Sicherheit & Betrug 2 Min. Lesezeit

Trezor erlaubt nach Coldcard-Diebstählen längere Passphrasen

Trezor erlaubt Passphrasen mit bis zu 128 statt 50 Zeichen und verweist auf die Coldcard-Diebstähle, bei denen eine starke Passphrase manche Opfer schützte. Die neue Grenze gilt nur mit aktueller Firmware.

Ein breites mattschwarzes Vorhängeschloss mit einer langen Reihe von Stellrädern und dem weißen Trezor-Logo auf der Vorderseite liegt auf einer hellgrauen Steinplatte.

Besitzer einer Trezor-Wallet können ihre Coins jetzt mit einer Passphrase von bis zu 128 Zeichen schützen, bisher waren es 50. Der Hersteller begründet das Update mit den Coldcard-Diebstählen vom Juli, bei denen eine starke Passphrase manche Opfer gerettet hatte. Die neue Grenze gilt nur mit aktueller Firmware.

“The limit was 50 characters, and it’s now 128 characters”, schreibt Trezor in seinem Blog zum Oktober-Update der Software Trezor Suite. Wer die längere Passphrase nutzen will, muss zuerst die Firmware des Geräts aktualisieren; ältere Fassungen bleiben bei 50 Zeichen.


Eine Passphrase öffnet eine zweite, verborgene Wallet

Die Wiederherstellungsphrase aus 12, 20 oder 24 Wörtern ist der Generalschlüssel einer Hardware-Wallet. Wer sie kennt, kann die Coins auf jedem anderen Gerät wiederherstellen.

Die Passphrase setzt eine zweite Bedingung obendrauf. Sie wird mit der Wiederherstellungsphrase zu einem neuen Schlüssel verrechnet, und jede andere Passphrase führt zu einer anderen Wallet mit eigenen Adressen. Ein Fehler meldet sich dabei nicht als Fehler: Wer sich vertippt, landet in einer leeren Wallet und nicht vor einer Fehlermeldung. Trezor warnt deshalb ausdrücklich, dass Coins verloren gehen können, wenn die Passphrase falsch eingegeben oder vergessen wird.

Gespeichert wird sie nirgends, weder auf dem Gerät noch bei Trezor.


Bei Coldcard fehlte der Zufall, nicht der Schlüssel

Im Juli erzeugte eine Schwachstelle in der Firmware mancher Coldcard-Geräte Wiederherstellungsphrasen mit weit weniger Zufall als vorgesehen. Angreifer konnten diese Phrasen nachrechnen, ohne je ein Gerät in der Hand zu haben. “Attackers recreated those backups offline and drained funds from thousands of addresses”, fasst Trezor zusammen. Im September brachten Whitehats 52 Bitcoin aus betroffenen Wallets in Sicherheit, bevor Angreifer sie abziehen konnten.

Geschützt waren nach Trezors Darstellung alle, die zusätzlich eine starke, nur für diesen Zweck verwendete Passphrase gesetzt hatten. Den Angreifern fehlte dann die zweite Hälfte des Schlüssels. Eine kurze oder schon anderswo verwendete Passphrase hätte dagegen kaum geholfen, weil sie sich mit Wortlisten durchprobieren lässt.

Rechnerisch ist schon eine zufällige Passphrase von 50 Zeichen nicht zu erraten. Mehr Platz hilft vor allem denen, die statt einer Zeichenkette einen ganzen Satz verwenden, den sie sich merken können.


Wer die längere Passphrase nutzt, muss alle Geräte aktualisieren

Für Bestandskunden ändert sich nichts, solange sie ihre Passphrase behalten. Wer eine längere anlegt, sollte vorher jedes Trezor-Gerät aktualisieren, auf dem er die Wallet je öffnen will, denn mit alter Firmware lassen sich mehr als 50 Zeichen nicht eingeben.

Dasselbe Update bringt Konten für Arc, das Netz von Circle, Token auf Stellar und einen CSV-Export der Handelshistorie. Für Trezor folgt es auf zwei unruhige Wochen: Erst Ende Oktober hatte der Hersteller vor einem mutmaßlichen Implantat in einem Safe 5 eines früheren Händlers gewarnt.

Über die Verluste der Coldcard-Besitzer soll derweil eine Sammelklage in Ontario entscheiden.

Kryptowährungen sind sehr schwankungsanfällig. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.

Coldcard Hardware-Wallet

Sven Meisinger

Über Sven Meisinger

Redakteur bei Krypto-Boersen.com mit Schwerpunkt auf fundierte Marktanalysen und aktuelle Entwicklungen im Bereich digitaler Assets. Durch tiefgreifende Recherche und datenbasierte Analysen liefert er präzise Einschätzungen zu Markttrends, regulatorischen Veränderungen und technologischen Innovationen in der Blockchain-Industrie. Seine Expertise umfasst sowohl technische Chartanalysen als auch fundamentale Bewertungen von Kryptowährungen und DeFi-Protokollen.

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