Zehn Monate nach einem Angriff über 128 Millionen US-Dollar zieht Balancer die Konsequenz. Ein Vorschlag sieht vor, das Protokoll geordnet abzuwickeln und die verbliebene Kasse von mehr als neun Millionen US-Dollar an die Halter des BAL-Tokens auszuschütten. Über den Plan wird vom 25. bis 29. September abgestimmt. Eingebracht hat den Vorschlag Marcus Hardt, Geschäftsführer von Balancer Labs, am Montag im Governance-Forum des Projekts. Die Begründung ist wirtschaftlich: Die Einnahmen haben sich nach dem Angriff nie erholt. Hardt fasst es mit Blick auf die jüngere Protokollversion so zusammen: “Das Produkt hat funktioniert. Es hat sich nicht genug verkauft.” Balancer gehört zu den älteren dezentralen Handelsprotokollen. Nutzer stellen dort Kapital in Liquiditätspools bereit und erhalten einen Anteil der Handelsgebühren. Genau diese Gebühren sind weggebrochen.

Die Einnahmen von Balancer nach dem Angriff. Quelle: crypto.news, 15.09.2026
Wie die Abwicklung ablaufen soll
Der Plan sieht einen gestaffelten Rückzug über mehrere Jahre vor. Liquiditätsgeber sollen ihre Mittel bis zum 30. Oktober 2026 abziehen; ab dem 1. November wird die Infrastruktur auf reine Auszahlungen zurückgefahren, neue Geschäfte gibt es dann nicht mehr. Die erste Ausschüttung an die Token-Halter ist für Mai 2027 geplant, eine zweite für November 2027 mit dem, was bis dahin nicht abgerufen wurde. Für die Betriebskosten der Abwicklung sind bis zu 400.000 US-Dollar zurückgestellt. Wer seinen Anteil will, muss dafür seine BAL-Token vernichten. Die Auszahlung erfolgt anteilig und in den Werten, die in der Kasse liegen, nicht in Euro oder Dollar.
Was der Fall für Anlegerinnen und Anleger zeigt
Wer weder BAL hält noch Kapital in den Pools hat, ist von der Abwicklung nicht betroffen. Der Vorgang ist trotzdem lehrreich, weil er einen Ablauf zeigt, den es im klassischen Finanzwesen so nicht gibt:
- Ein Sicherheitsvorfall wirkt lange nach. Der eigentliche Schaden war 2025 begrenzt und teilweise ersetzt. Zum Ende führte nicht der Diebstahl, sondern das ausbleibende Vertrauen danach.
- Ein Governance-Token ist kein Wertpapier mit Anspruch. Dass hier überhaupt etwas ausgeschüttet wird, ist eine Entscheidung der Gemeinschaft, kein einklagbares Recht. Die Auszahlung beginnt zudem erst in gut anderthalb Jahren.
- Fristen muss man selbst kennen. Es gibt keine Stelle, die Liquiditätsgeber anschreibt. Wer den 30. Oktober verpasst, kommt zwar weiterhin an sein Kapital, aber nur noch über eine reduzierte Infrastruktur.
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