepreis ist kein günstiger Preis, sondern ein ausgehandelter; Börsengänge können auch unter dem Ausgabepreis eröffnen und darunter bleiben. Hinzu kommt, dass eine Zuteilung bei hoher Nachfrage klein ausfällt und bei geringer Nachfrage groß, was das Verhältnis von Chance und Risiko eher verschiebt als verbessert. Für Coinbase selbst liegt der Nutzen in der Bindung. Wer für eine Zeichnung ein Guthaben vorhalten muss, hält es auf der Plattform. Wie breit das Angebot des Anbieters inzwischen ist, zeigt unsere Übersicht zu Coinbase in Deutschland.
Was das für Anlegerinnen und Anleger im deutschsprachigen Raum bedeutet
Der unmittelbare Effekt ist gering, die mittelbare Frage dafür konkret:
- Teilnehmen kann hier niemand. Das Angebot ist auf berechtigte Kunden in den USA beschränkt. Ein Konto bei Coinbase in Deutschland eröffnet keinen Zugang.
- Eine Übertragung nach Europa wäre kein Selbstläufer. Die Vermittlung und Platzierung von Aktien ist ein Wertpapiergeschäft. Die MiCA-Erlaubnis für Kryptowerte deckt das nicht ab; dafür wäre eine gesonderte Zulassung als Wertpapierfirma nötig.
- Die Richtung ist die eigentliche Nachricht. Wenn Kryptobörsen zu allgemeinen Handelsplattformen werden, verschiebt sich der Wettbewerb zu klassischen Brokern hin, die den umgekehrten Weg gehen und Kryptowerte aufnehmen.
- Gebühren und Bedingungen sind offen. Zu Kosten der Zeichnung hat Coinbase keine Angaben gemacht. Die Konditionen des bestehenden Angebots stehen in unserer Übersicht zu den Coinbase-Gebühren.
Wer prüfen will, wie der Anbieter in Sicherheitsfragen aufgestellt ist, findet die Einordnung in unserem Beitrag dazu, ob Coinbase sicher ist. Die Einzelheiten zum Start hat The Block berichtet.
Wer Kryptowerte über einen in Europa zugelassenen Anbieter handeln möchte, findet unter anderem bei eToro ein Angebot. Weitere Handelsplätze stehen im Krypto-Börsen Vergleich.


























