Seit Montag werden auf der dezentralen Börse Hyperliquid unbefristete Terminkontrakte auf den Bitcoin Volmex Implied Volatility Index gehandelt. Sie setzen nicht auf die Richtung des Kurses, sondern auf die Stärke seiner Ausschläge. Zum Start ist ein fünffacher Hebel möglich. Gebaut hat das Produkt Markets by Kinetiq zusammen mit Volmex und Perps.inc; es ist die erste gemeinsame Auflage der drei. Besichert und abgerechnet wird in USDC, die Kursdaten liefert der Oracle-Dienst Seda an die Kette. Der zugrunde liegende Index, kurz BVIV, misst die erwartete Schwankungsbreite von Bitcoin über die kommenden 30 Tage in Echtzeit. Das Vorbild ist der VIX der Optionsbörse Cboe, der dasselbe für den S&P 500 tut und an den Aktienmärkten als Angstbarometer gilt.
Was ein Volatilitätsindex misst und was nicht
Ein gewöhnlicher Terminkontrakt auf Bitcoin gewinnt, wenn der Kurs steigt, und verliert, wenn er fällt. Ein Kontrakt auf einen Volatilitätsindex funktioniert anders: Er gewinnt, wenn die Ausschläge größer werden, unabhängig davon, in welche Richtung sie gehen. Der Wert wird nicht aus vergangenen Kursen berechnet, sondern aus den Preisen laufender Optionen. Aus dem, was Marktteilnehmer heute für eine Absicherung zu zahlen bereit sind, lässt sich ableiten, welche Schwankung sie erwarten. Steigt die Nervosität, steigen die Optionspreise, und der Index zieht an. Deshalb springt ein solcher Index typischerweise bei Kurseinbrüchen nach oben, während er in ruhigen Aufwärtsphasen fällt. Das macht ihn für zwei Dinge interessant: als Absicherung gegen Turbulenzen und als eigenständige Wette auf Ruhe oder Unruhe. Wer eine Marktphase für zu ruhig hält, kann darauf setzen, dass die Schwankung zunimmt, ohne sich festzulegen, ob es nach oben oder unten geht. “Der Start von Terminkontrakten auf den BVIV-Index auf Hyperliquid ist eine erhebliche Erweiterung für Krypto-Händler”, sagte Cole Kennelly, Gründer und Geschäftsführer von Volmex Labs, zur Auflage.
Warum deutsche Privatanleger diese Kontrakte in aller Regel nicht handeln können
Unbefristete Terminkontrakte, im Markt Perpetuals genannt, sind in der Europäischen Union für Privatkunden stark eingeschränkt. Die Aufsicht behandelt gehebelte Differenzgeschäfte auf Kryptowerte seit Jahren restriktiv, und dezentrale Handelsplätze wie Hyperliquid richten sich ohnehin nicht an reguliertes Privatkundengeschäft in der EU. Die Meldung ist für Anleger hier deshalb kein Produkthinweis, sondern ein Marktsignal. Volatilitätsprodukte entstehen dort, wo genug Optionshandel läuft, um eine erwartete Schwankung überhaupt zuverlässig zu messen. Dass ein solcher Index für Bitcoin jetzt handelbar wird, sagt etwas über die Reife des Derivatemarkts aus. Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens ist ein fünffacher Hebel auf eine Kennzahl, die selbst schon Schwankung misst, ein Produkt mit außergewöhnlichem Risikoprofil; der Wert kann sich in kurzer Zeit vervielfachen und ebenso schnell zusammenfallen. Zweitens hängt die Abrechnung an einer Oracle-Verbindung zwischen dem Index und der Blockchain, also an einer zusätzlichen technischen Abhängigkeit, die bei anderen Produkten nicht besteht. Was dezentrale Handelsplätze von zentralen unterscheidet, steht in unserem Ratgeber zu dezentralen Börsen, die Einordnung der Handelsformen im Vergleich von zentralen und dezentralen Plattformen. Den Start hat CoinDesk gemeldet.
Bitcoin lässt sich über regulierte Anbieter handeln, unter anderem bei eToro. Weitere Handelsplätze stehen im Krypto-Börsen Vergleich.


























