Abracadabra erklärt seine Abwicklung mit zwei Stimmen für beschlossen
Abracadabra will sich auflösen und MIM-Halter mit rund 4 Cent je Token in Ether abfinden. Die Abstimmung trugen nur zwei Adressen, darunter die eigene Treasury; nach der Regel von Snapshot ist der Vorschlag am Quorum gescheitert, das Team wertet ihn als angenommen.
Das DeFi-Protokoll Abracadabra will sich auflösen und die Halter seines Stablecoins MIM mit rund 4 Cent je Token abfinden. Die Abstimmung darüber trugen nur zwei Adressen, eine davon die Treasury des Protokolls. Nach der Regel der Abstimmungsplattform Snapshot ist der Vorschlag am Quorum gescheitert, das Team wertet ihn nach einer selbst gesetzten Schwelle als angenommen.
Für den Plan stimmten vom 14. bis 15. Oktober auf Snapshot 396.163.281 SPELL, Gegenstimmen gab es keine. Davon kamen 296.115.861 von der Adresse, die der Block-Explorer Etherscan als “Abracadabra.Money: MIM Treasury Wallet” führt, die übrigen 100.047.421 vom Verfasser des Vorschlags. Bekannt wurde das Ergebnis erst am Mittwoch durch einen Bericht des Fachmediums Protos.
Begründet wird die Auflösung mit Zahlen, die der Vorschlag selbst nennt. Nach einer Reihe von Hacks deckten nur noch Sicherheiten im Wert von rund 1,2 Millionen Dollar die ausgegebenen MIM, davon seien etwa 300.000 Dollar in einem unveränderlichen Vertrag auf Arbitrum gebunden und auf Jahre nicht greifbar. Dem stehen fast 22 Millionen MIM gegenüber, die nicht auf Adressen des Protokolls liegen. Ein Stablecoin, der einen Dollar wert sein soll, ist damit zu mehr als 95 Prozent ungedeckt.
Für jeden MIM bleiben nach dieser Rechnung 4 Cent.
“MIM, as a CDP stablecoin, is a liability to the protocol, and therefore senior to SPELL”, heißt es im Vorschlag mit Verweis auf eingeholten Rechtsrat. Als Stablecoin, den Nutzer gegen Sicherheiten leihen, sei MIM eine Verbindlichkeit des Protokolls und gehe dem Governance-Token SPELL vor. Bis diese Schuld bedient ist, habe SPELL keinen buchhalterischen Wert. Abracadabra ist nicht das einzige DeFi-Protokoll, das in diesem Herbst aufgibt: Balancer will seine Kasse an die Token-Halter verteilen.
Zwei Adressen ersetzen ein Quorum von drei Milliarden Stimmen
Das Snapshot-Konto von Abracadabra verlangt für einen gültigen Beschluss fest drei Milliarden Stimmen. Der Vorschlag hält das für sinnlos, weil es zum Zeitpunkt der Abstimmung nur 1.030.156.194 Stimmen gab, und erklärt 30 Prozent davon zur Schwelle, also 309.046.858. Ändern ließ sich die Vorgabe nach Darstellung des Teams nicht: Die Verwaltungsschlüssel lägen bei früheren Mitgliedern, die “not reachable” seien, also nicht erreichbar.
Ein erster Anlauf Ende September war an derselben Hürde gescheitert, damals mit 100.047.421 Stimmen des Verfassers dafür und 523.446 dagegen. Der zweite Vorschlag ist nach Darstellung von Protos inhaltlich fast gleich und bringt vor allem die neue Schwelle mit, die erst mit der Stimme der Treasury überschritten war.
Mikko Ohtamaa, Mitgründer von Trading Strategy, nannte schon den ersten Anlauf auf X “treasury looting”, eine Plünderung der Kasse. Protos verweist auf rund 8,3 Millionen Dollar, die am 14. Juli aus Safes des Protokolls abflossen und auf die der Vorschlag nicht eingeht. Nach Angaben von Protos kaufte der Verfasser zudem den größten Teil seiner 100 Millionen SPELL mit USDC und WETH, die überwiegend aus der Treasury-Wallet stammten.
Auf der Treasury-Wallet selbst lagen am Mittwochabend nach Etherscan Token im Wert von rund 3,25 Millionen Dollar, fast alles WETH. Zuletzt tauschte sie am 13. Oktober gut 40 Minuten vor Beginn der Abstimmung 112 ETH in WETH. Ob dieser Bestand aus zurückgeholten Sicherheiten stammt, die laut Plan ohnehin in Ether getauscht werden, oder die Deckung der MIM noch erhöht, sagt der Vorschlag nicht. Eine Anfrage von Protos an das Team blieb nach dessen Angaben unbeantwortet.
MIM-Halter bekommen ihren Anteil in Ether
Laut Plan holt das Protokoll die Sicherheiten aus seinen Kreditverträgen, den sogenannten Cauldrons, tauscht sie in WETH und verteilt sie über einen Merkl-Vertrag. Kreditnehmer erhalten den Wert ihrer Sicherheiten abzüglich ihrer Schulden, MIM-Halter den Rest anteilig. Maßgeblich ist eine Momentaufnahme der Guthaben, die “not before October 20th, 2026” entstehen soll, also frühestens am 20. Oktober.
Die Anspruchsliste und eine Seite zum Einlösen will das Team auf Discord veröffentlichen, vorher soll sich eine abweichende Empfängeradresse eintragen lassen. Was nach sechs Monaten niemand abgeholt hat, geht an die MIM-Halter, die ihren Anteil eingelöst haben, bis höchstens einen Dollar je MIM, danach an die Kreditnehmer.
Wer MIM auf einer Börse verwahrt, steht nicht selbst in der Liste, denn sie erfasst Adressen. Am Markt kostete MIM am Mittwoch um 19:05 Uhr MESZ 3,67 Cent und damit weniger als die in Aussicht gestellten 4 Cent, bei einem Handelsvolumen von 2.549 Dollar in 24 Stunden. SPELL wird dagegen weiter mit gut 15 Millionen Dollar bewertet, obwohl ihm der Vorschlag jeden Wert abspricht. Quelle: CoinGecko
Für einen Teil der Sicherheiten läuft ohnehin eine Frist: Rund eine Million Dollar in zwei Stargate-Verträgen müssen vor dem 15. Dezember abgezogen werden, weil LayerZero Labs seinen alten Relayer abschaltet.
Kryptowährungen sind sehr schwankungsanfällig. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.




