Unbekannte haben über ein echtes Postfach einer italienischen Behörde Kundendaten bei Revolut abgefragt und erhalten. Nach Darstellung der Fintech-Bank waren die eigenen Systeme dabei zu keinem Zeitpunkt kompromittiert. Abgeflossen sind dennoch Ausweiskopien, Kontoauszüge und vollständige Transaktionsverläufe, einschließlich Bitcoin-Bewegungen. Die italienische Polizei ermittelt. Der Zugriff lief nicht über eine technische Lücke, sondern über Vertrauen. Die Angreifer nutzten ein kompromittiertes Konto im italienischen System für zertifizierte E-Mails, kurz PEC, das Behörden für rechtsverbindliche Zustellungen verwenden. Das Postfach gehörte nach übereinstimmenden Berichten zur Präfektur Reggio Calabria. Aus diesem Postfach heraus stellten die Täter Auskunftsersuchen, wie sie Behörden im Rahmen von Ermittlungen tatsächlich an Finanzdienstleister richten. Die Präfektur bestreitet, solche Anfragen gestellt zu haben. Revolut bestätigt den Vorgang und nennt ihn “einen ausgeklügelten Betrug durch Vortäuschung einer fremden Identität, bei dem ein unbefugter Dritter die legitime E-Mail-Domain einer Behörde genutzt hat, um betrügerische Auskunftsersuchen zu stellen”. Systeme, Datenbanken und Kundengelder seien unversehrt geblieben. Zur Zahl der Betroffenen macht das Unternehmen keine Angabe und spricht lediglich von einer “begrenzten Zahl” von Kundinnen und Kunden. Das kalabrische Nachrichtenportal LaC News24 berichtet von 680 Betroffenen; bestätigt ist diese Zahl nicht.
Welche Daten abgeflossen sind
Der Umfang geht nach Berichten von Decrypt und TechCrunch weit über Stammdaten hinaus. Betroffen sind demnach:
- Identitäts- und Kontaktdaten: vollständiger Name, Geburtsdatum, Beruf, Postanschrift, E-Mail-Adresse und Telefonnummer.
- Ausweisdokumente: Kopien von Reisepass oder Führerschein sowie die Selfies aus der Identitätsprüfung.
- Finanzdaten: Kontoauszüge mit IBAN und Wallet-Referenznummern sowie Auszahlungsvorgänge.
- Vollständige Transaktionshistorie, ausdrücklich einschließlich der Bitcoin-Bewegungen.
Biometrische Gesichtsdaten waren nach den Berichten nicht Teil des Abflusses. Ermittelt wird von der Polizia Postale, der italienischen Cyberpolizei, wegen unbefugten Zugriffs auf ein Computersystem und Computerbetrugs. Der Fall steht nicht allein: Die italienische Sicherheitsbehörde CERT-AGID hat nach Angaben von Cointelegraph seit Anfang 2026 mehr als 650 Fälle missbrauchter oder unrechtmäßig genutzter PEC-Konten bearbeitet.
Warum eine offengelegte Bitcoin-Historie besonders unangenehm ist
Bei einem gewöhnlichen Datenleck drohen Phishing und Identitätsmissbrauch. Kommt eine vollständige Transaktionshistorie hinzu, verschiebt sich das Risiko: Wer Name, Anschrift, Ausweiskopie und Kontobewegungen zusammen hat, kann abschätzen, wie viel jemand besitzt und wo diese Person wohnt. Genau diese Kombination ist die Grundlage für Erpressungen und für Überfälle auf Privatpersonen, in der Branche als Angriffe mit dem Schraubenschlüssel bekannt. Was Betroffene jetzt tun können:
- Mit gezielten Täuschungsversuchen rechnen. Wer echte Kontodaten kennt, wirkt am Telefon glaubwürdig. Kein seriöser Anbieter und keine Behörde verlangt am Telefon Zugangsdaten oder die Freigabe einer Überweisung.
- Bestände trennen. Wer größere Beträge auf Adressen hält, die in der abgeflossenen Historie auftauchen, kann sie auf neue Adressen übertragen. Die alte Zuordnung lässt sich damit nicht löschen, die künftige aber erschweren.
- Auskunft verlangen. Nach Artikel 15 der Datenschutz-Grundverordnung besteht ein Recht darauf, zu erfahren, welche eigenen Daten betroffen sind. Das schafft Klarheit, solange das Unternehmen keine Zahlen nennt.
- Nicht in Aktionismus verfallen. Die Guthaben selbst sind nach Angaben des Unternehmens nicht betroffen. Ein überstürzter Abzug von Beständen schafft neue Fehlerquellen.
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