Monatelange Gespräche über einen gemeinsamen Standard für moderne Wallet-Konten sind gescheitert. Ethereum verfolgt nun einen eigenen Vorschlag, die von Coinbase betriebene Layer-2-Kette Base einen zweiten. Für Nutzerinnen und Nutzer bedeutet das vor allem eines: Die erhofften Verbesserungen bei der Bedienung kommen später. Im Kern geht es um Kontoabstraktion. Bisher ist ein Ethereum-Konto ein simples Schlüsselpaar: Wer den Schlüssel verliert, verliert den Zugang, und für jede Transaktion braucht es Ether zum Bezahlen der Gebühr. Kontoabstraktion soll das ändern, indem ein Konto selbst festlegt, wie es Transaktionen prüft und bezahlt. Möglich würden damit die Anmeldung per Passkey, eine Wiederherstellung über hinterlegte Kontakte und Gebühren, die jemand anderes übernimmt. Beide Seiten wollen dasselbe Ziel, haben sich aber auf keinen gemeinsamen Weg geeinigt. Ethereum setzt auf EIP-8141 mit dem Titel “Frame Transaction”, einen neuen Transaktionstyp, der Prüfung, Ausführung und Gebührenzahlung in getrennte Abschnitte zerlegt. Zu den Autoren zählen unter anderem Vitalik Buterin und Felix Lange. Der Vorschlag ist ausdrücklich darauf angelegt, später auf quantensichere Signaturverfahren umstellen zu können. Base verfolgt EIP-8130, “Keystore Accounts”, eingebracht von Chris Hunter von Coinbase. Dort verwaltet ein Vertrag auf der Blockchain, welche Prüfverfahren für ein Konto gelten; vorgesehen sind unter anderem WebAuthn und FIDO2, also die Verfahren hinter Passkeys und Sicherheitsschlüsseln. Beide Vorschläge stehen im Entwurfsstadium.

Die beiden Vorschläge im Vergleich. Quellen: eips.ethereum.org und CoinDesk, 16.09.2026
Warum die Gespräche gescheitert sind
Die Prioritäten liegen auseinander. Auf Ethereum-Seite stehen Privatsphäre, Zensurresistenz und die langfristige Absicherung gegen Quantencomputer im Vordergrund. Base zielt auf Durchsatz, Flexibilität und die leichtere Erfüllung regulatorischer Anforderungen. Derek Chiang, der an dem Ethereum-Vorschlag mitgearbeitet hat, fasst den Bruch nüchtern zusammen: “Ethereum wollte die beste Fassung von Ethereum sein, und Base wollte die beste Fassung von Base sein.” Beide Vorschläge sollen in unterschiedlichen Netzwerk-Aktualisierungen landen: der Ethereum-Vorschlag in einem Upgrade nach dem kommenden Glamsterdam, der Base-Vorschlag in einer eigenen Aktualisierung, die für dieses Jahr vorgesehen ist.
Was das praktisch bedeutet
Unmittelbar ändert sich nichts. Bestehende Konten funktionieren unverändert, und beide Vorschläge sind Entwürfe, die noch keine Verbindlichkeit haben. Mittelfristig fallen aber drei Punkte an:
- Wallet-Anbieter müssen zwei Formate beherrschen. Wer sowohl Ethereum als auch Base unterstützt, baut künftig zwei Wege statt eines. Das kostet Entwicklungszeit, die woanders fehlt.
- Der Komfortgewinn verzögert sich. Gerade Einsteigerinnen und Einsteiger scheitern heute an Schlüsselverwaltung und Gasgebühren. Genau diese Hürden sollte die Kontoabstraktion senken.
- Ein Konto ist nicht überall dasselbe. Wer Guthaben über mehrere Netzwerke verteilt, sollte damit rechnen, dass sich Wiederherstellung und Anmeldung je nach Kette unterscheiden.
Wie Ethereum grundsätzlich funktioniert, erklärt unser Ratgeber zu Ethereum. Welche Verwahrlösungen es gibt, zeigt unser Wallet-Vergleich, aktuelle Notierungen stehen auf unserer Kursseite.
Ether lässt sich unter anderem bei Bitpanda handeln. Weitere Handelsplätze im Krypto-Börsen Vergleich.


























