Der US-Zahlungsabwickler The Clearing House baut sein Netz für tokenisierte Bankeinlagen mit der Technik von Quant. Der Token QNT hat sich seit der Mitteilung vom Donnerstag mehr als verdoppelt, obwohl sie ihn mit keinem Wort erwähnt und das Netz erst im ersten Halbjahr 2027 starten soll.
The Clearing House wickelt nach eigenen Angaben jeden Tag mehr als 2 Billionen US-Dollar ab, über Überweisungen, Lastschriften, Scheckbilder und das Echtzeitsystem RTP. Am 24. September gab das Unternehmen in New York bekannt, dass Quant die Technik für seine “On-Chain Money Initiative” liefert. Über das neue Netz sollen Banken jeder Größe tokenisierte Einlagen untereinander verrechnen.
Quant baut darin die Schicht, die Buchungen zwischen den Instituten koordiniert, abgleicht und an die bestehenden Zahlungsnetze RTP und CHIPS anbindet. Chief Strategy Officer Sal Karakaplan begründete die Wahl so: “Building interbank infrastructure for tokenized deposits requires proven technology that can scale” (Wer eine Infrastruktur für tokenisierte Einlagen zwischen Banken baut, braucht erprobte Technik, die mitwächst).
Welche Banken mitmachen, steht nicht in der Mitteilung.
Anleger kaufen den Token, obwohl der Auftrag nur die Technik betrifft
Am Donnerstag um 2 Uhr MESZ, vor der Bekanntgabe, kostete QNT nach den Stundendaten von CoinGecko 70,68 US-Dollar. Am Sonntag um 18:05 Uhr MESZ waren es 177,84 Dollar (155,66 Euro), ein Plus von 152 Prozent; allein in den vorangegangenen 24 Stunden stieg der Kurs um 54 Prozent, bei einer Spanne zwischen 119,14 und 193,67 Dollar. Mit 2,58 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung steht Quant auf Platz 43. Vom Rekordhoch aus dem September 2021, 427,42 Dollar, ist der Token trotz des Sprungs noch 58 Prozent entfernt.
Quelle: CoinGecko
In der Mitteilung taucht QNT nicht auf, ebenso wenig eine öffentliche Blockchain. Quant-Gründer Gilbert Verdian spricht dort von einem “defining step in the global transition to programmable money” (einem prägenden Schritt beim weltweiten Übergang zu programmierbarem Geld), sagt aber nicht, ob und wie der Token im Netz der Banken gebraucht wird. Ob der Auftrag Nachfrage nach QNT erzeugt, lässt sich aus dem Dokument deshalb nicht ablesen.
Eine Verwässerung durch neue Token droht dagegen kaum: Von höchstens 14,61 Millionen QNT sind nach CoinGecko schon 99,5 Prozent im Umlauf.
Tokenisierte Einlagen bleiben Bankgeld und sind kein Stablecoin
The Clearing House beschreibt tokenisierte Einlagen als digitale Abbildung eines gewöhnlichen Bankguthabens, das seine Schutzmechanismen und die Aufsicht behält, aber anders gebucht wird. Zahlungen sollen sofort abgewickelt werden und sich nach vorher festgelegten Regeln selbst auslösen, für Unternehmen auch nachts und am Wochenende. Anders als bei Stablecoins gibt hier keine eigene Gesellschaft einen Token aus, der mit Reserven gedeckt ist; das Geld bleibt eine Forderung gegen die eigene Bank.
Der Ansatz hat in den USA Konkurrenz aus der Kryptobranche. Coinbase will Verwahrung und Stablecoin-Zahlungen zu US-Regionalbanken bringen, während sich die Banken mit einem eigenen Netz zusammentun. In Europa geht die Zentralbank einen dritten Weg und bringt mit Pontes Zentralbankgeld auf die Blockchain.
Für Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz ändert der Auftrag unmittelbar nichts: Das Netz steht Banken offen, nicht Privatkunden, und QNT selbst ist auch bei europäischen Handelsplätzen bereits handelbar. Wer den Token nach einem Anstieg um 152 Prozent in drei Tagen kauft, setzt auf eine Verbindung zwischen Bankauftrag und Token, die Quant bislang nicht beziffert hat.
Teilnehmer und Anwendungsfälle will The Clearing House erst im Lauf der Entwicklung nennen.
Quant (QNT) führt unter anderem Bitpanda im Angebot, weitere Handelsplätze vergleicht der Krypto-Börsen Vergleich.


























