Die Europäische Zentralbank ruft Online- und Mobile-Händler aus dem Euroraum auf, sich am Pilotbetrieb des digitalen Euro zu beteiligen. Bewerbungen sind bis zum 27. Oktober möglich, der Test soll im zweiten Halbjahr 2027 beginnen und zwölf Monate laufen. Vergütet wird die Teilnahme nicht. Getestet wird eine Beta-Fassung in einer kontrollierten Zahlungsumgebung. Die EZB will dabei Rückmeldungen zu den Zahlungsabläufen sammeln, zur technischen Anbindung auf Händlerseite und zur Erfahrung der Kundschaft an der Kasse. Teilnehmende Händler müssen dafür mit einem der Zahlungsdienstleister zusammenarbeiten, welche die Notenbank bereits im Juli ausgewählt hat. Bewerben können sich Unternehmen bis Dienstag, den 27. Oktober 2026, 17:00 Uhr MEZ. Eine Informationsveranstaltung ist für den 6. Oktober angesetzt; schriftliche Fragen nimmt die Notenbank bis zwei Wochen vor dem Bewerbungsschluss entgegen. Ausgewählt wird nach Marktreichweite, betrieblicher Reife und Eignung für den Piloten.

Der Zeitplan für den Digital-Euro-Piloten. Quelle: EZB-Mitteilung vom 15.09.2026
Was der Pilot ist und was er ausdrücklich nicht ist
Entscheidend ist eine Einschränkung, die die EZB selbst betont: Die getestete Fassung ist dem geplanten digitalen Euro technisch und funktional nahe, hat aber keinen Status als gesetzliches Zahlungsmittel. Niemand ist verpflichtet, sie anzunehmen, und niemand kann damit rechtsverbindlich bezahlen. Ebenso offen ist, ob es den digitalen Euro überhaupt geben wird. Die endgültige Entscheidung über eine Ausgabe fällt nach Angaben der Notenbank erst, wenn die zuständigen EU-Gesetzgeber den Rechtsrahmen verabschiedet haben. Der Pilot ist damit eine Vorbereitung, keine Vorentscheidung. Nach Berichten von CoinDesk und Cointelegraph hatte die EZB im Juli 36 Zahlungsdienstleister für die Erprobung ausgewählt, darunter Revolut, Stripe, die Deutsche Bank und UniCredit. Eine tatsächliche Ausgabe wird in diesen Berichten frühestens für 2029 erwartet.
Was das für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet
Unmittelbar ändert sich nichts: Der Pilot richtet sich an Händler, nicht an Privatpersonen, und er beginnt frühestens in gut einem Jahr. Interessant ist der Schritt trotzdem, weil er die Frage berührt, wer künftig den digitalen Zahlungsverkehr in Europa organisiert.
- Der digitale Euro ist kein Kryptowert. Er wäre Zentralbankgeld in digitaler Form, herausgegeben und garantiert von der EZB. Kurs- oder Wertschwankungen wie bei Bitcoin gibt es dabei nicht.
- Die Konkurrenz sind Stablecoins, nicht Bitcoin. Euro-Stablecoins privater Anbieter erfüllen heute schon eine ähnliche Funktion im digitalen Zahlungsverkehr, allerdings mit dem Ausfallrisiko des jeweiligen Emittenten.
- Der Zeitplan ist lang. Zwischen Bewerbungsschluss und einer möglichen Ausgabe liegen mehrere Jahre und ein Gesetzgebungsverfahren. Wer heute digital in Euro zahlen will, nutzt weiterhin Karte, Überweisung oder Zahlungsdienste.
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