Tether und Circle sperren Milliarden aus dem Binance-Hack
Minuten nach den ersten Abflüssen bei Binance sperrte Tether die größte Adresse des Angreifers, noch vor der Bestätigung der Börse. Auf den gesperrten Ethereum-Adressen liegen 1,38 Milliarden USDT und 829 Millionen USDC fest.
Noch bevor Binance den Angriff bestätigt hatte, war die größte Adresse des Angreifers gesperrt. Nach eigener Auswertung der Ethereum-Daten liegen dort und an acht weiteren Adressen 1,38 Milliarden USDT und 829 Millionen USDC fest. Die Sperren zeigen, was Stablecoins von Bitcoin unterscheidet: Ihre Emittenten können jede Adresse einfrieren.
Tether setzt die erste Sperre um 22:01 Uhr
Am Donnerstag um 22:01 Uhr MEZ trug Tether eine Adresse, die mit 0x5227f603 beginnt, in die Sperrliste seines USDT-Contracts auf Ethereum ein, wie die Transaktion im Block-Explorer zeigt. Auf ihr lagen am Freitagmorgen 1,175 Milliarden USDT. Drei Minuten später sperrte Circle dieselbe Adresse für USDC, dort stecken 823 Millionen Dollar.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Binance noch nichts mitgeteilt. Die erste Bestätigung, dass die Börse einen Vorfall prüft, kam gegen 22:15 Uhr.
Bis 23:06 Uhr sperrte Tether auf Ethereum acht weitere Adressen, Circle bis 5:19 Uhr am Freitagmorgen acht weitere. Zusammen liegen auf den gesperrten Ethereum-Adressen 1,38 Milliarden USDT und 829 Millionen USDC. Tether-Chef Paolo Ardoino nannte auf X eine Summe von mehr als 1,567 Milliarden USDT, den Rest haben wir nicht nachvollzogen. Nach Angaben von CryptoSlate flossen auch 613 Millionen USDT über das Tron-Netz ab.
Ardoino schrieb dazu: “Protecting the industry and our partners is our main priority”, der Schutz der Branche und der Partner habe Vorrang.
Ein Eintrag im Smart Contract legt die Coins still
Möglich ist das, weil USDT und USDC keine freien Coins sind wie Bitcoin, sondern Guthaben in einem Smart Contract, den der Emittent verwaltet. Beide Contracts führen eine Sperrliste. Steht eine Adresse darauf, kann sie bei USDC weder senden noch empfangen; bei USDT kann sie nichts mehr überweisen, und Tether kann die gesperrten Coins zusätzlich vernichten und neu ausgeben.
Für Bitcoin und Ether gibt es keine solche Stelle.
Der Angreifer ist deshalb, wo er konnte, in solche Coins ausgewichen. Nach Angaben von The Defiant, die sich auf Arkham stützen, tauschte er Stablecoins im Wert von 911 Millionen Dollar in Ether und TRX, die Bitcoin aus der Beute hat er laut CoinDesk auf 19 Adressen verteilt. Diese rund 1,4 Milliarden Dollar kann niemand einfrieren.
Ripple, World Liberty und First Digital ziehen nach
Auch kleinere Emittenten griffen ein. Binance-Co-Chefin Yi He bedankte sich nach Angaben von Bitcoin.com bei Ripple: “Thanks to the Ripple team for promptly freezing approximately 200 million.” Ganz gelang die Sperre dort nicht, zuvor hatte der Angreifer bereits 36 Millionen RLUSD in Ether getauscht.
World Liberty Financial ließ über den Verwahrer BitGo 27 Millionen USD1 einfrieren, First Digital rund 3,4 Millionen FDUSD, Paxos nach Angaben von CryptoSlate 1.906 Unzen seines Goldtokens PAXG. Insgesamt meldet Binance rund drei Milliarden Dollar als eingefroren, bei einem geschätzten Schaden von 6,3 Milliarden Dollar; die Einzelheiten zum Hergang stehen in unserem Bericht zum Binance-Hack.
Jeder USDT-Halter trägt dieselbe Sperrfunktion in der Wallet
Für Binance ist die Funktion in dieser Nacht ein Gewinn, sie greift aber bei jedem Inhaber. Wer USDT oder USDC hält, auch in der eigenen Wallet, besitzt Guthaben, die der Emittent sperren kann. Eingesetzt wird die Sperre bislang vor allem nach Diebstählen und auf Anordnung von Behörden.
Wie die gesperrten Milliarden zu Binance zurückkommen, ist nach den bisher bekannten Mitteilungen offen.
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Kryptowährungen sind sehr schwankungsanfällig. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.




