China will 61.896 Bitcoin aus dem Qian-Betrug selbst einziehen
Ein Gericht in Tianjin hat ein Verfahren zur Einziehung von 61.896 Bitcoin aus dem Betrugsfall Zhimin Qian eröffnet. Die Coins liegen in Großbritannien, wo noch offen ist, ob sie den Geschädigten gehören; entschieden ist in China noch nichts.
Ein Gericht in Tianjin hat ein Verfahren eröffnet, mit dem die chinesische Staatsanwaltschaft 61.896 Bitcoin aus dem Betrugsfall Zhimin Qian einziehen will. Die Coins liegen bei den britischen Behörden, und dort ist noch offen, ob sie den Geschädigten gehören; entschieden hat auch in China noch niemand.
Das Zweite Mittlere Volksgericht der Stadt Tianjin hat den Antrag der Zweigstelle der Volksstaatsanwaltschaft am 28. September angenommen und am 13. Oktober öffentlich bekanntgemacht. Gefordert wird die Einziehung von Qians rechtswidrigen Erträgen. Dass der Fall erst jetzt in der internationalen Fachpresse auftaucht, liegt an der Quelle: Die Bekanntmachung erschien nur auf Chinesisch, die Zeitung The Paper gab sie am 14. Oktober vollständig wieder, CoinDesk berichtete am Donnerstag.
Beim Kurs vom Donnerstagmittag sind die Bitcoin rund 5,07 Milliarden US-Dollar oder 4,52 Milliarden Euro wert.
Quelle: CoinGecko, Stand 22.10.2026, 12:01 Uhr MESZ
Die Staatsanwaltschaft Tianjin listet jeden Coin auf
Die Bekanntmachung beziffert den Bestand auf die achte Nachkommastelle: 61.896,41552945 Bitcoin, dazu jeweils rund 72.746 Bitcoin Cash, Bitcoin Gold und Bitcoin SV aus den Abspaltungen der Bitcoin-Blockchain sowie knapp 3,61 Millionen XRP. Rund 70,08 Millionen Dogecoin haben die britischen Justizbehörden nach der Bekanntmachung bereits zu Geld gemacht und auf ein verzinstes Konto gelegt. Hinzu kommen Bargeld in Dollar, Euro und Pfund, Schmuck, Bankguthaben und Wertpapierdepots.
Den Betrug selbst schildert die Staatsanwaltschaft so: Zwischen April 2014 und August 2017 verkaufte das von Qian kontrollierte Unternehmen Tianjin Lantian Gerui Electronic Technology angebliche Vermögensverwaltungsprodukte mit garantiertem Kapital und hohen Renditen. Eingesammelt wurden nach den Angaben rund 40,4 Milliarden Yuan von mehr als 102.000 Anlegern, deren Verluste bei fast 20 Milliarden Yuan liegen.
Qian setzte sich 2017 nach Großbritannien ab; nach Angaben der Wirtschaftszeitung Yicai genehmigte die Staatsanwaltschaft im Tianjiner Bezirk Hedong im Januar 2018 ihre Festnahme, im Februar 2018 folgte eine internationale Fahndung über Interpol.
London prüft weiter, ob den Anlegern die Bitcoin gehören
In Großbritannien wurde Qian im November 2025 wegen Geldwäsche zu elf Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Die Coins liegen seit der Beschlagnahme bei den britischen Behörden, und dort läuft ein eigenes Verfahren darüber, wem sie zustehen. Einen Tag vor der Bekanntmachung in Tianjin hatte der High Court in London entschieden, dass sich die Ansprüche der chinesischen Geschädigten nach chinesischem und nicht nach englischem Recht richten; das Urteil steht im Register der britischen Justiz.
Die beiden Verfahren verfolgen verschiedene Ziele. Die Anwälte der Geschädigten wollten in London durchsetzen, dass ihren Mandanten die Coins selbst gehören, samt dem Wertzuwachs seit 2017. Die britische Anklagebehörde CPS hält dagegen eine Entschädigung über einen Mechanismus der chinesischen Behörden für möglich, wie Yicai berichtet, und weitere Anhörungen sollen klären, ob die Anleger ein Recht an den Bitcoin nachweisen können. Die Kanzlei Fieldfisher, die einen Teil der Geschädigten vertritt, will gegen das Urteil zum anwendbaren Recht in Berufung gehen.
Ob und wie London einem Einziehungsbeschluss aus Tianjin folgen würde, hat keine Seite erklärt.
Geschädigte können sich sechs Monate lang dem Verfahren anschließen
Für die Anleger setzt das Gericht eine Frist von sechs Monaten ab der Bekanntmachung. In dieser Zeit können sich Geschädigte, Angehörige Qians und andere Betroffene als Beteiligte melden, und zwar über ein Programm des Gerichts im Messengerdienst WeChat. Wer das nicht tut, verliert seinen Anspruch nicht: In der englischen Wiedergabe von Yicai heißt es, die Betroffenen “will not lose in their right to receive compensation from the recovered assets”.
Für den Bitcoin-Markt geht es um eine der größten Einzelpositionen in staatlicher Hand. Der Bestand ist um rund ein Viertel größer als die knapp 50.000 Bitcoin, die Sachsen im Sommer 2024 aus dem Fall movie2k über mehrere Wochen verkaufte. Ob die britische Regierung die Bitcoin verkaufen, halten oder an China abgeben will, hat sie bislang nicht gesagt, und eine Frist für die nächste Anhörung in London ist nicht bekannt.
Rechnerisch endet die Meldefrist in Tianjin am 13. April 2027.
Kryptowährungen sind sehr schwankungsanfällig. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.




